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02.01.2019

Rückblick: Das waren die Top-Deals 2018

Wieder ist ein Jahr mit spektakulären Deals zu Ende gegangen. Bayer brachte die Monsanto-Übernahme zum Abschluss, Hochtief stemmte den angekündigten Großzukauf in Spanien, E.on und RWE verkündeten eine neue Zukunft für Innogy. Und Unitymedia soll demnächst Vodafone gehören, sofern die Kartellwächter zustimmen. Diese haben inzwischen den über 70 Milliarden Euro schweren Zusammenschluss von Linde und Praxair nach einigen Kompromissen freigegeben. Aktivistische Aktionäre hinterfragten so manchen Deal, den deutsche Vorstände beschlossen hatten. Was die Beraterbranche jedoch vermutlich weit mehr beunruhigte: Die große Schlussralley im Transaktionsgeschäft blieb dieses Mal aus.

Beachtlich waren im Jahr 2018 die Abverkäufe, die Kartellbehörden in Fusionskontrollverfahren erzwangen. Bayer hatte mit Blick auf die Monsanto-Übernahme im Herbst 2017 schon einen Teil seines Saatgut- und Pflanzenschutzmittelgeschäftes an BASF verkauft, dem folgte dann im Frühjahr 2018 die sogenannte Digital-Farming-Sparte für rund 1,7 Milliarden Euro. Praxair musste in Vorbereitung auf seine Fusion mit Linde einen Großteil seines Europageschäfts abgeben, Linde veräußerte für rund 2,8 Milliarden weite Teile seines Amerikageschäfts an die hessische Messer-Gruppe und CVC Capital Partners.

Transatlantische Milliardendeals

Die Investitionen deutscher Unternehmen in den USA bleiben bemerkenswert, trotz der Unwägbarkeiten, die eine Trump-Regierung mit sich bringt. Der Softwarekonzern SAP will beispielsweise für gut 7 Milliarden Euro Qualtrics International erwerben, sechs Milliarden hingegen legt der deutsche Baustoffhersteller Knauf für den Wettbewerber USG Corporation auf den Tisch.  

Umgekehrt investierte auch der amerikanische Wohnmobilriese Thor 2,1 Milliarden Euro, um mit Erwin Hymer an Fahrt aufzunehmen. Gemeinsam erschließen sie sich nun den Wohnmobilmarkt in China. Ebenfalls transatlantisch war die Übernahme der HSH Nordbank durch US-amerikanische Investmentfonds. Es beteiligten sich aber auch der englische Hedgefonds Centaurus, die österreichische Bawag sowie die Österreichische Postsparkasse. Zudem wurde mit der HSH die erste Landesbank privatisiert und erstmals auch der Übergang von der Einlagensicherung der öffentlichen zu den privaten Banken ausgehandelt. Diesem Beispiel könnte die NordLB 2019 folgen.

Mehr Schweizgeschäft

Während im Jahr 2017 auffallend viele Großtransaktionen zwischen Österreich und Deutschland für Gesprächsstoff sorgten, machten 2018 auch die Schweizer von sich reden. Der Schweizer Industriekonzern ABB kündigte einen weltweiten Carve-Out seiner Stromnetzsparte an, die an Hitachi gehen soll.

Consus Real Estate will mit der Schweizer SSN-Gruppe einen marktführenden Immobilienentwickler aufbauen, die Schweizer Beteiligungsgesellschaft Porterhouse machte sich für die insolvente Klinikkette Paracelsus stark und ein Konsortium um die Partners Group sicherte sich in einem Bieterkampf den Eschborner Ablesedienst Techem. Außerdem wechselten Anteile an dem Schweizer Unternehmen Sportradar den Besitzer.

Neue Strukturen erwünscht

Carve-Outs und Umstrukturierungen bieten neue Investitionsmöglichkeiten, vor allem für Private-Equity-Investoren und Börsenanleger. Was mit Siemens Healthineers geglückt ist, möchte Volkswagen mit Traton und Continenta mit der Antriebstochter Powertrain ebenfalls angehen.

Der Pharma- und Chemiekonzern Merck, der fest in Familienhand ist, hat eine neue Holdingstruktur bekommen. Daimler möchte sich zunächst in drei Geschäftsbereiche aufteilen, Thyssenkrupp hingegen ganz aufspalten – sofern die Aktionäre bei den Hauptversammlungen im Frühjahr 2019 zustimmen.

Mitreden statt Abnicken

Insgesamt scheint sich die Frage nach den Mitgestaltungsmöglichkeiten bei den börsennotierten Unternehmen regelmäßiger zu stellen. Investoren stellen Profitabilität in Frage, sie kommentieren öffentlich Transaktionspläne und kritisieren das Management.

Es sind aber nicht nur die sogenannten aktivistischen Investoren, auch neue Allianzen und Joint Ventures beschäftigen die M&A- und Corporatepraxen: Ob nun Karstadt und Kaufhof zusammenrücken, ob Tata und Thyssen ihre Stahlgeschäfte vereinen, oder ob Hochtief einen Weg findet, die milliardenschwere Investition für den spanischen Mautstraßenbetreiber Abertis auf mehrere Schultern zu verteilen.

Milliarden im Vergaberecht

Während sich auf diesem Wege ganze Branchen neu sortieren, versucht die öffentliche Hand, den Investitionsstau anzugehen. Erste Entscheidungen zum Mammutprojekt ‚S-Bahn Stammstrecke II‘ in München, zum Ausbau des Berliner Autobahnnetzes oder zur Umsetzung der Pkw-Maut sind getroffen, das vier Milliarden Euro schwere Vergabeverfahren für neue Militärschiffe läuft hingegen noch, ebenso die Auktion zum neuen Mobilfunk-Standard 5G.

Für 2019 wird zwar insgesamt mit weniger Transaktionsvolumen gerechnet, auch weil die Weltkonjunktur angesichts von Brexit und Handelskonflikten den Atem anhält. Umstrukturierungen und Abverkäufe in Krisen und bei Transformationsprozessen dürften die Corporateberater und Steuerexperten aber trotzdem auf Trab halten. (Sonja Behrens)

Die Top-Deals 2018*

RWE und Innogy verkünden einen Milliardenplan rund um Innogy
Vodafone möchte den Kabelnetzbetreiber Unitymedia übernehmen
Praxair verkauft große Teile seines Europageschäftes
Partners Group sichert sich den Ablesedienst Techem
Merck verkauft seine Sparte Consumer Health an Procter & Gamble
EQT erwirbt das Nürnberger Softwareunternehmen Suse
Camping-Konzern Thor übernimmt die deutsche Hymer-Gruppe
Internationale Investoren beteiligen sich an Scandlines
Lanxess steigt aus dem Kautschukgeschäft aus
Die HSH Nordbank wird verkauft an ein Konsortium

*Auswahl der Redaktion

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