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24.04.2019

900 Millionen aus Japan: Softbank investiert mit Sullivan bei Noerr-Mandantin Wirecard

Der Zahlungsabwickler Wirecard kann nach Berichten über umstrittene Bilanzierungspraktiken gute Nachrichten verkünden: Der Tech-Konzern Softbank investiert 900 Millionen Euro in Wirecard und wird nach Ablauf von fünf Jahren neuer Ankeraktionär. Bis dahin sollen die Japaner den Dax-Konzern als Partner beim Markteintritt in Japan und Südkorea unterstützen. Darüber unterzeichneten die Unternehmen eine Absichtserklärung.

Carsten Berrar

Carsten Berrar

Der Einstieg von Softbank dürfte für Anleger nach den heftigen Kursschwankungen eine beruhigende Nachricht sein. Die Japaner werden in einem ersten Schritt 900 Millionen Euro in eine Wandelschuldverschreibung des Konzerns investieren. Nach Ablauf von fünf Jahren geht die Investition in insgesamt 6,9 Millionen Aktien zu einem Stückpreis von 130 Euro. Die Zahl der Aktien entspricht rund 5,6 Prozent des Grundkapitals von Wirecard. Geplant sei außerdem eine „strategische Partnerschaft“ zwischen Wirecard und Softbank, hieß es. Beide Seiten unterzeichneten demnach eine Absichtserklärung.

Die Ausgabe der Wandelschuldverschreibung soll von den Aktionären bei der Hauptversammlung am 18. Juni genehmigt werden. Softbank ist weltweit an zahlreichen Technologieunternehmen beteiligt. So hatte das von Masayoshi Son geleitete Unternehmen Anfang 2018 knapp eine halbe Milliarde Euro in die Gebrauchtwagenplattform Auto1 gesteckt.

Die Wirecard-Aktie zog nach dem Handelsstart zwischenzeitlich um zehn Prozent an auf mehr als 136 Euro. Der Kurs war nach Artikeln der Zeitung Financial Times über mögliche falsche Bilanzen des Unternehmens in Singapur in den vergangenen Monaten massiv eingebrochen. Der Wirecard-Vorstand hatte die Berichte zurückgewiesen und von Diffamierung gesprochen. Bis vor wenigen Tagen galt für die Wirecard-Aktie ein Leerverkaufsverbot, um den Aktienkurs vor Angriffen zu schützen.

Andrea Görres

Andrea Görres

Behörden ermitteln wegen Kursmanipulation

Mittlerweile hat die von Wirecard beauftragte Untersuchung der Singapurer Anwaltskanzlei Rajah & Tann ergeben, dass Mitarbeiter in dem südostasiatischen Inselstaat tatsächlich gegen Bilanzregeln verstoßen haben – allerdings weniger gravierend, als von der Finanzzeitung berichtet. In der Zwischenzeit ist nicht nur die Börsenaufsicht eingeschritten: Auch die Münchner Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es bei den Kursturbulenzen nicht mit rechten Dingen zuging. Beide Behörden ermitteln. Die Bafin hatte Anfang der Woche rund ein Dutzend mutmaßlich Beteiligter bei der Staatsanwaltschaft angezeigt. Um wen es sich handelt, teilte die Bafin nicht mit. Wirecard hat am Landgericht München Klage gegen die Financial Times eingereicht. 

Wirecard stand auch schon in der Vergangenheit im Zentrum von Börsenattacken. 2012 wurden führende Personen der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger wegen Kursmanipulationen bei Wirecard zu Haftstraften verurteilt. Ende 2018 wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft München einen Strafbefehl gegen einen britischen Analysten wegen Kursmanipulation erließ. Der Kurs der Wirecard-Aktie war deshalb nach Meinung der Ermittler 2016 um ein Viertel eingebrochen.

Berater Softbank
Sullivan & Cromwell (Frankfurt): Dr. Carsten Berrar, Dr. Konstantin Technau; Associates: Florian Späth (alle Kapitalmarktrecht), Hattie Middleditch (Litigation; London)
Inhouse Recht (London): Spencer Collins

Julian Schulze de la Cruz

Julian Schulze de la Cruz

Berater Wirecard
Noerr (Frankfurt): Dr. Julian Schulze De la Cruz, Dr. Laurenz Wieneke (beide Federführung), Dr. Holger Alfes (alle Kapitalmarktrecht), Dr. Sebastian Schürer (Corporate/M&A; Düsseldorf)
Gibson Dunn & Crutcher (München): Dr. Ferndinand Fromholzer, Silke Beiter (beide Corporate)
Inhouse Recht (Aschheim): Andrea Görres (General Counsel), Dr. Christoph Küster (Leiter Recht M&A/Corporate)

Ferdinand Fromholzer

Ferdinand Fromholzer

Berater Wirecard Aufsichtsrat
Latham & Watkins: Christine Gärtner (Litigation; Frankfurt), Dr. Dirk Kocher (Aktienrecht; Hamburg) – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Softbank ist auf internationaler Ebene vor allem im Kapitalmarktrecht Mandantin von Sullivan. Das Büro in Tokio beriet kürzlich beim Börsengang der Mobilfunksparte von Softbank. Die deutschen Kapitalmarktrechtler von Sullivan, Berrar und Technau, kamen über die Empfehlung eines Investors mit Softbank in Kontakt. Bei Investments mit geringerem Anteil kapitalmarktrechtlicher Beratung, wie etwa der Einstieg bei Auto1 im vergangenen Jahr, setzen die Japaner regelmäßig auf Morrison & Foerster. Für die Beziehung steht – soweit bekannt – der Morrison-Partner Kenneth Siegel, der seit 20 Jahren den Standort der Kanzlei in Tokio leitet. So kam auch das Berliner Büro ins Mandat.

Noerr war schon in der Vergangenheit von Wirecard mandatiert worden. Im Zuge der Beratung zu einem Großkredit gewann sie Einblick in die Finanzstrukturen des Konzerns. Das Team um die Kapitalmarktrechtler Schulze De la Cruz und Wieneke übernahm deshalb vor allem für die Beratung zur Wandelschuldverschreibung sowie zu der geplanten Kooperation mit Softbank.

Gibson Dunn-Partner Fromholzer ist schon seit vielen Jahren in gesellschaftsrechtlichen Fragen und auch für die damit verbundenen kapitalmarktrechtlichen Themen bei Wirecard zuständig, beispielsweise für die Hauptversammlung. Die Mandantin mit ihrer langjährigen Chefjuristin Görres folgte ihm 2016 bei seinem Wechsel von Freshfields Bruckhaus Deringer zu Gibson Dunn. Da Fromholzer als Corporate-Governance-Experte häufig auch mit Compliance-Fragen in Berührung kommt, nimmt er bei den Untersuchungen zu den Bilanzvorgängen in Asien und den damit verbundenen Kurskapriolen eine übergeordnete Funktion ein.

Franz Enderle

Franz Enderle

Mit den internen Ermittlungen sind mehrere Kanzleien beauftragt, die aber bis auf Rajah & Tann noch nicht öffentlich bekannt sind. Für die Auseinandersetzungen mit der Financial Times beauftragte das Unternehmen Franz Enderle und Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Bub von Bub Memminger & Partner. Die bekannten Litigation-Anwälte hatten sich kürzlich von ihrer früheren Einheit Bub Gauweiler & Partner getrennt und waren mit der Corporate-Boutique Memminger zusammengegangen.

Latham wird – soweit bekannt – regelmäßig vom Wirecard-Aufsichtsrat mandatiert. (Christiane Schiffer, mit Material von dpa)

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