Artikel drucken
19.09.2018

Camping im Trend: Thor kauft mit Baker Hengeler-Mandantin Hymer

Der amerikanische Wohnmobilriese Thor übernimmt die komplette deutsche Hymer-Gruppe. Durch den Zusammenschluss entstehe der weltweit größte Hersteller von Freizeitfahrzeugen, teilten beide Unternehmen am Dienstag mit. Thor zahlt rund 2,1 Milliarden Euro für die Erwin Hymer Group, zu der neben Hymer selbst noch 23 weitere Marken wie Bürstner oder Dethleffs gehören. Die Kartellbehörden müssen der Transaktion noch zustimmen.

Thorsten Seidel

Thorsten Seidel

Die Gruppe, bisher vollständig in Familienbesitz, hatte seit Längerem nach einem Investor gesucht – und auch einen Börsengang ins Auge gefasst, um ihre weltweiten Expansionspläne in die Tat umsetzen zu können. Zunächst sollte nur eine Minderheit der Anteile verkauft werden, dann möglicherweise auch eine Mehrheit – nun übernimmt Thor Industries 100 Prozent.

Zusammen stehen Thor und die Hymer-Gruppe künftig für 42 Campingwagen- und Wohnmobilmarken mit mehr als 25.000 Mitarbeitern. Beide Gruppen machen gemeinsam fast 10 Milliarden US-Dollar (gut 8,5 Milliarden Euro) Umsatz – Thor allerdings fast dreimal so viel wie die Hymer-Gruppe. Zu dem US-Unternehmen gehört unter anderem die Marke Airstream.

Hymer verwies auf Synergie- und Größeneffekte. Thor macht seinen Umsatz ausschließlich auf dem nordamerikanischen Markt, der für Hymer wiederum mit einem Anteil von lediglich sechs Prozent bislang eher eine Nische war. Die Gruppe aus Bad Waldsee hingegen ist in ganz Europa vertreten und plant zudem die Expansion nach China, wo kürzlich ein Gemeinschaftsunternehmen mit einem einheimischen Partner gegründet wurde.

Hymer werde Teil von Thor und damit zum Standbein der Amerikaner in Europa, wo sie bisher nicht vertreten seien, hieß es. Die Gruppe und alle ihre Marken sollen aber erhalten bleiben.

Martin Brandt bleibt Vorstandsvorsitzender der Hymer-Gruppe und soll wie bisher die Geschäfte führen. Das letzte Wort hat künftig anstelle der Familie aber Thor-Chef Robert Martin am Sitz in Elkhart im US-Bundesstaat Indiana. Einen Teil des Kaufpreises begleicht Thor mit eigenen Aktien – rund 2,3 Millionen Stück. Nach Angaben von Brandt sind das etwa vier Prozent der Thor-Anteile. Die Familie Hymer werde dadurch zu einem der größten Aktionäre des US-Konzerns.

Möritz_Daniel

Daniel Möritz

Für die Akquisitionsfinanzierung war J.P. Morgan zuständig. JLT stellte die Gewährleistungsversicherung für Thor bereit. Dem Verkauf war ein Bieterverfahren vorausgegangen, darunter sollen laut JUVE-Informationen vor allem Finanzinvestoren gewesen sein, darunter KPS Capital Partners sowie Cinven. Nach Medienberichten, die sich auf Insider beriefen, soll auch Centerbridge noch lange interessiert gewesen sein.

Berater Thor Industries
Baker & McKenzie: Emery Mitchell (San Francisco), Dr. Thorsten Seidel (beide Federführung), Thomas Dörmer (beide Berlin; alle M&A), Crews Lott, Michael Hamilton (beide Finanzierung; beide Dallas), Dr. Oliver Socher (Finanzierung; Frankfurt), Dr. Bernhard Trappehl (Arbeitsrecht; München), Dr. Rembert Niebel (IP; Frankfurt), Dr. Tim Heitling (Öffentliches Recht; Berlin), Brooke Mestre (Dallas); Associates: Holger Engelkamp, Daniel Neudecker (beide Berlin), Tanner Bodin (Dallas), Dr. Daniel Bork (Düsseldorf/Chicago; alle M&A), Marta Zuliamis, Astrit Rexhaj (beide Finanzierung), Andreas Jauch (IP; alle Frankfurt), Dr. Claire Dietz-Polte, Maximilian Voll (beide Öffentliches Recht; beide Berlin)
Ernst & Young (Stuttgart): Matthias Franz (Steuern) – aus dem Markt bekannt

Berater J.P. Morgan
Simpson Thacher & Bartlett (New York; US-Recht) – aus dem Markt bekannt
Mayer Brown (Frankfurt): Dr. Martin Heuber – aus dem Markt bekannt

Berater JLT
Inhouse Recht (Frankfurt): Dr. Jens Kellerhoff, Dr. Robert Lepiarczyk

