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11.07.2018

Großes Paket: Viridium kauft mit Freshfields Lebensversicherungen von Generali

Der Versicherungskonzern Generali will sich von vier Millionen Lebensversicherungsverträgen in Deutschland weitgehend trennen. Der Abwickler Viridium aus Neu-Isenburg soll 89,9 Prozent an der Generali Leben erhalten. Generali selbst behält die restlichen Anteile und sichert sich außerdem die Option, sich mit bis zu 10 Prozent an Viridium zu beteiligen.

Wessel Heukamp

Wessel Heukamp

Der italienische Generali-Konzern und seine deutsche Tochter erwarten durch den Verkauf Gesamteinnahmen von bis zu 1,9 Milliarden Euro, weil zusätzlich zum Kaufpreis auch Darlehen an den Konzern zurückgeführt werden sollen. Neben Viridium bot dem Vernehmen nach bis zuletzt Athene, kam aber dann doch nicht zum Zug. Dieser Deal gilt in seiner Art als einer der größten bislang in Deutschland und als wegweisend für die Branche. Verschiedene Versicherer hatten bereits Anläufe unternommen, etwa als die Arag Lebensversicherung an die Frankfurter Leben verkaufte.

Viridium gehört dem Finanzinvestor Cinven und dem Rückversicherer Hannover Rück. Das Unternehmen war ab 2013 aus der früheren Heidelberger Lebensversicherung entstanden. Es verwaltet neben den Verträgen der Heidelberger und der Mannheimer Leben (heute Entis) auch die Policen der Skandia Deutschland sowie des britischen Versicherers Scottish Widows und damit − Stand Ende 2017 − gut 960.000 Versicherungsverträge mit einem Vermögen von knapp 16 Milliarden Euro.

Lebensversicherern fällt es in der Zinsflaute zunehmend schwer, an den Kapitalmärkten die hohen Garantieversprechen der Vergangenheit  von bis zu vier Prozent zu erwirtschaften. Manche Unternehmen haben das Neugeschäft mit kapitalbildenden Lebensversicherungen inzwischen eingestellt, einige wollen die teuren Altpolicen loswerden. Die Erwerber – sogenannte Run-off-Firmen wie beispielsweise Viridium − müssen die bestehenden Verträge bis zum Ablauf weiterführen.

Daniel Wilm

Daniel Wilm

Rund 300 Mitarbeiter, die bei Generali Leben bisher die geschlossenen Lebensversicherungsbestände managen, sollen in eine neue Gesellschaft unter dem Dach von Viridium wechseln. Ihre Arbeitsbedingungen sollten unverändert bleiben, versicherten beide Seiten. Bei Viridium mit Sitz in Neu-Isenburg bei Frankfurt kommen durch die Übernahme die Standorte Hamburg und München hinzu. Die Kapitalanlagen soll Generali die ersten fünf Jahre lang weiterhin selbst verwalten.

Berater Viridium
Freshfields Bruckhaus Deringer (München): Dr. Wessel Heukamp (Federführung; Corporate/Versicherungsrecht), Dr. David Beutel (Steuerrecht), Dr. René Döring (Frankfurt), Dr. Boris Dzida (Hamburg; beide Arbeitsrecht), Dr. Jochen Dieselhorst, Victoria Sigeti (London); Associates: Elizabeth Reiner-Oberholzer, Dr. Olga Gurmann (Frankfurt), Dr. Jil Rollmann (Hamburg), Dr. Maximilian Liegl, Dr. Bettina Stepanek, Dr. David Jansen (alle Corporate/M&A; alle Frankfurt) – aus dem Markt bekannt

Berater Generali
Hengeler Mueller
(Düsseldorf): Dr. Daniel Wilm (Federführung; Versicherungsaufsichtsrecht/Corporate), Dr. Christian Möller, Dr. Wolfgang Meyer-Sparenberg (beide Corporate/M&A), Dr. Vera Jungkind (Datenschutzrecht), Dr. Martin Klein (Steuern), Hendrik Bockenheimer (Arbeitsrecht), Dr. Stefan Krauss, Martin Peters (beide Kapitalmarktrecht; beide Frankfurt), Patrick Wilkening (IP/IT); Associates: Dr. Carl-Philipp Eberlein (Versicherungsaufsichtsrecht/Corporate), Dr. Thomas Lang, Loretta Lang (beide Frankfurt), Dr. Johannes Fütterer, Jesco Lindner, Dr. Marc Zuber (alle Corporate/M&A), Dr. Norman Koschmieder (Datenschutzrecht), Marius Marx, Sebastian Heinrichs (Frankfurt; beide Steuern), Benedikt Migdal, Dr. Maximilian Wosgien (beide IP/IT)
Noerr (München): Dr. Michael Brellochs (Federführung), Dr. Florian Becker (beide Corporate/M&A), Dr. Alexander Jänecke (Immobilienrecht), Dr. Nikolai Warneke (Bank- und Finanzrecht; beide Frankfurt), Dr. Carsten Heinz (Steuerrecht), Dr. Thomas Heitzer (Versicherungsaufsichtsrecht), Dr. Falk Osterloh (Corporate/M&A; beide Düsseldorf), Sebastian Voigt (Private Equity; Dresden);  Associates: Dr. Georg Langheld (Corporate/M&A; München), Bernd Bäumer, Franziska Zahoransky (beide Immobilienrecht), Christian Hinzmann (Bank- und Finanzrecht; alle Frankfurt), Dr. Lisa Brasseler (Versicherungsaufsichtsrecht; Düsseldorf)
Flick Gocke Schaumburg (Bonn): Dr. Holger Dietrich (Steuerrecht) – aus dem Markt bekannt

Michael Brellochs

Michael Brellochs

Berater Athene (Artura)
Linklaters (München): Dr. Wolfgang Krauel; Associate: Dr. Thomas Broichhausen – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Der renommierte Münchner Freshfields-Partner Heukamp pflegt eine langjährige Mandatsbeziehung zu Viridium, vormals Heidelberger Leben. Die Mandatierung war naheliegend, nachdem sein Team zuvor bereits etwa beim Kauf des Protektor/Mannheimer-Lebensversicherungsbestands beraten hatte. 

Wolfgang Krauel

Wolfgang Krauel

Hengeler Mueller beriet Mandantin Generali bislang zu diversen gesellschaftsrechtlichen Themen. Ebenso trat die Kanzlei bereits in früheren Deals zu Lebensversicherungen auf, wie etwa im Vorjahr im Protektor-Mandat zur Ausgliederung des früheren Bestands der Mannheimer Lebensversicherung. Soweit bekannt, war Hengeler für den M&A-Part zuständig, während Noerr zur drei unterschiedliche Jurisdiktionen betreffenden Reorganisation bei Generali beriet und dabei die Arbeit von Gianni Origoni Grippo Cappelli & Partners (Italien), Stikeman Elliott (Kanada) und Loyens & Loeff (Luxemburg) koordinierte. Partner Brellochs unterstützte schon die Arag beim Verkauf ihres Lebensversicherungspakets an die Frankfurter Leben. Für die italienischen Muttergesellschaft Generali war Noerr schon früher tätig.

Auch das Linklaters-Team um den Münchner Gesellschaftsrechtler Krauel hat sich in den vergangenen Jahren im Run-off-Geschäft etabliert. So trat die Kanzlei für Mandantin Athene bereits beim Kauf des Deutschlandgeschäfts des niederländischen Delta Lloyd-Konzerns auf. (Anika Verfürth, Christiane Schiffer/mit Material von dpa)

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