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04.12.2018

Hilfe aus den USA: Jack Wolfskin wird mit Kirkland und Latham amerikanisch

Der Outdoor-Ausrüster Jack Wolfskin wechselt den Besitzer. Das Unternehmen, das Bekleidung und Schuhe etwa zum Wandern, Radfahren und Klettern verkauft, geht für 418 Millionen Euro vollständig an den US-Golfausrüster Callaway Golf Company. Der Verkauf soll im ersten Quartal 2019 abgeschlossen sein. Für die Übernahme sind die üblichen Zustimmungen der Kartellbehörden nötig.

Leif Schrader

Jack Wolfskin hat schon seit Längerem zu kämpfen. Outdoor-Kleidung und -Zubehör haben sich in den vergangenen Jahren zwar von Nischenprodukten für Wanderer, Bergsportler oder Extrem-Camper zur Alltagsware entwickelt. Doch trotz der breiteren Kundschaft wächst der gesättigte deutsche Markt nicht mehr so schnell wie in der Vergangenheit. Zudem steigt der Wettbewerbsdruck.

Im Sommer 2017 hatte der Einstieg mehrerer Finanzinvestoren dem Unternehmen finanziell etwas Luft verschafft. Durch einen Debt-Equity-Swap wurden die erstrangigen Kreditgeber Bain Capital Credit, H.I.G Bayside Capital und CQS zu Mehrheitseigentümern von Jack Wolfskin. Der bisherige Eigentümer Blackstone schied damals aus.

Jack Wolfskins größte aktuelle Eigentümer sind Gesellschaften der Bain Capital Credit Gruppe, H.I.G. Bayside Capital, CQS, Avenue Capital Group und Blue Mountain Capital Management, die zusammen mehr als 67 Prozent der Jack Wolfskin-Anteile besitzen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hatte Jack Wolfskin mit 850 Läden weltweit einen Umsatz von 334 Millionen Euro erwirtschaftet.

Jack Wolfskin ist seit 2017 die dritte Firmenübernahme von Callaway und die größte Akquisition im Premium-Active-Lifestyle-Bereich. Bei der Kreditfinanzierung in Höhe von 476 Millionen Dollar sind die Bank of America Merrill Lynch und JP Morgan Securities in den USA federführend.

Volkmar Bruckner

Volkmar Bruckner

Berater Callaway Golf Company
Latham & Watkins: Craig Garner (San Diego), Dr. Leif Schrader, Oliver Felsenstein (beide deutsche Federführung; beide Private Equity; beide Frankfurt), Dr. Natalie Daghles (Corporate/M&A; Düsseldorf), Tobias Leder (München), Holly Bauer (San Diego), Sarah Gadd (London; alle Arbeitsrecht), Stefan Süß, Dr. Ulf Kieker (beide Steuern; beide München), Max Hauser (Frankfurt), Jason Cruise (Washington D.C.; beide Kartellrecht); Associates: Kevin Reyes, Jeffrey Woodley, Michael Johnson (alle San Diego),Gerrit Henze, Jan Danelzik (beide Düsseldorf), Max Mosch (Frankfurt), Amina Feigen (Hamburg; alle Corporate/M&A), Nadja Innermann (Arbeitsrecht; München), Anuj Ghai (Kartellrecht; London)

Berater Gesellschafter Jack Wolfskin/Bain Capital Credit Gruppe, H.I.G Bayside Capital, CQS
Kirkland & Ellis (München):
Dr. Volkmar Bruckner, Dr. Thomas Krawitz, Rory Mullarkey, Carl Bradshaw (beide London; alle Federführung; Corporate), Dr. Leo Plank, Dr. Wolfram Prusko, Partha Kar, Kon Asimacopoulos (beide London; alle Restrukturierung), Wolfgang Nardi (Debt Finance), Paula Riedel (Kartellrecht; London), Dr. Oded Schein, Dulcie Daly (London; beide Steuern); Associates: Dr. Josef Parzinger (Restrukturierung), Dr. Alexander Längsfeld (Debt Finance), Daniel Hiemer, Sam Trowbridge (London; beide Steuern), Annette Baillie, Cillian Moynihan, Anne Stroude und Fernanda Langa (alle Corporate; alle London), James Parkinson (Kartellrecht; London)

Hintergrund: Für Callaway verhandelte ein internationales Team von Latham-Anwälten aus Deutschland und den USA. Die Mandatsbeziehung zwischen dem US-Latham-Partner Garner und Callaway ist bereits erprobt – die Kanzlei steht in den USA öfter an der Seite des Golfausstatters, zum Beispiel 2017 bei der Übernahme des kalifornischen Sportbekleidungsherstellers Travis Mathew.

Die internationale Federführung lag bei Latham-Partner Garner, die deutsche bei den Partnern Felsenstein und Schrader. Dieser war im vergangenen Jahr in die Partnerriege aufgestiegen. Beide hatten bereits vor einigen Monaten Seite an Seite gearbeitet, als Linde ihr Amerikageschäft für 2,8 Milliarden Euro an die hessische Messer-Gruppe und CVC Capital Partners verkaufte. Die steuerliche Beratung übernahmen für Callaway ebenfalls mit Süß und Kieker zwei deutsche Latham-Partner, in den USA war Deloitte mit im Mandat.

Die Mandatsbeziehung von Kirkland und den Jack Wolfskin-Mehrheitsgesellschaftern hat ihren Ursprung in der Restrukturierungsberatung im vergangenen Jahr: Kirkland war bereits 2017 als Berater von Bain Capital Credit, H.I.G Bayside Capital und CQS dabei, als die finanzielle Restrukturierung des Outdoor-Ausrüsters anstand. In dem Zuge wurden die erstrangigen Kreditgeber Bain Capital Credit, H.I.G Bayside Capital und CQS zu Mehrheitseigentümern von Jack Wolfskin. Die Restrukturierung betraf damals ein Schuldenvolumen in Höhe von rund 365 Millionen Euro.

Mit zum Kirkland-Team gehörten 2017 die Restrukturierungsexperten Plank und Prusko, die auch beim Verkauf an Callaway zu Aspekten der Restrukturierung berieten. Kirkland agierte jetzt mit einem internationalen Team aus München und London, die Federführung teilten sich der Münchner Partner Bruckner und der Londoner Partner Bradshaw. Ein nicht unbedeutender Teil der deutschen Beratung fiel auf strukturelle und steuerliche Aspekte, zu denen aus München heraus Partner Schein beriet. Daneben übernahm EY die steuerliche Beratung.

Wer die Minderheitsgesellschafter beriet, ist derzeit nicht bekannt. (Helena Hauser, mit Material von dpa)

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