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01.08.2017

Wachwechsel im Trikot: DFB macht VW mit Inhouseteam zum neuen Sponsor

VW hat den Bieterkampf gewonnen: Von 2019 bis 2024 sind die Wolfsburger neuer Automobilsponsor des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Das gab der Sportclub im Juli nach seiner Präsidiumssitzung bekannt. Mit Inkrafttreten des neuen Vertrags endet nach 45 Jahren die Partnerschaft mit Mercedes. Für den Wechsel dürfte das höhere Gebot der Wolfsburger ausschlaggebend gewesen sein.  

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Jörg Englisch

Neuer Sponsor des DFB in der Kategorie Automobil wird damit ab 2019 Volkswagen (VW). Das Logo der Wolfsburger Autoschmiede wird in dieser Zeit die Trikots und Trainingsanzüge aller DFB-Teams zieren. VW überweist dem DFB dafür einen jährlichen Betrag zwischen 25 und 30 Millionen Euro. Mercedes sponserte den DFB seit 1972 und soll zuletzt rund 8 Millionen Euro jährlich nach Frankfurt überwiesen haben.

Den lukrativen Sponsorenwechsel leitete der DFB im März ein. Damals gab der Großverband in einer Mitteilung bekannt, die Vertragsvergabe an ein Bieterverfahren zu koppeln. In den Vorjahren waren die Verträge mit Mercedes immer ohne Ausschreibung verlängert worden. Zu dem Schritt dürften deutlich höhere Erwartungen an den neuen Sponsorenvertrag geführt haben. Diese wurden letztes Jahr geschürt, als der DFB seinen Ausstattervertrag mit Adidas verlängerte. Rund 50 Millionen Euro – und damit mehr als doppelt soviel wie zuvor – zahlt Adidas jährlich zwischen 2018 und 2022.

Der Vertrag mit den Wolfsburgern dürfte dem DFB allerdings auch in anderer Hinsicht Vorteile bringen. Zuletzt mehrte sich die Kritik einiger Bundesligavereine, die die Präsenz ihrer Vertragskicker in Mercedes-Werbungen beanstandeten. Die Vereinsmanager dürften mit dem VW-Engagement deutlich weniger Probleme haben. Anders als Mercedes ist der Volkswagenkonzern mit seinen Töchtern schon bei zahlreichen Profivereinen engagiert. VW ist zudem bereits langjähriger Sponsor des DFB-Pokals. Dieses Engagement soll Medienberichten zufolge im neuen Vertrag aufgehen.

Berater Deutscher Fußball-Bund
Inhouse Recht (Frankfurt): Dr. Jörg Englisch (Direktor Recht und Sportgerichtsbarkeit), Dr. Stefan Schmidt (Justiziar)

Berater Daimler/Mercedes
Inhouse Recht (Stuttgart): keine Nennungen

Berater Volkswagen
Inhouse Recht (Wolfsburg): keine Nennungen

Hintergrund: Die DFB-Rechtsabteilung um die marktbekannten Inhousejuristen Englisch und Schmidt hat die Ausschreibung vollkommen ohne externe Hilfe durchgeführt. Dies ist nicht ungewöhnlich, denn sie besitzt damit viel Erfahrung. Zuletzt schrieb sie etwa auch den Ausstattervertrag aus, den Adidas gewinnen konnte.

Sowohl Mercedes als auch VW wurden nach JUVE-Informationen nicht extern beraten. Auch hier dürfte die Kompetenz der Rechtsabteilungen, die häufig Sponsoring-Verträge zu verhandeln haben, sowie die guten Kontakte zum DFB für ein Gebot in Eigenregie gesprochen haben. Als der VfB Stuttgart im Frühjahr den Daimler-Konzern als Ankerinvestor für seine Profifußballabteilung gewann, standen dem Autobauer die Taylor Wessing-Partner Marc-Oliver Kurth und Frank Koch zur Seite. Intern betreute dies Rainer Beckmann, der 2012 auch den Einstieg bei MyTaxi flankierte. (Martin Ströder)

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