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04.12.2017

Bank- und Maklergeschäft: GSK Stockmann und Allen & Overy zerteilen MLP

Der Finanzdienstleister MLP hat wie angekündigt sein Bank- und sein Maklergeschäft getrennt. Dafür wurde das Unternehmen seit mehreren Monaten umstrukturiert. Nun ist das Vorhaben im Handelsregister eingetragen und damit auch formal wirksam.

Hans-Christoph Ihrig

Hans-Christoph Ihrig

Das Bankgeschäft wird nun unter der neuen MLP Banking AG betrieben, das Maklergeschäft nennt sich nun MLP Finanzberatung SE. Die Trennung der beiden Geschäftszweige soll finanzielle Mittel in Höhe von 75 Millionen Euro freisetzen. Diese sollen investiert und für Zukäufe verwendet werden. Im stark regulierten Bankgeschäft sind mit der neuen Struktur nun auch strategische Kooperationen möglich. Beispielsweise hat MLP Banking die Zusammenarbeit mit Interhyp/Prohyp angekündigt, deren Vermittler die Immobilienfinanzierungen von MLP anbieten.

Im September war bereits der für den Umbau nötige Wechsel in die Rechtsform Societas Europaea (SE) vollzogen worden. Dafür mussten auch besondere Aspekte der Arbeitnehmerbeteiligung geklärt werden, die auftreten wenn eine sogenannte Vorrats-SE aktiviert wird. Das Verfahren für die Arbeitnehmerbeteiligung muss dann nachgeholt werden. Die Fragen, mit wem man auf Arbeitnehmerseite verhandelt und wann, waren bislang soweit bekannt noch keinem Praxistest unterzogen worden.

Der Umbau kostet den Konzern nach eigenen Angaben rund neun Millionen Euro.

Uwe Jäger

Uwe Jäger

Berater MLP
Inhouse Recht (Wiesloch): Antonio Poppa (Bank- und Maklerrecht), Michaela Göttler (Leiterin Compliance; beide Federführung), Dr. Hans-Joachim Letzel (Leiter Recht & Personal), Dr. Sven Schüly (Gesellschafts- und Konzernrecht), Isabella Arnold (Arbeits- und Sozialrecht), Ute Rosenhövel (Compliance)
Inhouse Steuern (Wiesloch): Thorsten Dönges (Leiter Steuern)
GSK Stockmann: (Heidelberg): Dr. Uwe Jäger (Corporate), Dr. Oliver Glück (Bank- und Aufsichtsrecht; beide Federführung), Daniele Eschenlohr (Bank- und Aufsichtsrecht); Associates: Dr. Jens Rügenhagen (Corporate; München), Moritz Gerstmayr (Bank- und Aufsichtsrecht)
Ihrig & Anderson: Dr. Hans-Christoph Ihrig (Gesellschafts- und Kapitalmarktrecht)
Allen & Overy (Frankfurt): Dr. Hans-Peter Löw (Arbeitsrecht), Dr. Andre Wandt (beide Federführung), Dr. Katharina Stüber (beide Corporate); Martin Rützel (Arbeitsrecht, alle Frankfurt). 
EY Law (Eschborn): Dr. Ansgar Becker (Federführung); Associates: Katharina Klausch, Robert Jung, Katharina von Smirnow (alle Aufsichtsrecht), Mona Pirouz (IT/Datenschutzrecht)
EY (Eschborn): Michael Berberich, Dr. Thomas Lenz, Daniel Deck (alle Steuern)

Hintergrund: Die Rechtsabteilung von MLP war stark in den Konzernumbau eingebunden. Das Projekt leitete von rechtlicher Seite Syndicus Poppa, der auf Bank- und Maklerrecht spezialisiert ist. Eine wesentliche Rolle spielten außerdem gesellschafts-, arbeitsrechtliche und Compliance-Themen, die das zehnköpfige Team der Rechtsabteilung selbst abdeckt.

Zum Abspaltungsvertrag und den damit verbundenen gesellschaftsrechtlichen und bankaufsichtsrechtlichen Fragen war federführend Ihrig verantwortlich, zu Beginn des MLP-Auftrags noch Partner bei Allen & Overy. Er gründete im August mit dem ehemaligen General Counsel von Bilfinger, Dr. Nils Anderson, die Einheit Ihrig & Anderson. Das Mandat für MLP war zu diesem Zeitpunkt jedoch schon weitestgehend abgeschlossen. Gemeinsam mit Allen & Overy wickelte er zuletzt noch einige Detailfragen ab.

Hans-Peter Löw

Hans-Peter Löw

Allen & Overy-Arbeitsrechtspartner Löw war mit seinem Team vor allem für die arbeitsrechtlichen Fragen bei der SE-Umwandlung zuständig. Löw pflegt einen längeren Kontakt zu MLP.

GSK Stockmann hat zu den Auswirkungen der Umstrukturierung auf das operative Geschäft beraten. Unter anderem mussten hunderte von Handelsvertreterverträgen und gruppeninterne Dienstleistungsverträge übertragen werden. Dabei stellten sich auch aufsichts- und geldwäscherechtliche Fragen in Bezug auf die Anlageberatung und Vermittlungen. Die M&A- und Immobilientransaktionspraxis von GSK hält mit dem Heidelberger Corporate-Partner Jäger schon länger Beziehungen zu MLP, inzwischen mündete dieser Kontakt schon mehrfach in Mandate für die Bankrechts- und Bankaufsichtsrechtspraxis von GSK-Managing-Partner Glück.

EY beriet mit einem größeren multidisziplinären Team zum Datenschutz, zum Aufsichtsrecht und zu Steuern. (Christiane Schiffer)

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