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07.09.2017

Flug-Taxi: Lilium sammelt mit Lacore 90 Millionen Dollar ein

Das deutsche Luftfahrt-Start-up Lilium hat 90 Millionen Dollar eingesammelt. Teilnehmer der ungewöhnlich großvolumigen Finanzierungsrunde sind unter anderem der chinesische Internetkonzern Tencent und die Privatbank LGT, die dem Fürstenhaus von Liechtenstein gehört.

André Eggert

André Eggert

Weitere Beteiligte der Serie-B-Finanzierung sind der Wagniskapitalgeber Atomico, hinter dem Skype-Mitgründer Niklas Zennström steht, und Obvious Ventures mit dem ehemaligen Twitter-CEO Evan Williams.

Lilium wurde 2015 von vier Studenten der Technischen Universität München gegründet. Das Start-up hat ein elektrisches Kleinflugzeug entwickelt, das senkrecht starten und landen kann (Electric Vertical Takeoff and Landing, kurz: eVTOL).

Wenn der Prototyp in Serie geht, soll das Lilium-Luftfahrtgerät mit bis zu 300 Stundenkilometern als fliegendes Taxi eingesetzt werden. Als Seed-Finanzierer hatte sich Frank Thelen, der auch regelmäßig als einer der Investoren bei der TV-Sendung ‚Die Höhle der Löwen‘ auftritt, früh an dem Projekt beteiligt. Das Investment erfolgte über seine Bonner Beteiligungsholding E42, die sich jüngst in Freigeist Capital umbenannt hat.

Die in Shenzhen ansässige Internetfirma Tencent, die hier zu den führenden Investoren zählt, hatte sich im vergangenen Jahr auch an dem Navigationsdienstleister Here beteiligt. Die noch junge VC-Firma Obvious Ventures mit Hauptsitz in San Francisco verwaltet rund 300 Millionen Dollar und legte gerade ihren zweiten Fonds auf. Der Wagniskapitalgeber Atomico, der vorwiegend in Europa investiert, hatte sich bereits an der ersten Finanzierungsrunde von Lilium beteiligt. Auch an dem Berliner Start-up 6Wunderkinder, das 2015 für 200 Millionen Dollar an Microsoft verkauft wurde, war der Investor beteiligt.

Lilium ist nicht das einzige deutsche Start-up, das auf elektrisch betriebene Lufttaxis setzt: Das baden-württembergische Projekt Volocopter hatte jüngst den Autobauer Daimler und den Berliner Tech-Investor Lukasz Gadowski als Neuinvestoren gewinnen können.

Berater Lilium Aviation
Lacore (Berlin): André Eggert (Federführung); Associates: Yamila Eraso, Ole Nieke (beide Corporate), Maria Höricke (IP), Dr. Melanie Lahr (Arbeitsrecht)

Peter Nussbaum

Peter Nussbaum

Berater Tencent
Davis Polk & Wardwell
(Menlo; USA): Abhishek Kolay
Hengeler Mueller
(München): Emanuel Strehle; Associates: Philip Goj, Dr. Christian Lutz – aus dem Markt bekannt

Berater LGT
Milbank Tweed Hadley & McCloy
(München): Dr. Peter Nussbaum; Associates: Dr. Dennis Seifarth, Dr. Karen Frehmel-Kück (alle Corporate/M&A)

Berater Atomico
Orrick Herrington & Sutcliffe
(München): Dr. Thomas Schmid, Dr. Jörg Ritter (beide M&A/Private Equity), Chris Grew (Technologierecht/Venture Capital; London; alle Federführung), Dr. Christoph Rödter; Associate: Verena Schwarz (beide M&A/Private Equity)

Berater Obvious Ventures
Greenberg Traurig:
Dr. Henrik Armah (Federführung; Berlin); Associates: Emily Ladd-Kravitz (Federführung; Boston), Dr. David Schwintowski (Berlin; alle Corporate)

Thomas Schmid

Thomas Schmid

Hintergrund: Lacore, die schon länger den Incubator E42 um Frank Thelen berät, wurde nach dessen Einstieg bei Lilium auch die Beraterin des jungen Münchner Unternehmens. Partner Eggert gehörte 2011 zur Gründungsriege von Lacore. Mit seinem rund zehnköpfigen VC-Beraterteam hat er unter anderem bereits den iPad-Kassenanbieter Orderbird und den Caravanverleiher Campanda bei Finanzierungsrunden unterstützt.

Hengeler, die seit fünf Jahren ein Büro in China unterhält, kam hier nach Marktinformationen über Davis Polk in das Mandat bei der chinesischen Mandantin Tencent. Die befreundete New Yorker Sozietät erhielt schon vor zehn Jahren eine Lizenz für ein Büro in Peking.

LGT und Milbank-Partner Nussbaum haben nicht zum ersten Mal miteinander zu tun. Mit Nussbaums Hilfe verkaufte die Liechtensteiner Bankengruppe beispielsweise 2011 ihre deutsche Tochter an Delbrück Bethmann Maffei (heute Bethmann Bank).

Co-Investorin Atomico hatte bereits zur ersten Finanzierungsrunde bei Lilium ein britisch-deutsches Team von Orrick mandatiert. Insofern konnte die enge Zusammenarbeit mit Partner Grew, der in der britischen Tech- und Venture-Capital-Branche gut vernetzt ist, hier nahtlos fortgesetzt werden.

Obvious Ventures war hierzulande noch nicht in Erscheinung getreten. Der hier involvierte Senior Associate Schwintowski, bis vor Kurzem General Counsel von Rocket Internet, brachte reichlich Erfahrung mit Finanzierungsrunden und internationalen Investoren mit. (Sonja Behrens)

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