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15.01.2019

Aus der Insolvenz: Chinesischer Bird & Bird-Mandant übernimmt SAM

Der insolvente schwäbische VW-Zulieferer SAM geht an den chinesischen Konzern Fuyao. Das Unternehmen aus dem Landkreis Göppingen wird mit allen Arbeitsplätzen erhalten bleiben, teilte Insolvenzverwalter Holger Leichtle am Montag mit. Einen Großteil des Umsatzes macht das Unternehmen mit Volkswagen, aber auch Mercedes-Benz, General Motors und Volvo gehören zu seinen Kunden. Die Zustimmung der Kartellbehörden steht noch aus. 

Peter Veranneman

Peter Veranneman

Die Abkürzung SAM steht für Süddeutsche Aluminium Manufaktur. Das Unternehmen fertigt mit rund 1.800 Mitarbeitern Aluminium-Anbauteile für die Autobranche. Über den möglichen Verkauf an den chinesischen Konzern Fuyao hatte zunächst die Wirtschaftswoche berichtet. SAM erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 280 Millionen Euro. Der Zulieferer mit Sitz in Böhmenkirch hatte im August einen Insolvenzantrag gestellt.

Anfang November war das Insolvenzverfahren eröffnet worden, am vergangenen Freitag gab der Gläubigerausschuss grünes Licht für die Übernahme durch Fuyao.

Die Fuyao Glass Group Industries gehört nach Angaben des Insolvenzverwalters zu den weltweit größten Anbietern von Autoglas – mit mehr als 25.000 Beschäftigten und einem Umsatz von jährlich gut zwei Milliarden Euro.

Berater Fuyao
Bird & Bird (Frankfurt): Dr. Peter Veranneman (Corporate/M&A), Dr. Stefanie Orttmann (Corporate/M&A; beide Federführung), Dr. Dirk Barcaba  (Insolvenzrecht), Dr. Stephan Waldheim (Kartellrecht), Dr. Matthias Spilker (Vertriebsrecht), Dr. René Voigtländer (Außenwirtschaftsrecht), Dr. Catharina Klumpp (Arbeitsrecht); Associates: Jan Medele (Corporate/M&A), Benjamin Karcher (Arbeitsrecht), Patricia Bendlin Spür (Außenwirtschaftsrecht), Carolin Saupe (Vertriebsrecht)

Holger Leichtle

Holger Leichtle

Insolvenzverwaltung SAM
Schultze & Braun (Stuttgart): Dr. Holger Leichtle (Insolvenzverwalter), Dr. Sebastian Krapohl, Fiona Feith, Sascha Wein, Dr. Jürgen Erbe

Berater Insolvenzverwalter
Finkenhof (Frankfurt): Dr. Lorenzo Matthaei (Insolvenzrecht), Dr. Maximilian von Mangoldt (Corporate/M&A; beide Federführung); Associates: Carolin Brand, Dr. Kaan Güzel, Tim Grabbe, Kathrin Brockmeyer

Maximilian von Mangoldt

Maximilian von Mangoldt

Hintergrund: Nach rückläufigen Umsatzzahlen und einem Großbrand in 2018 hatte SAM die restrukturierungserfahrene Sozietät Finkenhof zu Rate gezogen. Diese flankierte dann unter der Federführung von Partner Matthaei zunächst die Verhandlungen über eine außergerichtliche Restrukturierung. Später unterstützte ein Team um den Corporate-Partner von Mangoldt den Insolvenzverwalter Leichtle im strukturierten Verkaufsprozess, der wiederum von einem Team von PwC M&A-Advisory um Martin Schwarzer vorbereitet worden war.

Insolvenzspezialist Leichtle kennt den süddeutschen Automobillsektor: Er war bereits Verwalter beim Carbonspezialisten UBC  und dem Autozulieferer Burkhardt Kunststoffverarbeitung, der 2017 an Pearl Stream aus Polen verkauft wurde. Leichtle selbst kam 2013 durch die Fusion der baden-württembergischen Insolvenzverwalterkanzlei Viniol zu Schultze & Braun.

Wie es zu der Mandatsbeziehung zwischen Bird & Bird-Parter Veranneman und der chinesischen Käuferin Fuyao kam, ist bislang nicht bekannt. Der frühere Partner von Skadden Arps Slate Meagher & Flom  hatte 2012 die Deutsche Gesellschaft zur Vertretung von Anleihegläubigern (DGVA) gegründet und schon zahlreiche Krisen- und Restrukturierungsgespräche begleitet. Als er 2014 zu Bird & Bird wechselte, hatte sie bereits ein starkes Asiengeschäft aufgebaut.

Die Kanzlei ist seit zwanzig Jahren in China vertreten und verfügt dort über drei eigene Büros. 2017 hatte sie zudem eine Kooperation mit der chinesischen Großkanzlei AllBright Law Offices geschlossen, die derzeit auch mit Unterstützung von Veranneman ausgebaut wird. Jüngst beriet ein Bird & Bird-Team auch ein Konsortium um die Private-Equity-Gesellschaft Yunfeng Capital bei der Beteiligung an dem süddeutschen Spezialpharmaunternehmen AMW.

Beurkundet wurde die SAM-Transaktion nach JUVE-Recherchen von dem Bad Homburger Notar Dr. Steffen Hutzel von Färber & Hutzel. (Sonja Behrens, mit Material von dpa)

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