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26.07.2018

Milliardenkredit: Allen & Overy berät Daimler bei milliardenschwerer Refinanzierung

Daimler sichert sich ab: Das Stuttgarter Unternehmen vereinbarte mit einem Konsortium aus 40 Banken eine Reserve-Kreditlinie über 11 Milliarden Euro. Der börsennotierte Automobilhersteller, der einen milliardenschweren Konzernumbau sowie Modernisierungsmaßnahmen plant, kann mit der neuen Vereinbarung eine alte Kreditlinie zu geringeren Kosten ablösen.

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Walter Uebelhoer

Die neue syndizierte Kreditlinie hat eine Laufzeit von fünf Jahren, kann aber zweimal verlängert werden. Geführt wurde das Bankenkonsortium von BNP Paribas, Citigroup, Deutsche Bank, Mitsubishi Bank (MUFG) sowie UniCredit. Medienberichten zufolge sinken mit der neuen Finanzierung die Bereitstellungskosten. Daimler beabsichtigt nicht, die neue Finanzierung zu nutzen, obwohl auf das Unternehmen hohen Kosten zukommen.

Umstrukturierungspläne

Daimler hatte im Herbst angekündigt, aus seinen Abteilungen rechtlich selbstständige Einheiten formen zu wollen. Sollten die Pläne verwirklicht werden, entstünden drei Aktiengesellschaften unterhalb einer Holding: Neben der bereits verselbstständigten Daimler Financial Services die Mercedes-Benz Cars & Vans sowie Daimler Trucks & Buses.

Johannes Tieves

Johannes Tieves

Eine Beschäftigungssicherung bis zum Jahresende 2029 wurde mit den Arbeitnehmervertretern schon in einem Eckpunktepapier avisiert. Die Pläne sollen bis 2019 geprüft und dann gegebenenfalls in einer Hauptversammlung abgesegnet werden. Neben dem Konzernumbau plant Daimler auch den Bau von neuen Batteriefabriken.

Berater Daimler
Allen & Overy (München): Dr. Walter Uebelhoer (Federführung), Elizabeth Leckie (New York), Dr. Ilja Baudisch; Associate: Jaimie Hughey (New York; alle Bank- und Finanzrecht)
Gowling WLG (Toronto): John Ross (kanadisches Recht) – aus dem Markt bekannt
Inhouse Recht (Stuttgart): Dr. Kerstin Neumann, Dr. Alexandra Lindemeier, Dr. Steffen Nolte, Christina Wieser – aus dem Markt bekannt

Berater Bankenkonsortium
Hengeler Mueller (Frankfurt): Dr. Johannes Tieves; Associate: Dr. Henning Hilke (beide Finanzrecht)

Hintergrund: Bislang gehörten Shearman & Sterling, Gleiss Lutz, SZA oder Freshfields zu den Finanzierungsberatern der Stuttgarter. Als sich Daimler 2013 die 9-Milliarden-Kreditlinie sicherte, setzte der Autokonzern auf Freshfields. Dieses Mal setzte Daimler erstmals auf Allen & Overy, die man in der Vergangenheit bei kapitalmarktrechtlichen Themen mandatiert hatte.

Der Beratungsauftrag für den Milliardenkredit entstand über einen Pitch, in dem sich Partner Uebelhoer durchsetzte. Uebelhoer war zuletzt an diversen großvolumigen Finanzierungen beteiligt, unter anderem als sich der Windanlagenbauer Siemens Gamesa im Juni 2,5 Milliarden holte, um eingehende Aufträge zeitnah umzusetzen.

Allen & Overy wurde von einem Inhouseteam um Neumann begleitet. Bei dem Stuttgarter Autobauer steht heute die Verkündung der Konzernzahlen zum ersten Halbjahr an. Die Hauptversammlungen von Daimler protokolliert regelmäßig der Notar Klaus Racky.

Gowling beriet aus Kanada heraus zu Fragen des kanadischen Rechts, da der Kredit auch die Möglichkeit beinhaltet, kanadische Dollar in Anspruch zu nehmen.

Die Beratung des Bankenkonsortiums übernahm Hengeler Mueller. Für die Kanzlei sind gute Beziehungen zur Deutschen Bank bekannt. Der federführende Partner Tieves stand jüngst an der Seite des Schienenlogistikers und Waggonvermieters VTG, als die Morgan Stanley-Tochter Warwick die im SDax notierte VTG übernehmen wollte. (Helena Hauser, Sonja Behrens)

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