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28.09.2018

Grüner Punkt: Remondis übernimmt mit Greenfort Duales System von Latham-Mandantin

Deutschlands größter Entsorgungskonzern Remondis übernimmt das Kölner Unternehmen Duales System Deutschland (DSD) vollständig. Bisheriger Eigentümer war neben dem Management eine britische Investorengruppe angeführt von H.I.G. Capital. DSD hält die Markenrechte am Recycling-Zeichen Grüner Punkt. Die Transaktion muss noch von den Kartellbehörden freigegeben werden – diese dürften sich die Übernahme genau ansehen.

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Gunther Weiss

DSD war 1991 als Selbsthilfeorganisation der Privatwirtschaft gegründet worden und war lange Zeit Monopolist. Auf Betreiben der EU-Kommission hat das Bundeskartellamt um die Jahrtausendwende beschlossen, im Markt mehr Wettbewerb zu schaffen. Inzwischen gibt es neun weitere Systemanbieter, weswegen DSD in den vergangenen Jahren einige Großaufträge verlor. Trotzdem ist die Firma mit einem Anteil von 40 Prozent noch Marktführer in der Abfallorganisation. DSD kam 2016 auf 561 Millionen Euro Umsatz. 

Das Unternehmen sammelt den Abfall nicht selbst ein, sondern vergibt dafür Aufträge an Müllabfuhrfirmen und Sortieranlagen. Kartellrechtlich heikel dürfte sein, dass DSD künftig als Remondis-Tochterfirma einen anderen Remondis-Konzernbereich beauftragen darf. Auch Wettbewerber Alba hat mit Interseroh bereits ein eigenes duales System, dessen Marktanteile deutlich kleiner sind als die des DSD. Vertreter von kommunalen und kleineren privatwirtschaftlichen Entsorgern warnen vor zu starker Marktmacht.

Remondis hatte 2017 seinen Umsatz um 1,2 Milliarden Euro auf 7,3 Milliarden Euro gesteigert. Das Familienunternehmen ist mit seinen rund 33.000 Mitarbeitern unter anderem in der klassischen Müllabfuhr tätig, entsorgt Gewerbeabfälle und betreibt Sortier- und Recyclinganlagen. Zuletzt sorgte der Verkauf des fünftgrößten deutschen Entsorgungsunternehmens Tönsmeier an die Schwarz-Gruppe für Aufsehen. Der Gesellschaft des Lidl-Gründers Dieter Schwarz wurde auch Interesse am Grünen Punkt nachgesagt. Jeweils dürfte auch die zum Jahreswechsel anstehende Reform der Verpackungsverordnung Grund für die Marktdynamik sein.

Berater Remondis
Greenfort (Frankfurt): Gunther Weiss (Federführung), Dr. Anh-Duc Cordalis; Associates: Alexandra Lobnik, Viktoria Hermann, Martin Asmuß, Tobias Glienke (alle Corporate/M&A), Dr. Pascal Ludwig (Arbeitsrecht), Hannibal Özdemir, Jan-Felix Kumkar (beide Corporate/M&A)
Gleiss Lutz (München): Dr. Ingo Brinker (Kartellrecht)
Inhouse Recht (Lünen): Dr. Johannes Kolkmann (Leiter Recht)

Jörn Kowalewski

Jörn Kowalewski

Berater H.I.G. Capital/Management Duales System Deutschland
Latham & Watkins (Hamburg): Dr. Jörn Kowalewski, Dr. Stefan Widder (beide Federführung; beide Corporate/M&A), Dr. Sven Völcker (Kartellrecht; Brüssel), Dr. Tobias Klass (Steuerrecht), Dr. Dirk Kocher (Corporate), Dr. Jörn Kassow (Öffentliches Wirtschaftsrecht), Dr. Christian Engelhardt (IP/IT); Associates: Otto von Gruben (Co-Federführung), Dr. Malte Ingwersen, Jacob Ahme, Dr. Vanessa Rendtorff, Katarina Curic (alle Corporate/M&A), Dr. Max Hauser (Kartellrecht; Frankfurt), Verena Seevers (Steuerrecht), Dr. Hendrik Hauke (Finanzierung), Christoph Seidler (Arbeitsrecht), Patrick Braasch (Immobilienrecht)
Inhouse Recht (Köln): Haucke Schlüter (Leiter Recht)

Hintergrund: Greenfort berät verschiedene Gesellschaften der Remondis-Gruppe bereits seit über zehn Jahren. So beriet die Kanzlei ihre Mandantin auch im Zusammenhang mit dem vollständigen Erwerb der TSR Recycling Gruppe, den Remondis 2017 bekannt gab. Auf Weiss setzt Remondis insbesondere bei Transaktionen sowie bei der Gründung von Gemeinschaftsunternehmen. Neuerdings berät Greenfort den Entsorger aber auch zu vergaberechtlichen Themen, wofür Prof. Dr. Claus Pegatzky verantwortlich ist.

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Ingo Brinker

Für die im weiteren Verlauf bis zum Closing bedeutende kartellrechtliche Anmeldung des Kaufs setzt Remondis auf den Gleiss-Partner Brinker. Die Beziehung zu Brinker reicht zurück bis ins Jahr 2005. Seinerzeit beriet er Remondis beim Erwerb eines 70-prozentigen Anteils an der RWE Umwelt.

DSD wird seit vielen Jahren von wechselnden Private Equity-Unternehmen beherrscht. Neben dem Management verkaufte eine Gruppe von britischen Private Equity-Investoren ihre Anteile, die sie in einer luxemburgischen Gesellschaft gebündelt hielten. Angeführt wurde die Gruppe von H.I.G. Anders als in Medienberichten kolportiert gehört der Fonds Bluebay nicht zu den Eigentümern, die an Remondis verkauft haben. Bluebay war vielmehr seit einigen Jahren als Darlehensgeber bei DSD investiert, ein Investment, das im Zuge der Transaktion abgelöst werden musste.

Dabei sowie beim Verkauf der Gesellschafteranteile beriet ein Latham-Team um die Hamburger Partner Kowalewski und Widder. Unterstützt wurden beide vom Associate von Gruben, der die operative Koordinierung federführend begleitete. Kartellrechtlich machte dem Vernehmen nach neben Partner Völcker auch der Associate Hauser auf sich aufmerksam. (Martin Ströder/mit Material von dpa)

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