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14.08.2017

Milliarden-Kredit: Hochtief setzt erstmals auf CMS und Clifford

Der Baukonzern Hochtief hat seine Schulden neu geordnet: Ein internationales Bankenkonsortium gewährte dem Unternehmen zu besseren Konditionen einen Kredit über 1,7 Milliarden Euro. Damit konnte der Essener Konzern einen langlaufenden, syndizierten Kredit ablösen, dessen Laufzeit 2019 geendet hätte. Das Unternehmen teilte mit, die Offerten der Banken hätten seinen eigenen Refinanzierungsbedarf deutlich überstiegen.

Marc Riede

Marc Riede

Die neue Finanzierung läuft über fünf Jahre und kann bei Bedarf um zwei Jahre verlängert werden. Sie teilt sich auf in einen Barkredit über 500 Millionen Euro sowie einen Avalkredit über 1,2 Milliarden Euro. Dieses Finanzierungsinstrument, bei dem kein Geld fließt, fungiert wie eine Bankbürgschaft. Sie ermöglicht es dem Unternehmen zum Beispiel, kurzfristig Sicherheiten für neue Bauaufträge zu hinterlegen – und zwar in der jeweiligen Landeswährung. Zu dem Bankenkonsortium gehören nach JUVE-Informationen mehrere internationale Großbanken.

Hochtief hatte bereits 2005 einen syndizierten Avalkredit in Höhe von 1,65 Milliarden Euro abgeschlossen. Die seinerzeit sehr innovative Transaktion legte den Grundstein für die längerfristige Finanzierungsstrategie des Konzerns. Im Herbst 2007 wurde die Avallinie refinanziert und auf 2 Milliarden Euro erhöht. Auch diese Vereinbarung hatte eine fünfjährige Laufzeit und wurde Ende 2011 abgelöst durch eine Avalkredittranche mit insgesamt 1,5 Milliarden Euro sowie einer revolvierend nutzbaren Barkredittranche in Höhe von 500 Millionen Euro. Es kamen zudem noch bilaterale Avalkreditlinien, Schuldscheindarlehen und Anleihen hinzu, um die Finanzierung weiter zu diversifizieren.

Hochtief beschäftigt rund 51.000 Mitarbeiter weltweit und erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 20 Milliarden Euro. Der Baukonzern gehört seit 2011 zu dem spanischen Baukonzern ACS, der Hochtief feindlich übernommen hatte. Der Investitionsfonds des Golfstaats Katar, der sich durch den Kauf eines größeren Anteilpakets dazwischengeschaltet hatte, war 2015 wieder aus dem Gesellschafterkreis von Hochtief ausgeschieden.

Berater Hochtief
CMS Hasche Sigle (Hamburg): Dr. Marc Riede (Federführung), Dr. Julia Runge; Associate: Leonid Sagalov (alle Finanzierungen)
Inhouse Recht (Essen): Dr. Alexandra Albrecht-Baba, David Deutsch

Berater Bankenkonsortium
Clifford Chance (Düsseldorf): Dr. Florian Mahler, Philipp Kropatscheck; Associates: Bahar Rahimyar, Dr. Salome Jibuti (alle Bank- und Kapitalmarktrecht)

Florian Mahler

Florian Mahler

Hintergrund: Als Hochtief 2005 den ersten syndizierten Avalkredit erhielt, stand ihr ein Team um Yorck Jetter von Freshfields Bruckhaus Deringer zur Seite, so wie auch bei den nachfolgenden Finanzierungen. Nachdem sich Jetter Ende vergangenen Jahres in den Ruhestand verabschiedet hatte, wurden gleich mehrere Sozietäten zum Gespräch eingeladen.

Hier überzeugte CMS-Partner Riede mit seinem eingespielten Team, das in den vergangenen Jahren auch die Stadtwerke Düsseldorf bei Kreditverhandlungen unterstützte. Das Team war ebenfalls in der 1,9 Milliarden Euro schweren Finanzierung für das  Offshorewindpark-Projekt Veja Mate zu sehen und beriet das Bankenkonsortium, das die Umstrukturierung beim Schienenlogistiker VTG begleitete.

Im Bereich Baurecht wurde CMS bereits früher schon von Hochtief mandatiert, ebenso wie  im Gesellschaftsrecht. So hatte ein Team um Dr. Malte Bruhns und Klaus Jäger den Essener Konzern zwischen 2012 und 2014 beim Verkauf mehrerer Töchterfirmen unterstützt. Seinerzeit stand auch Dr. Thomas Sonnenberg aufseiten des Unternehmens, der inzwischen als strategischer Compliance-Berater im Kölner Team von  CMS Hasche Sigle tätig ist.

Nach JUVE-Informationen veranstaltete Hochtief auch für das Bankenmandat einen Pitch – und entschied sich danach erstmalig für Clifford Chance. Auch der dortige Lead-Partner Mahler ist regelmäßig in Infrastrukturfinanzierungen involviert und begleitete beispielsweise die Windpark-Projekte Gode Wind 1 und Nordsee One. Auch Akquisitionsfinanzierungen, wie jüngst beim 5-Miliarden-Investment von CK Infrastructure beim Energiedienstleister Ista Deutschland, gehören zu seinen Schwerpunkten.

Für die Finanzierungsfragen ist in der Hochtief-Rechtsabteilung David Deutsch zuständig, der im vergangenen Herbst von der Lufthansa zu dem Bauunternehmen wechselte. Er gehört zur Abteilung von Dr. Alexandra Albrecht-Baba, Leiterin Konzern-Compliance & Recht. Gesamtverantwortlich für die Konzernabteilungen Recht, Revision und Compliance ist Georg von Bronk, der seit 2014 als Leiter Corporate Governance amtiert.

Als die Katarer vor zwei Jahren bei Hochtief ausstiegen, wurden sie von einem White & Case-Team beraten. Die rechtliche Federführung für den sogenannten Block-Trade-Verkauf von mehr als 7 Millionen Hochtief-Aktien hatten seinerzeit Prof. Dr. Roger Kiem und Gernot Wagner. (Sonja Behrens)

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