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16.07.2018

Öffentliches Angebot: Warwick greift mit Sullivan & Cromwell nach VTG

Die Morgan Stanley-Tochter Warwick will den im SDax notierten Schienenlogistiker und Waggonvermieter VTG übernehmen. Warwick biete den VTG-Aktionären je Aktie 53 Euro in bar, teilte die Tochter der US-Investmentbank Morgan Stanley am Montag in Frankfurt mit. Damit wird das Unternehmen mit 1,5 Milliarden Euro bewertet.

York Schnorbus

York Schnorbus

Aus Sicht des VTG-Managements ist dies jedoch zu wenig. „Das Angebot reflektiert nach Einschätzung der Gesellschaft nicht den fundamentalen Wert der VTG“, teilte das Unternehmen mit. Der Vorstand werde den Aktionären daher die Annahme eines Angebotes zu dem angebotenen Preis nicht empfehlen können.

So sind aus Sicht der VTG die Zukunftsperspektiven, die sich etwa aus der Übernahme der Nacco-Gruppe ergeben, nicht im Preis ausreichend berücksichtigt. Das Unternehmen geht davon aus, den Kauf des Vermieters von Eisenbahngüterwagen im zweiten Halbjahr abschließen zu können. Auch die Digitalisierung macht das Unternehmen aus Sicht der VTG wertvoller. Sobald die Angebotsunterlagen vorliegen, will VTG diese prüfen. „Wir stehen einem konstruktiven Dialog mit der Bieterin aufgeschlossen gegenüber“, sagte VTG-Chef Heiko Fischer.

Die Morgan-Stanley-Tochter Warwick selbst hält 29 Prozent am Hamburger Logistikunternehmen und hat sich bereits den 20-Prozent-Anteil des anderen Großaktionärs, der Kühne Holding, gesichert. Damit besitzt Warwick faktisch schon 49 Prozent. Als Folge des Deals mit Kühne musste Warwick nun ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für alle ausstehenden Anteilsscheine machen. J.P. Morgan unterstützt Warwick als finanzierende Bank.

Drittgrößter VTG-Aktionär ist seit März 2016 mit zehn Prozent die Joachim Herz Stiftung, die ihren Anteil nun um fünf Prozent aufstockte. Die Stiftung erwarb die Aktien von der Ärzteversorgung Westfalen-Lippe.

Daniela Favoccia

Daniela Favoccia

Berater Morgan Stanley/Warwick
Sullivan & Cromwell (Frankfurt): Dr. Carsten Berrar, Dr. York Schnorbus (beide Gesellschaftsrecht/M&A; beide Federführung), Max Birke (Finanzierung) – aus dem Markt bekannt
EY (Hamburg): Dr. Florian Ropohl, Lukas Göckeritz (beide Steuern)

Berater VTG
Hengeler Mueller (Frankfurt): Dr. Daniela Favoccia, Dr. Lucina Berger (beide Federführung; beide Gesellschaftsrecht/M&A), Dr. Johannes Tieves, Peter Dampf (beide Finanzierung); Associates: Sarah Islinger, Dr. Radmila Petrovic, Dr. Katharina Hesse (alle Gesellschaftsrecht/M&A)

Berater Kühne
Freshfields Bruckhaus Deringer (Hamburg): Prof. Dr. Christoph Seibt; Associate: Dr. Christopher Danwerth (beide Gesellschaftsrecht/M&A)

Christoph Seibt

Christoph Seibt

Berater J.P. Morgan
Linklaters (München): Dirk Horcher (München); Associate: Torben Schmidt (Frankfurt; beide Corporate) – aus dem Markt bekannt
Latham & Watkins (Düsseldorf): Dr. Nikolaos Paschos, Sebastian Goslar (beide Corporate/M&A), Stephen Kensell (London), Sibylle Münch (Frankfurt); Associate: Martina Eisgruber (Frankfurt; alle Finanz- und Bankrecht)

Berater Joachim Herz Stiftung
Gleiss Lutz: Dr. Stefan Aubel (Frankfurt), Dr. Fred Wendt (Hamburg)

Hintergrund: Soweit bekannt verbindet Morgan Stanley und Sullivan bereits eine längere Mandatsbeziehung. Als der Infrastrukturfonds von Morgan Stanley 2016 eine 29-prozentige Beteiligung an VTG erwarb, hatte er allerdings auf Clifford Chance gesetzt. EY-Steuerpartner Ropohl war dagegen damals wie heute für den Bereich Tax und Financial an der Seite seiner Mandantin.

Freshfields hat bereits ab und zu für Kühne gearbeitet, aber nicht als der Logistikunternehmer und Schweizer Milliardär 2016 bei VTG einstieg. Der Kontakt kam nun über den Verwaltungsratpräsidenten der Kühne Holding, Karl Gernandt, zustande, der auch im Aufsichtsrat von VTG sitzt.

Hengeler-Partnerin Favoccia bildet dagegen als Corporate- und Transaktionsberaterin von VTG eine Konstante. Schon 2011 und 2016 begleitete sie ihre Mandantin bei der Refinanzierung. Als VTG Anfang 2015 erstmals eine Hybridanleihe mit einem Volumen von 250 Millionen Euro platzierte, betreute dies Kapitalmarktrechtler Alexander Rang. Tieves, der nun die jüngsten Finanzierungsdeals für VTG unter Dach und Fach brachte, war wiederum bereits in die Übernahme des Schweizer Wettbewerbers Ahaus Ahlstätter Eisenbahn (AAE) involviert. (Christine Albert/mit Material von dpa)

Wir haben den Artikel am 03. September ergänzt.

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