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30.07.2018

Neue Struktur: Continental setzt bei Konzernumbau auf Freshfields

Seit mehr als einem halben Jahr stand der Plan im Raum, nun hat der Aufsichtsrat seinen Segen gegeben: Der Dax-Konzern Continental gibt sich eine neue Holding-Struktur. Die Division Powertrain soll verselbstständigt werden, ein Teilbörsengang ist für Mitte 2019 geplant. Alles in allem ist es der bislang größte organisatorische Umbau in der Geschichte des Technologieunternehmens.

Christoph Seibt

Christoph Seibt

Continental möchte sich mit der neuen Struktur den veränderten Herausforderungen in der Automobilindustrie stellen. Die bisherige Continental AG firmiert zukünftig unter der Dachmarke Continental Group. Darunter werden die drei Unternehmensbereiche Continental Rubber, Continental Automotive und Powertrain als selbstständige, etwa gleich große Einheiten aufgebaut beziehungsweise gesellschaftsrechtlich und organisatorisch angepasst.

Zu Powertrain gehören dann nicht nur das Geschäft mit Verbrennungs-, sondern auch mit Hybrid- und Elektroantrieben sowie die Batterieaktivitäten, die der Hannoveraner Konzern zuletzt verstärkt hatte. Im Automotivebereich hingegen werden die Forschungs- und Entwicklungskapazitäten weiter gebündelt, bis zu 15.000 Ingenieure sollen dort tätig werden. Weitere 17.000 Ingenieure werden sich dem autonomen Fahren und damit vernetzten Anwendungen widmen.

Daneben steht noch das traditionsreiche Reifengeschäft (Tire Technologies) und der Kunststoffhersteller ContiTech, die künftig unter das Dach von Continental Rubber fallen. Die Continental AG selbst übt schon seit einigen Jahren eine reine Leitungs- und Holdingfunktion für den Konzern aus, insofern muss dort gesellschaftsrechtlich nichts verändert und auch keine Zustimmung der Aktionäre eingeholt werden. Der neu zu formierende Börsenkandidat Powertrain wird ebenfalls als Aktiengesellschaft aufgesetzt.

Seit 2008 ist die Schaeffler-Holding Mehrheitseigenerin bei Continental. 1871 als Gummiverarbeiter gegründet, hat Continental inzwischen rund 240.00 Mitarbeiter in mehr als 60 Ländern, der Umsatz des deutschen Großkonzerns liegt bei rund 47 Milliarden Euro.

Berater Continental 
Inhouse Recht (Hannover): Dr. Christian zur Nedden (Head of Compliance, Law and Intellectual Property and General Counsel), Johannes Suttmeyer (Leiter Konzernrecht EMEA und APAC), Dr. Christoph Willecke (Head of Law Corporate Matters) – aus dem Markt bekannt
Inhouse Steuern (Hannover): Dr. Ulrike Schramm (Leiterin Steuern) – aus dem Markt bekannt
Freshfields Bruckhaus Deringer (Hamburg):
Prof. Dr. Christoph Seibt (Gesellschaftsrecht/M&A), Dr. Jochen Dieselhorst (IP), Dr. Christian Ruoff, Dr. Norbert Schneider (Düsseldorf; beide Steuerrecht), Prof. Dr. Klaus-Stefan Hohenstatt (Arbeitsrecht); Associates: Dr. Jakob Fontaine, Karsten Krumm, Dr. Gerrit Bulgrin, Benedikt Zimmerningkat (alle Gesellschaftsrecht/M&A), Dr. Philipp Dohnke (IP), Dr. Philipp Redeker (Steuerrecht; Düsseldorf) 
PricewaterhouseCoopers (Düsseldorf): Dr. Jan Becker (Federführung), Moritz Mühlhausen, Tobias Kröger, Fabian Engel 

Hintergrund: Die Umsetzung der rechtlichen Maßnahmen dürfte rund zwei Jahre dauern. Freshfields-Partner Seibt ist bereits seit 25 Jahren für Continental tätig. Er beriet seine Mandantin auch schon 2007, als es galt Bain Capital davon abzuhalten, als erstes Private-Equity-Haus ein Dax-30-Unternehmen zu schlucken. Auch war er ein Jahr später involviert, als die Schaeffler-Gruppe den Reifenkonzern überraschend an sich zog. Zudem begleiteten Teams von Freshfields Continental beim Ankauf der Siemens-Sparte VDO Automotive für 11,4 Milliarden sowie der Veyance Technologies in den USA für 1,4 Milliarden Euro. Für den jetzigen Konzernumbau werden nun zahlreiche Auslandsbüros und Korrespondenzkanzleien der Magic-Circle-Kanzlei hinzugezogen werden müssen, um die Neuzuteilung und Aufstellung der Unternehmensbereiche rund um den Globus rechtlich wie steuerlich in trockene Tücher zu bringen. Die Koordination der Patentrechte rund um den Globus dürfte Principal Associate Dohnke obliegen.

Continentals Rechtsabteilung wird schon seit vielen Jahren von Christian zur Nedden geführt. Der Gesellschaftsrechtler Christoph Willecke koordiniert hier dem Vernehmen nach den Carve-out-Prozess für Powertrain.

Die Leitung der Steuerabteilung übernahm im Frühjahr vergangenen Jahres Ulrike Schramm, die zuvor schon die Abteilung Internationale Steuern führte. Zudem amtiert laut dem Fachmagazin Compliance Manager seit Januar Thomas Wenzke in der neu geschaffenen Funktion Head of Tax Compliance and Tax Risk Management im Unternehmen.

Nach Marktinformationen ist die WP-Gesellschaft Deloitte ebenfalls mit dem anstehenden Carve-out-Prozess für Powertrain befasst.

Die steuerlichen Strukturen für die neuen Unternehmensbereiche wird PwC anlegen. Über die Entstehung des Mandatsverhältnisses zu PwC ist nichts bekannt. Der Düsseldorfer Partner Jan Becker leitet den Bereich Automotive/Tax bei PwC und zählt zahlreiche Unternehmen der Auto- und Automobilzulieferindustrie zu seinen Mandanten.

Als Continental im April ihre Emissionsplattform für kurzlaufende Anleihen erneuerte und auf 1,5 Milliarden Euro ausweitete, fungierte CMS Hasche Sigle als sogenannter Transaction Counsel. Das Team um Oliver Dreher hatte die Commerzbank und weitere Mitglieder des Bankenkonsortiums beraten. Bei der Joint-Venture-Gründung Osram Continental hingegen, die der Entwicklung und Produktion von Autobeleuchtungen dienen soll, vertraute Continental auf ein Münchner Team von Linklaters. (Sonja Behrens)

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