Berater Erwin Hymer
Hengeler Mueller (München): Prof. Dr. Hans-Jörg Ziegenhain, Dr. Daniel Möritz (beide Federführung; beide M&A), Dr. Markus Röhrig (Kartellrecht/Fusionskontrolle; Brüssel), Dr. Matthias Scheifele (Steuerrecht), Prof. Dr. Dirk Uwer (Öffentliches Wirtschaftsrecht; Düsseldorf), Dr. Daniel Weiß (Finanzierung; Frankfurt), Dr. Gunther Wagner (Steuern), Peter Dampf (Finanzierung; Frankfurt), Dr. Andrea Schlaffge (IP/IT; Düsseldorf); Associates: Dr. Jakub Lorys, Dr. Johannes Baumann, Dr. Aris Marinello, Dr. Thomas Weierer, Dr. Florian Dendl (alle M&A), Dr. Sebastian Adam (Steuerrecht; Frankfurt), Dr. Alexander Wellerdt (Finanzierung; Frankfurt), Dr. Deniz Tschammler (Öffentlichen Wirtschaftsrecht; Berlin), Anja Balitzki (Düsseldorf), Dr. Christina Wolf (Brüssel; beide Kartellrecht) – Verkauf
Hengeler Mueller (Düsseldorf): Dr. Reinhold Ernst, Simon Link (München; beide Federführung), Cecilia Di Ció (alle Kapitalmarktrecht) – IPO-Vorbereitung
Cravath Swaine & Moore (New York): Mark Greene, Aaron Gruber (beide Corporate/M&A) – aus dem Markt bekannt
EY Law (Mannheim): Thorsten Ehrhard, Dr. Timo Rinne 
EY (Stuttgart): Harald Diebel, Robert Polatzky, Alexandra Römer (alle Steuerstrukturierung)
Inhouse Recht (Bad Waldsee): Jana Falkenberg (Rechtsabteilungsleiterin) – aus dem Markt bekannt
Inhouse Steuern (Bad Waldsee): nicht bekannt

Berater KPS Capital Partners
Noerr: Dr. Tibor Fedke, Dr. Alexander Ritvay (beide Berlin), Robert Korndörfer (München; alle Corporate/M&A) – aus dem Markt bekannt
Paul Weiss Rifkind Wharton & Garrison (London): Alvaro Membrillera, Angelo Bonvino (beide Corporate) – aus dem Markt bekannt

Berater Centerbridge
Latham & Watkins (Frankfurt): Oliver Felsenstein, David Walker (London), Dr. Leif Schrader (alle Private Equity), Stefan Süß (Steuerrecht; München), Susanne Decker; Associate: Dr. Sebastian Pauls (München; beide Private Equity)

Berater Cinven
Clifford Chance (Frankfurt): Joachim Hasselbach – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Die Mandatsbeziehung zwischen Thor und Baker kam nach JUVE-Informationen über den amerikanischen Partner Mitchel zustande, der bei einer früheren Transaktion dem Unternehmen gegenüberstand. Mitchel und der Berliner Partner Seidel haben in der Vergangenheit bereits wiederholt gemeinsam an Deals gearbeitet.

Ein Frankfurter Finanzierungsteam von Hengeler hatte Hymer bereits Anfang des Jahres beraten, als dieser sich über die Emission eines Schuldscheines und über einen Konsortialkredit neues Kapital besorgte. Für das aktuelle Mandat konnte sich die Kanzlei danach in einem Pitch gegen mehrere Wettbewerber durchsetzen. Da der schwäbische Wohnmobilhersteller lange auch einen Börsengang in Erwägung gezogen hatte, trat neben M&A-Partner Ziegenhain auch ein Equity-Capital-Market-Team von Hengeler an.

Nach JUVE-Informationen zeichnete EY sowohl auf Käufer- als auch Verkäuferseite für die Steuerstrukturierung verantwortlich. Für Hymer kam auch der Rechtsberatungsarm der Big-Four-Gesellschaft zum Einsatz: Ein Team aus Mannheim beriet die Gruppe zur Neustrukturierung sowie Herstellung der Börsenfähigkeit. Teil des Mandats war, aus der AG die neue Rechtsform Hymer Group SE zu bilden.

Der nicht zum Zuge gekommene Finanzinvestor KPS wird schon seit Langem von Paul Weiss beraten, mit der Noerr regelmäßig zusammenarbeitet, zuletzt etwa beim Verkauf der Daraz-Gruppe an Alibaba. Als KPS 2012 Teile des Bremsengeschäfts vom Stuttgarter Robert Bosch-Konzern übernahm, hatte er ein Hengeler-Team aus Frankfurt eingeschaltet. Nach JUVE-Informationen waren nun für KPS noch Kanzleien in weiteren Jurisdiktionen tätig: Gide (Frankreich), Travers Smith (Großbritannien), Gianni Origoni Grippo Cappelli & Partners (Italien) und Osler (Kanada). (Christine Albert, mit Material von dpa)

Die Redaktion hat den Artikel am 21.09. 2018 ergänzt.

Weitere Ergänzung: Zum Closing Anfang Februar 2019 wurde bekannt, dass das Nordamerika-Geschäft der Erwin Hymer Group von der Transaktion ausgenommen wird. Damit reduziert sich der Transaktionspreis um rund 170 Millionen Euro, wie Thor mitteilte. Hymer wurde in Corporate- und Finanzierungsfragen zusätzlich von Wendelstein mit den Partnern Dr. Matthias Budde, Dr. Lars Freytag sowie den Associates Dr. Marc Holfter und Maximilian Ried beraten.

  • Teilen