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10.12.2018

Kettcar wieder im Rennen: Lafayette übernimmt Kettler mit Memminger und Baker Tilly

Neue Hoffnung für den Kettcar-Hersteller Kettler. Der auf mittelständische Unternehmen spezialisierte Finanzinvestor Lafayette will das Unternehmen übernehmen. Der Kaufvertrag über die Vermögenswerte der Firma sowie die Marken und Lizenzrechte sei am Donnerstag unterzeichnet worden, hieß es. Zudem wurde eine Vereinbarung die Mitarbeiter betreffend unterzeichnet.

Peter Memminger

Peter Memminger

Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Der Investor verpflichtete sich, 500 Mitarbeiter weiter zu beschäftigen. Die verbleibenden rund 200 der derzeit noch 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen in den kommenden Wochen in eine Transfergesellschaft wechseln, in der sie weiter beschäftigt und qualifiziert werden. Der Kaufvertrag steht allerdings noch unter Gremienvorbehalt und weiteren Bedingungen. Diese müssen noch in diesem Jahr erfüllt werden. Dazu gehört JUVE-Informationen zufolge insbesondere auch die Zustimmung des zuständigen Finanzamtes, dass die Vereinbarungen nicht die Gemeinnützigkeit der Heinz-Kettler-Stiftung gefährden.

Das Unternehmen aus dem Sauerland war 1949 von Heinz Kettler gegründet worden. Nach großen Erfolgen in den ersten Jahrzehnten geriet es aber in den vergangenen Jahren immer mehr in Schieflage. Bereits im Sommer musste Kettler Insolvenz in Eigenverwaltung anmelden. Ziel war eine Neuausrichtung des schwächelnden Freizeitgeräteherstellers mithilfe des Luxemburger Investors Altera Capital.

Der Investor warf allerdings das Handtuch, als die Heinz-Kettler-Stiftung nicht bereit war, seine Forderungen zu erfüllen. Die Situation war derart festgefahren, dass sich das NRW-Wirtschaftsministerium und die Stiftungsaufsicht einschalteten. Über die Bestellung eines Stiftungssachwalters wurde der Stiftungsvorstand entlassen – womit sich allerdings der luxemburgische Investor nicht mehr überzeugen ließ.

Der designierte Geschäftsführer der neuen Kettler-Gruppe, Olaf Bierhoff, sieht nach dem Einstieg von Lafayette erstmals nach langer Zeit wieder die Chance, auf einen Wachstumskurs zurückzukehren.

Berater Lafayette
Memminger (Frankfurt): Dr. Peter Memminger (Corporate/M&A)
Ernst & Young (München): Alexander Reiter, Mark Zimmermann (Steuern)
Baker Tilly (Frankfurt): Dr. Alexander Lorenz (Arbeitsrecht)
Inhouse Recht (Frankfurt): Patrik Pilz – aus dem Markt bekannt

Thorsten Prigge

Thorsten Prigge

Berater Kettler GmbH
Aderhold (Düsseldorf): Thorsten Prigge, Sven Degenhardt (Insolvenzrecht/Restrukturierung), Dr. Barbara Wenker (M&A/Gesellschaftsrecht)
Husemann Eickhoff Salmen & Partner (Dortmund): Achim Thiele, Dr. David Bunzel (Generalbevollmächtigte)

Sachwalter Kettler GmbH
Piepenburg Gerling (Düsseldorf): Horst Piepenburg (Sachwalter)

Sachwalter Kettler Stiftung
Noerr (München): Dr. Christoph Schotte (Stiftungswalter)

Hintergrund: Lafayette ist auf langfristige Investitionen bei Mittelständlern in Turn-around-Situationen spezialisiert. Die Luxemburger Gesellschaft ist Dauermandantin der Kanzlei Memminger. Namenspartner Memminger beriet Lafayette etwa, als die Bäckerei Sondermann in die Insolvenz ging.

Neben Memminger mandatierte Lafayette für die arbeitsrechtlichen Aspekte ihres Einstiegs Baker Tilly. Partner Lorenz beriet unter anderem bei den Sanierungsverhandlungen mit der IG Metall und dem Betriebsrat von Kettler. Die steuerliche Beratung übernahm EY. EY-Partner Reiter und Lafayette-Gründer Pilz kennen sich schon länger und arbeiteten bereits bei früheren Transaktionen zusammen.

Sie verhandelten dem Vernehmen nach auf der Kettler-Seite mit Husemann Eickhoff-Partner Thiele sowie mit Aderhold, die seit einiger Zeit die Treuhandgesellschaft führen, unter deren Kontrolle die Kettler GmbH arbeitet. Mit im Aderhold-Team war auch Christian Krause aus der Aderhold Unternehmensberatung – Krause beriet schon als Chief Restructuring Officer (CRO) aktiv bei der Verhandlung des Kettler-Insolvenzplans mit.

Thiele wiederum ist Generalbevollmächtigter der Kettler GmbH und hat gemeinsam mit Piepenburg die Verhandlungen mit den Verfahrensbeteiligten und dem Investor geführt.

Für die noch ausstehenden Zustimmungen unter anderem der Kettler-Stiftung ist das Kuratorium zuständig, dass von Noerr-Partner Schotte angeführt wird. Schotte wurde vor einigen Wochen von der Stiftungsaufsicht zum Sachwalter der Kettler-Stiftung bestellt. Auf Antrag der Stiftungsaufsicht entließ er kurz darauf das Kuratorium um Manfred Sauer und weitere Weggefährten des Unternehmensgründers Heinz Kettler. Die zuständige Stiftungsaufsicht wurde seinerzeit von einem Team um Kümmerlein-Partner Dr. Markus Schewe beraten. (Helena Hauser; mit Material von dpa)

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