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30.07.2018

Zahlungsspezialisten: Noerr und Hogan Lovells formieren Joint Venture von Ingenico und Sparkassen

Der Deutsche Sparkassenverlag hat mit dem französischen Zahlungsdienstleister Ingenico den neuen Zahlungsserviceanbieter Payone als Gemeinschaftsunternehmen aufgesetzt. Sein Transaktionsvolumen liegt bei rund 125 Milliarden Euro. Die zuständigen Finanzaufsichts- und Kartellbehörden müssen dem Deal noch zustimmen, der eine reine Non-Cash-Transaktion ist.

Eckhart Schleifenbaum

Eckhart Schleifenbaum

Die in Stuttgart ansässige Sparkassen-Finanzgruppe (DSV-Gruppe) hat ihre Kernkompetenzen im Deutschen Sparkassenverlag gebündelt, darunter befindet sich auch die Tochterfirma BS Payone. Sie war erst im vergangenen Jahr aus der Verschmelzung des DSV-Zahlungsserviceanbieters B+S Card Service und der Payone entstanden. Nun wird BS Payone in das Joint Venture mit den Franzosen eingebracht. Ingenico wiederum bereichert das neue Gemeinschaftsunternehmen Payone mit ihrer deutschen Tochter Ingenico Payment Services aus Ratingen sowie weiteren Gesellschaften ihrer Gruppe. Der neue Anbieter soll Anfang 2019 an den Start gehen, Ingenico wird 52 Prozent der Anteile daran halten. Payone soll in der DACH-Region die diversen Terminalfamilien seiner Joint-Venture-Partner einbinden und wird dann an rund 330.000 Akzeptanzstellen verfügbar sein. 

PSP-Konsolidierung schreitet voran

Der Deal steht in einer ganzen Reihe von Großtransaktionen mit sogenannten ‚Payment Service Providern‘: Vor wenigen Wochen erst hatte die französische Worldline angekündigt, für 2,3 Milliarden Euro das Kredikartengeschäft der Six Payment in der Schweiz zu kaufen. Der Eschborner Zahlungsdienstleister Concardis, der 2017 an die Private-Equity-Fonds Advent und Bain Capital  ging, wurde im Rahmen eines Aktienaustauschs mit dem dänischen Zahlungsdienstleister Nets zusammengeführt. Und eine der aktivsten Zukäuferinnen der vergangenen Jahre, die deutsche Wirecard, wird mittlerweile mit einem Börsenwert von rund 20 Milliarden Euro schon als möglicher Dax-Kandidat gehandelt.

Zeitungsberichten zufolge sind derzeit Beteiligungshäuser wie CVC Capital, Hellman & Friedman und Bain Capital an Ingenico interessiert. Die Pariser Firma hat mehr als 30 Millionen Zahlungsterminals und erwirtschaftete zuletzt mit 7.500 Mitarbeitern einen Umsatz von mehr als 2,3 Milliarden Euro. Sie hatte sich hier in einem Bieterverfahren gegen den US-Konzern First Data durchgesetzt, der mit seiner deutschen Tochter TeleCash ins Rennen gegangen war.

Berater Ingenico
Noerr (München): Dr. Eckhart Schleifenbaum, Silvia Sparfeld (beide Federführung; beide Corporate/M&A), Dr. Jens Kunz (Bankaufsichtsrecht), Dr. Fabian Badtke (beide Frankfurt), Peter Stauber (Berlin; beide Kartellrecht), Prof. Dr. Joachim Schrey (IT; Frankfurt), Dr. Thomas Heitzer (Versicherungsaufsichtsrecht; Düsseldorf), Yvonne Dietzel (Arbeitsrecht; Dresden), Dr. Christoph Rieken (IP); Associates: Johannes Feddersen (Corporate/M&A; Düsseldorf), Dr. Karl-Alexander Neumann (Bankaufsichtsrecht; Hamburg), Dr. Lorenz Jarras (Frankfurt), Robert Pahlen (Berlin; beide Kartellrecht), Bärbel Milsch (Vertriebsrecht; Dresden), Mandy Rüchardt (Corporate/M&A), Lars Powierski (Frankfurt), Dr. Korbinian Hartl (beide IT), Dr. Lisa Brasseler (Versicherungsaufsichtsrecht; Düsseldorf)

