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20.07.2018

Finanzcheck: Scout24 holt sich mit Noerr Milliardenkredit und investiert mit Willkie

Die Onlinehandelsplattform Scout24 hat einen neuen Konsortialkredit gewährt bekommen: 1 Milliarde Euro erhielt das börsennotierte Internetunternehmen von einem internationalen Bankenkonsortium unter der Führung von UniCredit und ABN Amro. Mit dem unbesicherten Kredit wird nicht nur eine bestehende Konsortialfinanzierung refinanziert. Mit dem neuen Geld geht Scout24 auch direkt auf Einkaufstour und übernimmt das Vergleichsportal Finanzcheck.de.

Andreas Naujoks

Andreas Naujoks

Scout24 betreibt unter anderem ImmobilienScout24 und AutoScout24. Seit 2015 ist das Unternehmen an der Börse notiert. Das neue Finanzierungspaket in Höhe von 1 Milliarde Euro hat eine maximale Laufzeit von fünf Jahren, die neue Kreditlinie ist auf 500 Millionen Euro festgelegt.

Im Einzelnen besteht das Paket aus einem Darlehen von 300 Millionen Euro sowie einer revolvierenden Kreditlinie in Höhe von 200 Millionen Euro, wovon 70 Millionen Euro bereits in Anspruch genommen sind. Damit löst das Internetunternehmen einen 800 Millionen Euro schweren bestehenden Konsortialkredit vom Dezember 2016 ab. Durch die besseren Zinskonditionen des neuen Kredits erhofft sich Scout24 − nach der Finanzierung der Finanzcheck-Übernahme − eine jährliche Einsparung von 2,4 Millionen Euro.

Anne Grewlich

Anne Grewlich

Mit dem Kauf des Vergleichsportals Finanzcheck.de wagt sich das Münchner Unternehmen auf den Markt mit Verbraucherkrediten vor. Bisherige Eigner sind ein Konsortium aus Acton Capital, b-to-v Partners, Highland Europe, HarbourVest sowie dem CEO und anderen Investoren. Der Kaufpreis beträgt 285 Millionen Euro, der Deal muss jedoch noch von den Kartellbehörden genehmigt werden. Erst im März hatte Scout24 seine positive Geschäftsentwicklung genutzt, um ein Debüt-Schuldscheindarlehen über 215 Millionen Euro zu platzieren.

Der umfangreiche Kredit wurde von einem internationalen Bankenkonsortium aus neun Kreditinstituten gewährt. Neben den führenden Banken UniCredit und ABN Amro waren die Bayerische Landesbank, ING Bank, Landesbank Baden-Württemberg, DZ Bank, BNP Paribas, Landesbank Hessen-Thüringen Girozentrale und Nord/LB mit dabei.

Gut gepolstert in die Zukunft

In jüngster Zeit hatten sich einige Unternehmen mit milliardenschweren Krediten ausgestattet. 2017 sicherten sich etwa die VW-Finanztochter und der Softwareriese SAP eine 2,5-Milliarden-Euro-Kreditlinie. Eine ebenso umfangreiche Finanzierung holte sich der Windanlagenbauer Siemens Gamesa im Juni, um eingehende Aufträge zeitnah umsetzen zu können. Drei Milliarden Euro erhielt wiederum der börsennotierte Baustoffhersteller HeidelbergCement von 20 Banken im Frühjahr. Beim Energieunternehmen E.on hingegen dient ein syndizierter Kredit in Höhe von 5 Milliarden Euro dazu, das freiwillige Übernahmeangebot  an die Aktionäre der Innogy zu unterlegen.

