Artikel drucken
06.11.2018

Im Ziel: Hochtief-Joint-Venture kauft mit Freshfields, Gleiss und Clifford Autobahnbetreiber Abertis

Nach langen Verhandlungen kommt einer der größten europäischen Deals des Jahres zustande. Die italienische Atlantia, die spanische ACS und Hochtief kaufen gemeinsam den spanischen Autobahnbetreiber Abertis. Die Unternehmen haben sich nun über die Einzelheiten der 32 Milliarden Euro schweren Vereinbarung verständigt.

Christian Cascante

Christian Cascante

Die spanische ACS Actividades de Construccion y Servicios ist seit 2011 mehrheitlich an Hochtief beteiligt. Die Essener Hochtief wiederum hat seit einiger Zeit Abertis-Aktien gekauft und übernimmt nun das Unternehmen. Abertis wird dann in eine gemeinsame Holding eingebracht. Auf diese Vorgehensweise hatten sich ACS, Hochtief und Atlantia bereits im Frühjahr geeinigt, um einen Bieterwettkampf zu vermeiden.

An der neuen Holding beteiligt sich der Dienstleistungskonzern Atlantia mit 50 Prozent plus einem Anteil und übernimmt die operative Führung. Der Baukonzern ACS hält 30 Prozent und Hochtief 20 Prozent minus einen Anteil. Zudem hat Atlantia etwa 24 Prozent der Anteile an Hochtief erworben. Der aktuelle Börsenwert des Zielobjekts Abertis liegt bei rund 18 Milliarden Euro. Neben Mautstellen auf Autobahnen bewirtschaftet der Konzern Parkgaragen, ist Eigentümer verschiedener Fernseh- und Radiosender in Spanien und betreibt Flughäfen.

Atlantia war im August durch das Brückenunglück von Genua in die Schlagzeilen geraten. Bedeutendster Aktionär der Atlantia ist die Benetton-Gruppe. Der Ende Oktober verstorbene Milliardär Gilberto Benetton war ein starker Befürworter der Akquisition.

Neben der Übernahme der Schulden stemmen die Investoren rund 17 Milliarden Euro für den Kauf. Die Großbank JPMorgan beriet Hochtief bei der Finanzierung. Außerdem stand die US-Investmentbank Lazard ACS und Hochtief bei der Mittelbereitstellung zur Seite. Als finanzierende Banken für Atlantia waren die Schweizer Credit Suisse, Mediobanca aus Mailand und die spanische Banco Santander beteiligt.

Georg von Bronk

Georg von Bronk

Berater Atlantia
Gleiss Lutz (Stuttgart): Dr. Christian Cascante (Federführung), Dr. Patrick Mossler (Hamburg), Dr. Jochen Tyrolt (alle Corporate/M&A), Martin Hitzer (Gesellschafts- und Kapitalmarktrecht; Düsseldorf), Dr. Ingo Brinker (Kartellrecht; München), Dr. Andreas Neun (Öffentliches Recht; Berlin), Dr. Thorsten Gayk (Corporate/M&A; Hamburg), Dr. Iris Benedikt-Buckenleib (Kartellrecht; München), Dr. Marc Ruttloff (Öffentliches Recht); Associates: Dr. Daniel Heck (Hamburg), Dr. Markus Martin, Sava Kasaliyski, Florian Schorn (München), Vanessa Sánchez López (Berlin), Katharina Müller (Düsseldorf), Lucie Freifrau Haller von Hallerstein (München), Dr. Jan Stenger (alle Corporate/M&A)
Bonelli Erede Pappalardo (Mailand) − aus dem Markt bekannt
Gianni Origoni Grippo Cappelli & Partners − aus dem Markt bekannt
DLA Piper (Madrid) − aus dem Markt bekannt

Berater ACS
Clifford Chance (Madrid): Javier García de Enterría (Federführung), Luis Alonso, Jaime Almenar, Carlos Hernández-Canut, José Guardo, Dr. Markus Stephanblome (Frankfurt; alle M&A)

