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03.01.2019

Schneller als gedacht: Allianz übernimmt mit Allen & Overy Mehrheit an ADAC Autoversicherung

Europas größter Versicherer Allianz baut sein Geschäft mit Kfz-Policen aus. Dazu erwirbt der Münchner Konzern vom Schweizer Konkurrenten Zurich die Mehrheit an der ADAC Autoversicherung. Gemeinsame Produkte der neuen Partner soll es ab Herbst 2019 geben. Eine Freigabe durch die BaFin steht noch aus.

Jan Schröder

Jan Schröder

Der 51-Prozent-Anteil an der ADAC Autoversicherung soll zum Jahresbeginn 2019 an den neuen Eigentümer Allianz übergehen, ein Jahr früher, als ursprünglich geplant. Über den Kaufpreis vereinbarten die Beteiligten Stillschweigen. Der Kfz-Versicherer war 2006 als gemeinsames Unternehmen des Automobilclubs und der Zurich entstanden.

Die ADAC Autoversicherung hat rund 650.000 Kunden mit etwas über einer Million Verträgen und nimmt jährlich circa 250 Millionen Euro an Beiträgen ein. Seit Kurzem steht sie auch Nichtmitgliedern offen. Bei Zurich sind für diesen Bereich rund 100 Mitarbeiter zuständig. Sie sollen zum März 2019 von Zurich zur Allianz wechseln.

Die verbleibenden 49 Prozent an dem Kraftfahrtversicherer hält die ADAC SE. In ihr bündelt der Automobilclub seine wirtschaftlichen Beteiligungen, darunter auch die Autovermietung und das Zeitschriften- und Buchgeschäft.

Umkämpfter Markt

Die Allianz stärkt mit dem Bündel an ADAC-Verträgen ihr heimisches Geschäft auf dem umkämpften Markt für Kfz-Versicherungen. Hier ist sie mit 8,5 Millionen versicherten Fahrzeugen die Nummer 2 hinter HUK Coburg. Diese kommt auf 11,6 Millionen versicherte Autos.

Zurich bietet Kfz-Policen über die DA Deutsche Allgemeine Versicherung an. Die Beitragseinnahmen beliefen sich 2017 auf gut 281 Millionen Euro. Im Oktober 2018 hatte Zurich eine Kooperation mit dem Auto Club Europa vereinbart, die unter anderem für dessen Mitglieder Sonderkonditionen in der Kfz-Versicherung vorsieht.

Berater Allianz
Allen & Overy (Düsseldorf): Dr. Jan Schröder, Anne Fischer (Corporate/M&A, Versicherungsrecht) – aus dem Markt bekannt

Peter Etzbach

Peter Etzbach

Berater Zurich
Oppenhoff (Köln): Dr. Peter Etzbach (Federführung; Corporate/M&A), Marc Krischer (Steuerrecht), Dr. Alexander Willemsen (Arbeitsrecht); Associate: Johannes Janning (Corporate/M&A)
Küttner (Köln): Dr. Tim Wißmann (Federführung); Associate: Dr. Marius Fritzsche (beide Arbeitsrecht)
Inhouse Recht (Frankfurt): Michael Reuter – aus dem Markt bekannt

Berater ADAC
Inhouse: Eva Nitsche (Koordination Recht/Steuern/Finanzen ADAC Autoversicherung), Roswitha Mikulla-Liegert (Rechtliches Beteiligungsmanagement)
Linklaters (München): Dr. Wolfgang Krauel (Co-Federführung), Dr. Carsten Grave (Düsseldorf), Andreas Schaflitzl (alle Corporate), Dr. Frederik Winter (Finanzaufsichtsrecht; Frankfurt); Associates: Dr. Thomas Broichhausen (Co-Federführung), Katrin Zink, Lea Wurm (alle Corporate; alle München), Alexander van Meegen (Finanzaufsichtsrecht; Frankfurt), Patrick Neidinger (TMT; Frankfurt), Dr. David-Julien dos Santos Goncalves (Corporate; Düsseldorf), Alexander Zitzl (Steuern)

Wolfgang Krauel

Wolfgang Krauel

Hintergrund: Sowohl die Allianz als auch Zurich mandatieren beide Kanzleien, Allen & Overy und Oppenhoff, immer wieder. Allen & Overy beriet die Allianz 2017 bereits bei dem milliardenschweren Joint Venture mit Liverpool Victoria. Das internationale Team führten damals Dr. Hans Diekmann und Philip Jarvis aus London. Für die aktuelle Transaktion war der Düsseldorfer Praxisgruppenleiter Dr. Jan Schröder zuständig. Er führte auch das Allen & Overy-Team, das wiederum der Zurich-Versicherung beim Verkauf ihrer deutschen Heilberufshaftpflichtversicherungen an Catalina zur Seite stand.

Oppenhoff war für Zurich zuletzt unter anderem in einem großen Softwareprojekt tätig. Dadurch bestehen ständige Kontakte zu dem Unternehmen. In anderen Angelegenheiten berät die Kanzlei auch die Allianz: Sie begleitet deren Tochter Allianz Gobal Life laufend dabei, für Großkunden neue Angebote für Betriebsrenten zu entwickeln.

Die Arbeitsrechtsspezialisten von Küttner beraten Zurich seit vielen Jahren bundesweit, darunter auch beim Bündeln der Standorte in Frankfurt und Köln. Zudem vertritt die Kanzlei den Konzern laufend in Auseinandersetzungen. Beim Verkauf der Beteiligung an der ADAC Autoversicherung standen kollektivrechtliche Fragen im Zentrum. Zudem gilt es, den Wechsel der Mitarbeiter auf freiwilliger Basis und außerhalb des Betriebsübergangs zu erreichen.

Der ADAC und seine  Autoversicherung sprachen die Versicherungsexperten von Linklaters direkt an für diese Transaktion. (Raphael Arnold, mit Material von dpa)

Aktualisiert am 7. Januar 2019.

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