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17.12.2018

Stromnetze: ABB verkauft Sparte mit Freshfields und Homburger an japanische Baker-Mandantin

Der Schweizer Industriekonzern ABB und die japanische Hitachi sind sich einig. Hitachi übernimmt in einem ersten Schritt für bis zu 6,8 Milliarden Euro etwas mehr als 80 Prozent der Stromnetzsparte von ABB. ABB will sich mit dem Verkauf auf das digitale Industriegeschäft des Konzerns fokussieren.

Claude Lambert

Claude Lambert

Dem Verkauf liegt ein Spartengesamtwert von 9,7 Milliarden Euro zugrunde. ABB behält vorerst 19,9 Prozent an der herausgelösten Stromnetzsparte, besitzt aber eine Option zum Verkauf dieses Anteils nach drei Jahren. Der Abschluss der Transaktion ist für die erste Hälfte des Jahres 2020 geplant.

Mit dem Teilverkauf der Sparte erweitern die beiden Unternehmen ihre bereits seit 2014 bestehende strategische Partnerschaft. ABB sieht durch den Deal den mit der Transformation der Sparte geschaffenen Wert realisiert. Mit der vorerst einbehaltenen Beteiligung von knapp 20 Prozent soll der Übergang sichergestellt werden.

Gleichzeitig mit der Einigung mit Hitachi kündigt ABB eine strategische Neuaufstellung und eine Fokussierung ihres Portfolios auf digitale Industrien an. ABB will die Struktur des Konzerns vereinfachen. Sie wird allerdings wie bisher vier Geschäftsbereiche enthalten, nämlich Elektrifizierung, Industrieautomation, Robotik und Fertigungsautomation sowie Antriebstechnik. Die bestehenden Regional- und Länderstrukturen sollen indes aufgelöst werden.

Berater Hitachi
Baker & McKenzie (London): David Allen, Jannan Crozier (beide Federführung; beide Corporate/M&A), Akifusa Takada, Yutaka Kimura (Tokio) – aus dem Markt bekannt

Berater ABB
Freshfields Bruckhaus Deringer (London): Piers Prichard Jones (Federführung), Stephen Hewes; Associate: Tom Godwin (alle Corporate/M&A) – aus dem Markt bekannt
Homburger (Zürich): Claude Lambert (Federführung), David Oser (beide Corporate/M&A), Reto Heuberger (Steuern); Associates: Andreas Müller, Marc Schamaun (beide Corporate/M&A), Marc Vogelsang (Steuern), Maria Braun (Corporate/M&A)

Hintergrund: Hitachi setzte auf ein Londoner Baker-Team um die Partner Allen und Crozier. Allen leitet die weltweite Private-Equity-&-Funds-Praxis der Kanzlei. Crozier ist spezialisiert auf grenzüberschreitende Fusionen und Übernahmen. Sie berät regelmäßig bei multijurisdiktionalen Carve-out-Transaktionen. Allen beriet in der Vergangenheit öfter bei Transaktionen mit japanischer Beteiligung. Die Kanzlei ist für ihre guten Kontakte nach Japan bekannt. Auch ihre deutschen Standorte profitieren regelmäßig davon. Zuletzt etwa das Berliner Energie-M&A-Team um Dr. Tim Heitling und Dr. Thomas Dörmer.

Für ABB verhandelten die Schweizer Kanzlei Homburger und Freshfields den Deal. Homburger ist die Stammkanzlei des Mischkonzerns in seinem Heimatmarkt. Die Kanzlei war unter anderem 2016 mit dabei, als ABB ihr weltweites Systemgeschäft für Hochspannungskabel für gut 836 Millionen Euro an die dänische NKT Cables verkaufte.

Auch Freshfields berät ABB nicht das erste Mal: Erst im Oktober half ein Londoner Freshfields-Team den Schweizern, Zahlungen wegen eines Kartellschadens vor einem englischen Gericht zu begrenzen. Beim Verkauf der Stromnetzsparte wurden die federführenden Londoner Partner von weiteren Juristen aus unterschiedlichen Jurisdiktionen unterstützt. (Helena Hauser, Martin Ströder, mit Material von dpa)

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