Kai Hasselbach

Kai Hasselbach

Berater Hochtief
Inhouse (Essen): Georg von Bronk (Leiter Corporate Governance), Dr. Alexandra Albrecht-Baba (Leiterin Konzerncompliance & Recht)
Freshfields Bruckhaus Deringer (München): Dr. Kai Hasselbach (Gesellschaftsrecht/M&A), Dr. Christoph Gleske (Finanzrecht; Frankfurt), Armando Albarrán (M&A; Madrid; alle Federführung), Dr. Ralph Kogge, Dr. Simon Schwarz (Frankfurt; beide Gesellschaftsrecht/M&A), Javier Monzón, Alfonso de Marcos (beide Gesellschaftsrecht/M&A; beide Madrid), Dr. Mario Hüther, Dr. Michael Josenhans, Mark Strauch (alle Frankfurt), Ana Lopez (Madrid; alle Bank- und Finanzrecht), Dr. Ulrich Scholz (Düsseldorf), Alvaro Iza (Madrid; beide Kartellrecht), Dr. Juliane Hilf (Öffentliches Recht), Dr. Norbert Schneider (beide Düsseldorf), Silvia Paternain (Madrid; beide Steuerrecht), Enrique Carrera (Kartellrecht), Ignacio Borrego (Öffentliches Recht; beide Madrid); Associates: Judit Gajdics, Dr. Michael Schweppe, Dr. Dörthe Imberg, David Rauch, Moritz von Nathusius, Dr. Mauritz Mann, Matthias Döll (beide Frankfurt), Michael Hendricks (Düsseldorf; alle Gesellschaftsrecht/M&A), Christina Zapf, Dr. Andreas Thümmler, Dr. Mauritz Mann, Christina Banz (alle Bank- und Finanzrecht; alle Frankfurt), Olivia Hagger (London), Dr. Sarah Erne (beide Kartellrecht), Dr. Tristan Kalenborn (Öffentliches Recht), Dr. Magnus Bleifeld, Dr. Philipp Redeker (beide Steuerrecht; alle Düsseldorf)

Berater Abertis
Uría Menéndez (Madrid): Luis de Carlos − aus dem Markt bekannt

Berater JPMorgan
Clifford Chance (Frankfurt): Bettina Steinhauer (Federführung), George Hacket, Epifanio Pérez (Madrid; alle Bank- und Finanzrecht), Dr. Christian Vogel (M&A; Düsseldorf)

Markus Stephanblome

Markus Stephanblome

Hintergrund: Freshfields arbeitete mit Hochtief schon im Vorjahr an dem geplanten Deal. Die Kanzlei tritt seit vielen Jahren bei großen Transaktionen an der Seite der Essener auf. Dieses Mandat umfasst drei Phasen: Zunächst beriet die Kanzlei Hochtiefs unabhängiges Angebot, das ein größeres Finanzierungsvolumen erfordert hätte. Darauf folgte mit der Einigung auf das gemeinsame Angebot eine Phase zusammen mit Atlantia. Seit dem Sommer schließlich mündete die Akquisition in die konkrete Erarbeitung der aktuellen Finanzierung. Die Transaktion ist von vielen Regulierungsstellen abhängig, Freshfields beriet unter anderem auch zu mehreren notwendigen Kartellanmeldungen.

Auch Gleiss ist für Atlantia schon seit über einem Jahr im Mandat. Dieses kam aus dem internationalen Netzwerk der Kanzlei. Die Italiener ließen sich in Deutschland insbesondere zu ihrem Einstieg bei Hochtief beraten.

Seitens Abertis beschränkte sich die Kanzleiberatung im Wesentlichen auf Spanien, wo Uría insbesondere beim Investment Agreement in Erscheinung trat. Das Closing soll das Unternehmen dem Vernehmen nach weitgehend selbst durchgeführt haben.

Clifford Chance berät häufig Banken bei Finanzierungsmaßnahmen von Hochtief. Im Sommer hatte ein Team um den Frankfurter Kapitalmarktrechtler Sebastian Maerker ein Bankenkonsortium bei der Begebung von Hochtief-Anleihen beraten. Bankrechtlerin Steinhauer war für JPMorgan ebenfalls seit dem Bieterverfahren im Herbst 2017 dabei. (Ludger Steckelbach)

  • Teilen