Konsortialfinanzierung für Scout24

Berater Scout24
Inhouse Recht (Berlin): Peter Busse (Federführung; Leiter Gesellschafts- und Kapitalmarktrecht), Johannes Schneider
Noerr (Frankfurt): Andreas Naujoks, Dr. Torsten Wehrhahn (beide Federführung), Dr. Alexander Schilling (alle Bank- und Finanzrecht)

Berater UniCredit, ABN Amro und Bankenkonsortium
Inhouse Recht (München): Dr. Jörg Schilder
Ashurst (Frankfurt): Anne Grewlich (Federführung), Christiane Bestgen; Associate: Anna Caterina Zoth (beide Bank- und Finanzrecht; beide München)

Übernahme von Finanzcheck

Anja Schulz

Anja Schulz

Berater Scout24
Inhouse Recht (München): Anja Schulz (General Counsel), Peter Busse (Leiter Gesellschafts- und Kapitalmarktrecht; Berlin)
Willkie Farr & Gallagher (Frankfurt): Dr. Maximilian Schwab (Federführung; Corporate), Susanne Zuehlke (Kartellrecht/Compliance; Brüssel), Dr. Christian Rolf (Arbeitsrecht); Associates: Miriam Wolffsky, Manuel Köchel, Ali Kilic, Matthias Strecker, Andreas Sandberger (alle Corporate)
KNPZ (Hamburg): Dr. Kai-Uwe Plath; Associate: Anokh Singh (beide IP/Datenschutz)

Berater Verkäufer
Inhouse Recht (Finanzcheck.de; Hamburg): Frank Linde (General Legal Counsel) − aus dem Markt bekannt
Leo Schmidt-Hollburg Witte & Frank (Hamburg): Hubertus Leo (M&A), Dr. Tom Frank (Arbeitsrecht), Dr. Hartwig Schmidt-Hollburg (IP); Associate: Dr. Felix Sparka (M&A) − aus dem Markt bekannt
Commeo (Frankfurt): Dr. Johanna Kübler (Federführung), Isabel Oest (beide Kartellrecht)

Hintergrund: Noerr kam 2016 über einen Pitch in das Scout24-Mandat und beriet damals schon zu dem 800-Millionen-Darlehen. Seitdem spielt sich die Beziehung ein und so war die Kanzlei auch Anfang des Jahres für das Schuldscheindarlehen mandatiert.

Ashurst und hier Partnerin Grewlich sind regelmäßig für Unicredit tätig. Als das Panel kürzlich neu ausgeschrieben wurde, bekam die Kanzlei erneut einen Platz in der Beraterriege. Auch Ashurst war bereits 2016 mit dabei, als Scout24 den 800-Millionen-Euro-Kredit erhielt. Die Kanzlei kam damals über einen Pitch in das Bankenmandat. Eingeladen hatte der damalige General Counsel Dr. Michael Bütter, der von Berlin aus die Rechtsgeschäfte von Scout24 führte, bevor er im Mai neuer Vorstandsvorsitzender der Corestate Capital Holding in Luxemburg wurde. In seine Fußstapfen trat Anja Schulz, und auch diesmal wirkte Scout24 daran mit, dass Ashurst das Bankenkonsortium beriet, die Federführung intern lag bei Peter Busse.

Bei dem Kauf von Finanzcheck.de setzte Scout24 das zweite Mal bei einer größeren Transaktion auf Willkie. Die erste Transaktion stemmte Willkie 2013 für Scout24, als der US-Investor Hellman & Friedman die Mehrheit an dem Internetportal übernahm. Willkie beriet sowohl zu gesellschaftsrechtlichen Themen als auch zu Aspekten des Kartellrechts. Die IP- und IT-rechtliche Beratung übernahm KNPZ, die über Willkie in das Mandat kamen. Gerade für IP-Aspekte arbeitet Willkie regelmäßig mit KNPZ zusammen.

Für den Gründer von Finanzcheck war die Hamburger Corporate-Boutique Leo Schmidt-Hollburg an Bord, die auch IP- und IT-rechtliche Themen hier abdeckte. Kartellrechtliche Unterstützung kam von Commeo.

Die Kreditfinanzierung für Siemens Gamesa neulich regelte aufseiten der Banken ein Team um Dr. Frank Laudenklos und Dr. Simon Reitz von Freshfields Bruckhaus Deringer. (Helena Hauser)


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