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25.02.2019

Werzalit-Insolvenz: BRP begleitet österreichischen Unternehmer Troyer

Die insolvente Werzalit-Gruppe wird von dem österreichischen Unternehmer Martin Troyer weitergeführt. Zwei deutsche Standorte und die Produktion in Rumänien sind mit dem Verkauf an Troyers Gesellschaft Sonnenhof gerettet, ein Standort in den USA wurde separat veräußert. 450 Arbeitsplätze des Holzverarbeiters bleiben so erhalten.

Jochen Sedlitz

Jochen Sedlitz

Allerdings konnte der Insolvenzverwalter nach knapp einjährigem Einsatz die Fertigung am Standort Oberstenfeld nicht retten. 120 Arbeitnehmer verlieren ihren Arbeitsplatz. Dem Vernehmen nach standen der Wert beziehungsweise die Verwertbarkeit des dortigen Betriebsgrundstücks einer Weiterführung der Produktion im Weg.

Oberstenfeld stand lange vor dem Insolvenzantrag im Fokus eines arbeitsrechtlichen Streits, den Werzalit-Mitarbeiter bis zum Bundesarbeitsgericht (BAG) nach Erfurt getragen hatten: Der ehemalige Geschäftsführer Jochen Werz hatte ihre Arbeitsverhältnisse 2011 auf eine Outsourcing-Gesellschaft übertragen, was das BAG schließlich als unzulässigen Betriebsübergang bewertete. Fällige Pensionsnachzahlungen und Abfindungen machten Werzalit Anfang 2018 zahlungsunfähig.

Berater Sonnenhof
BRP Renaud & Partner (Stuttgart): Dr. Betina Fecker (Gesellschaftsrecht/M&A, Arbeitsrecht); Dr. Lisa Ames (Gesellschaftsrecht)

Insolvenzverwaltung
Menold Bezler (Stuttgart): Jochen Sedlitz (Insolvenzverwaltung), Dr. Frank Schäffler, Dr. Alexandra Kierner, Dr. Jasmin Urlaub (alle Insolvenzrecht), Dr. Cristina Baier (Arbeitsrecht), Dr. Julia Schneider (IP), Dr. Aris Joannidis (Handelsrecht); Associates: Dr. Sebastian Mielke, Pascal Mangold (beide Insolvenzrecht), Kathrin Seiz (Arbeitsrecht)

Berater Insolvenzverwaltung
Grub Brugger (Stuttgart): Dr. Thilo Schultze (M&A), Ursula Thein (Arbeitsrecht), Dr. Mario Weiss (M&A international); Associates: Maximilian Bei der Kellen (M&A); Dennis Lang (Immobilienrecht), Manon Hotz (Arbeitsrecht)

Hintergrund: Die lang andauernden arbeitsrechtlichen Gefechte rund um die Werzalit-Gruppe stellten auch für das Insolvenzverfahren eine Hypothek dar, weshalb Verwalter Sedlitz die Teilverkäufe letztendlich als Erfolg ansieht. Im M&A-Prozess griffen die anwaltlichen Berater zusätzlich auf Roland Berger zurück, als Interimgeschäftsführer waren Manager von Rial Consulting im Einsatz.

Menold Bezler und Grub Brugger als insolvenzrechtliches Tandem kam hier nicht zum ersten Mal gemeinsam zum Einsatz. Da beide sowohl in der Insolvenzverwaltung als auch in der Sanierungs- und Restrukturierungsberatung tätig sind, begegnen sie sich im Südwesten regelmäßig, etwa bei der Heer Mediengruppe, bei der Druckerei BlessOF oder beim Verkauf der Knauer-Gruppe. Beim Werkzeugmaschinenhersteller SHW berät Menold das Unternehmen in der Insolvenz, Martin Mucha von Grub Brugger fungiert seit Mai 2018 dort als Sachwalter.

Auf Käuferseite kam die BRP-Arbeitsrechtlerin Fecker zum Zug, die aus ihrer Inhousezeit bei Bosch viel Erfahrung mit Kaufverträgen und gesellschaftsrechtlichen Fragen mitbringt und Sonnenhof beziehungsweise Troyer ressortübergreifend beriet. Fecker ist nicht die einzige BRP-Partnerin mit langjähriger Bosch-Erfahrung. 2015 wechselte die ehemalige Compliance-Chefin Dr. Susanne Jochheim in die Stuttgarter Kanzlei.

Die Outsourcing-Firma selbst hatte bereits 2016 Insolvenz angemeldet, das Amtsgericht Heilbronn bestellte damals Dr. Tibor Braun von Illig Braun Kirschnek zum Verwalter. (Markus Lembeck)

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