Tim Brandi

Tim Brandi

Berater Deutscher Sparkassenverlag
Hogan Lovells (Frankfurt): Dr. Tim Brandi (Federführung), Dr. Joachim Habetha (beide Gesellschaftsrecht/M&A), Dr. Martin Sura (Kartellrecht; Düsseldorf), Dr. Richard Reimer, Roger Tym (London; beide Bankaufsichtsrecht), Dr. Kerstin Neighbour (Arbeitsrecht), Dr. Nils Rauer, Dr. Fabian Pfuhl (beide IP); Associates: Philipp Weber, Lena Jahnke, Dr. Marcel Polte (alle Gesellschaftsrecht/M&A), Sebastian Faust, Jan Sparenberg (beide Kartellrecht; beide Düsseldorf), Andreas Doser, Sarah Wrage, Nicola Jozefowski, Charles Elliott, Oliver Irons (beide London; alle Bankaufsichtsrecht), Dr. Sabrina Gäbeler, Laura Dregger, Dr. Thomas Frank (München; alle Arbeitsrecht), Christina Kesting (IP)
Grama Schwaighofer Vondrak (Wien): Dr. Wolfgang Freund, Dr. Bernd Grama, Dr. Georg Zacherl
Meyerlustenberger Lachenal (Zürich): Armanda Ammann − aus dem Markt bekannt
Ernst & Young (Eschborn): Michael Berberich, Dr. Thomas Lenz (beide Steuern) − aus dem Markt bekannt

Berater First Data/TeleCash
White & Case (Frankfurt): Prof. Dr. Roger Kiem, Dr. Stefan Bressler (beide Corporate/M&A) − aus dem Markt bekannt

Hintergrund:  Noerr-Partner Schleifenbaum berät häufig französische Mandanten bei grenzüberschreitenden Transaktionen und kennt Sylvie Lallement, Group General Counsel von Ingenico, schon seit vielen Jahren. Für die gesellschaftsrechtlich komplexe Transaktion, für die Noerr erfolgreich gepitcht hatte, holte er die Umwandlungsrechtlerin Sparfeld mit in die Federführung. Mit der Legal und Tax Due Diligence wurde dem Vernehmen nach Deloitte betraut.

Hogan Lovells hatte sich bei dem Deutschen Sparkassenverlag in einem Pitch durchgesetzt, an dem nach Marktinformationen drei Kanzleien teilgenommen hatten. Für Hogan Lovells dürfte gesprochen haben, dass sie 2017 schon eine große Gruppe deutscher Banken zum Verkauf von Concardis beraten hatte. Mit der österreichischen Sozietät Grama Schwaighofer arbeitet Hogan Lovells schon seit einigen Jahren immer wieder zusammen, etwa im vergangenen Jahr für den Flugzeugausstatter F/List beim Kauf der ostdeutschen Firma OHS Aviation Services. Auch mit der Schweizer Kanzlei Meyerlustenberger Lachenal hat Hogan Lovells Erfahrung in gemeinsamen Mandaten.

Mitbieterin First Data hatte nach JUVE-Recherchen ein Team von White & Case an der Seite, zu dem neben den erfahrenen Corporate-Anwalt Kiem auch der Transaktionsexperte Bressler gehörte, der Mitte März von Freshfields Bruckhaus Deringer zu der US-Kanzlei gewechselt war.

Bei dem milliardenschweren Zusammenschluss mit Concardis wurde die Hellman & Friedman-Portfoliogesellschaft Nets von Freshfields Bruckhaus Deringer beraten, während Concardis über ihre Investoren Advent International und Bain Capital eine Weil Gotshal & Manges-Mandantin ist.

Latham & Watkins beriet die französische Worldline bei der Übernahme des Schweizer Kreditkartengeschäfts. Für den Carve-out wurde nach Marktinformationen Linklaters mandatiert.

Die Expansion von Wirecard hat in den letzten Jahren maßgeblich Osborne Clarke begleitet, zudem kamen beispielsweise Bird & Bird und Aderhold zum Einsatz. Steuerliche Fragen klärt regelmäßig Baker Tilly für den bayerischen Zahlungsabwickler. (Sonja Behrens)

 

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