Artikel drucken
04.10.2018

Konzernaufspaltung: Thyssenkrupp setzt für Umstrukturierung auf Linklaters

Thyssenkrupp wird in zwei selbstständige Unternehmen aufgeteilt. Die beiden Konzernteile sollen als Thyssenkrupp Materials AG und Thyssenkrupp Industrials AG firmieren und ihren Sitz in Essen haben. Ob die Umstrukturierung in dieser Form stattfinden kann, entscheidet bis spätestens Frühjahr 2020 eine Hauptversammlung.

Ralph Wollburg

Ralph Wollburg

Thyssenkrupp Materials soll Geschäftsbereiche mit einem Jahresumsatz von rund 18 Milliarden Euro und 40.000 Mitarbeitern umfassen, unter anderem den 50-Prozent-Anteil aus dem fusionierten Stahlgeschäft mit dem indischen Partner Tata. Hinzu kommen der Handel mit Werkstoffen sowie der Marineschiffbau. Unter Thyssenkrupp Industrials sollen das Geschäft mit Aufzügen und Zulieferungen für die Autoindustrie gebündelt werden, das gemeinsam mit 90.000 Mitarbeitern etwa 16 Milliarden Euro erwirtschaftet.

Noch immer machen Thyssenkrupp die Folgen einer milliardenteuren Fehlinvestition zu schaffen. Wegen der anhaltenden Schwäche im Anlagen- und Schiffsbau sowie Problemen bei Großprojekten hatte der Konzern Anfang August seine Prognose senken müssen. Als Sorgenkind gilt unter anderem die schwächelnde Sparte für Anlagenbau, die vor einer weiteren Umstrukturierung steht.

Zuletzt hatten darum Aktionäre wie der US-Hedgefonds Elliott und die schwedische Beteiligungsgesellschaft Cevian Druck auf das Management ausgeübt. Sie forderten einen schnelleren und radikalen Umbau des Konzerns. Eine Schlüsselrolle kommt bei der Suche nach einer neuen Strategie zudem der Krupp-Stiftung als größtem Einzelaktionär zu.

Arne Wittig

Arne Wittig

Berater Thyssenkrupp
Inhouse Recht (Essen): Arne Wittig (General Counsel)
Linklaters (Düsseldorf): Dr. Ralph Wollburg, Staffan Illert (beide Federführung), Kristina Klaaßen-Kaiser (alle Gesellschaftsrecht), Dr. Neil Weiand (Bank- und Finanzrecht), Dr. Marco Carbonare, Dr. Alexander Schlee (beide Kapitalmarktrecht; alle Frankfurt), Dr. Timon Grau (Arbeitsrecht), Dr. Christoph van Lier (Gesellschaftsrecht), Dr. Sebastian Benz (Steuerrecht) 

Hintergrund: Sämtliche Berater sind aus dem Markt bekannt.

Die Beziehung von Thyssenkrupp zu dem Linklaters-Partner Wollburg reicht bis vor dessen Wechsel von Freshfields Bruckhaus Deringer im Jahr 2007 zurück. In den letzten Jahren waren Teams um Wollburg regelmäßig im Einsatz, wenn es um für den Konzern zentrale Großprojekte ging, so etwa den Verkauf von Stahlwerken in den USA und Brasilien sowie die Zusammenlegung der Stahlsparte mit dem indischen Wettbewerber Tata Steel. Gemeinsam mit seinem Partnerkollegen Illert steuerte Wollburg auch bereits eine ähnlich gelagerte und ähnlich prominente Umstrukturierung, die Trennung von E.on und Uniper 2016.

Daneben setzt der Konzern immer wieder auch auf Hengeler Mueller, so zuletzt bei der Übernahme aller Anteile an Atlas Elektronik, einem Gemeinschaftsunternehmen mit Airbus. Als Beraterin der Gegenseite in den Verhandlungen mit Tata Steel schied Hengeler Mueller für die Konzernaufspaltung allerdings aus. Kartellrechtlich ist regelmäßig Freshfields Bruckhaus Deringer für Thyssenkrupp tätig.

Der US-amerikanische Hedgefonds Elliott, der als ein Impulsgeber für die aktuelle Umstrukturierung gilt, setzt in Deutschland seit etlichen Jahren auf die Frankfurter Gesellschaftsrechtsboutique Broich. (Norbert Parzinger, mit Material von dpa)

  • Teilen