Artikel drucken
11.10.2018

Abspaltung: VW-Tochter Traton wechselt mit Linklaters, Freshfields und Arqis die Form

Die Volkswagen-Nutzfahrzeugsparte hat einen weiteren Schritt auf dem Weg zur Eigenständigkeit gemacht. Nach dem Formwechsel von der GmbH zur AG und der Umbenennung in Traton stimmte der Aufsichtsrat der Umfirmierung in eine SE zu, die zum Jahreswechsel erfolgen soll. 

Ralph Wollburg

Ralph Wollburg

Am Ende der Umstrukturierung könnte ein Börsengang im kommenden Jahr stehen, für dessen Vorbereitung der VW-Konzern nach Presseberichten JPMorgan, Goldman Sachs, Deutsche Bank und Citi beauftragen will. Der Traton-Vorstand betonte allerdings zuletzt, dass der IPO nur eine von mehreren denkbaren Lösungen sei. Stattdessen könnte die VW-Nutzfahrzeugsparte, zu der unter anderem die LKW-Marken MAN und Scania sowie das Technologieunternehmen Rio gehören, auch im Konzern verbleiben und verstärkt auf Kooperationen setzen.

So will Traton künftig im Einkauf und beim Thema Elektroantrieb mit dem japanischen Wettbewerber Hino zusammenarbeiten. Mit Blick auf den chinesischen Markt und das Gemeinschaftsunternehmen mit Sinotruk kündigte Traton an, dass Möglichkeiten einer Technologiekooperation etwa beim Antriebsstrang, bei Elektrifizierung und autonomem Fahren sowie bei Bussen geprüft würden. Darüber hinaus wurde eine strategische Partnerschaft mit dem US-Digitaltechnikunternehmen Solera vereinbart. Die Zusammenarbeit umfasse unter anderem das Flottenmanagement, Fahrerdienste und digitale Verkaufslösungen. Weltweit erwirtschaftete VW Truck & Bus im vergangenen Jahr 24 Milliarden Euro Umsatz.

Berater Traton
Inhouse (München): Dr. Klaus Schartel (General Counsel)
Freshfields Bruckhaus Deringer (Frankfurt): Rick van Aerssen, Dr. Kai Hasselbach (München), Associate: Dr. Sabrina Kulenkamp (Gesellschaftsrecht)
Staudacher Annuß (München): Prof. Dr. Georg Annuß, Jan Rudolp, Associate: Dr. Felix Halfmeier (alle Arbeitsrecht)

Rick van Aerssen

Rick van Aerssen

Berater Volkswagen
Linklaters (Düsseldorf): Dr. Ralph Wollburg, Achim Kirchfeld (beide Gesellschaftsrecht), Dr. Alexander Schlee, Dr. Marco Carbonare (beide Frankfurt; beide Kapitalmarktrecht), Associate: Dr. Andreas Zenner (Gesellschaftsrecht)
Inhouse Recht (Wolfsburg): Manfred Döss (General Counsel)

Berater Arbeitnehmervertreter
Arqis (Düsseldorf): Dr. Andrea Panzer-Heemeier (Arbeitsrecht), Dr. Christof Alexander Schneider (Gesellschaftsrecht); Associate: Dr. Hendrik von Mellenthin (Arbeitsrecht)

Alle Berater sind aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Mit der Herauslösung der Nutzfahrzeugsparte aus dem VW-Konzern begleitet der frischgebackene Traton-Chefsyndikus Schartel sein erstes großes Projekt. Schartel war zuvor bei Daimler mit gesellschaftsrechtlichen Themen befasst und wechselte Anfang 2018 zu VW Truck & Bus. Zum September wurde er General Counsel bei Traton.

Freshfields begleitet den VW-Konzern schon seit Jahren immer wieder bei strategisch bedeutsamen Projekten, so zuletzt etwa bei der Abwehr von Verbraucher- und Aktionärsklagen im Dieselskandal und im Kartellverfahren gegen mehrere deutsche Autohersteller. In der Vergangenheit war die Kanzlei regelmäßig auch mit einem Arbeitsrechtsteam um den Düsseldorfer Partner Dr. Thomas Müller-Bonanni für VW im Einsatz. Diesen Part übernahm nun die Münchner Boutique Staudacher Annuß. Namenspartner Annuß, der erst im Frühjahr 2018 von Linklaters kam, ist seit Langem Stammberater der MAN SE in arbeitsrechtlichen Fragen.

Andrea Panzer-Heemeier

Andrea Panzer-Heemeier

Linklaters kam erst mehrere Monate nach Beginn des Projekts über die Konzernmutter Volkswagen ins Mandat, war dann aber mit einem Team um die Düsseldorfer Partner Wollburg und Kirchfeld intensiv eingebunden. Der Kontakt zwischen VW-Chefsyndikus Döss und Linklaters-Partner Wollburg geht bis in die 1990er Jahre zurück, als Wollburg für seine damalige Kanzlei Bruckhaus Westrick Heller Löber (heute Freshfields Bruckhaus Deringer) die Metallgesellschaft (heute Gea) beriet, bei der Döss als Inhousejurist wirkte. Als Döss 2005 die Leitung der RWE-Rechtsabteilung und 2013 den Chefjuristenposten bei der VW-Konzernholding Porsche SE übernahm, beriet der zwischenzeitlich zu Linklaters gewechselte Wollburg beide Unternehmen wiederholt zu zentralen Projekten. Diese Rolle übernahm Wollburg in den vergangenen Jahren zunehmend auch bei VW selbst, so etwa bei der Bewältigung der Folgen des Dieselskandals.

Die Düsseldorfer Kanzlei Arqis um Managing Partnerin Panzer-Heemeier ist ebenfalls seit Jahren regelmäßig im Umfeld des VW-Konzerns tätig. (Norbert Parzinger, mit Material von dpa)

  • Teilen