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22.05.2019

Zerschlagung vertagt: Uniper wappnet sich mit Allen & Overy und Shearman & Sterling in kritischer Hauptversammlung

Beim Düsseldorfer Kraftwerksbetreiber Uniper treffen sich heute die Eigentümer zur Hauptversammlung. Erstmals ist der neue Hauptaktionär Fortum dabei, der knapp 50 Prozent der Aktien hält – und im Dauerclinch mit den Top-Managern liegt. Doch immerhin haben andere kritische Aktionäre ihre Vorstöße zur Zerschlagung des Konzerns erst einmal vertagt.

Patrick Wolff

Patrick Wolff

Wenn die Aktionäre heute in Düsseldorf zusammenkommen, steht die Fehde mit Großinvestor Fortum im Vordergrund. Uniper hatte sich lange aber letztlich erfolglos gegen den Einstieg der Finnen gewehrt. Seitdem liegt der Investor im ständigen Streit mit den Top-Managern und will nun ihre Entlastung durch die Hauptversammlung verschieben lassen.

Eigentlich plant Fortum, seine Beteiligung an Uniper auf über 50 Prozent aufzustocken, wird aber durch ein Veto russischer Behörden daran gehindert. Die Finnen haben den Uniper-Vorstand im Verdacht, hinter dieser Anordnung zu stecken und wollen ihm daher die Entlastung verweigern. Fortum halte es „nicht für angemessen, den Vorstand zu entlasten, solange unsere Bedenken nicht ausgeräumt wurden“, teilte der Konzern am Dienstag mit.

Vorstand und Aufsichtsrat von Uniper haben die Vorwürfe wiederholt als falsch zurückgewiesen. Uniper habe Fortum „bereits frühzeitig auf die russische Gesetzgebung hingewiesen, wonach ein ausländischer Staatskonzern in Russland keine sogenannten strategischen Assets betreiben darf“, sagte der scheidende Finanzvorstand Christopher Delbrück auf der Hauptversammlung des Konzerns in Düsseldorf.

Der bisherige Vorstandschef Klaus Schäfer sowie Finanzvorstand Christopher Delbrück scheiden Ende des Monats endgültig aus ihren Ämtern aus. Ein neues Management um den ehemaligen Thyssenkrupp-Manager Andreas Schierenbeck soll die Beziehung zu Fortum dann auf eine neue Grundlage stellen.

Josef Broich

Josef Broich

Trotz der schwelenden Querelen wird die Hauptversammlung in Düsseldorf vermutlich ruhiger verlaufen als bislang gedacht: Erst gestern zogen zwei Finanzinvestoren ihre brisanten Anträge für das Aktionärstreffen zurück. Zuvor hatte der Hedgefonds Elliot von Uniper gefordert, einen Beherrschungsvertrag mit seinem finnischen Großaktionär Fortum vorzubereiten. Investor Knight Vinke verlangte gar die Abspaltung des russischen und des schwedischen Stromerzeugungsgeschäfts. Elliott hält letzten Angaben zufolge knapp 18 Prozent an Uniper, Knight Vinke ist demnach mit rund 5 Prozent beteiligt.

Die Anträge der Investoren zielten auf eine Zerschlagung des Konzerns, der aus dem E.on-Konzern hervorgegangen ist und zu den größten Stromerzeugern in Europa zählt. Die Uniper-Aktie gab am Dienstag nach und fiel auf 25 Euro. Eine Zerschlagung hätte kurzfristige Kursaufschläge bedeutet.

Berater Uniper
Inhouse Recht (Düsseldorf): Dr. Patrick Wolff (General Counsel), Dr. Sascha Fehlemann, Dr. Tina Hinz, Dr. Andrea Schoeneberg
Allen & Overy (Düsseldorf): Dr. Hans Diekmann, Dr. Jonas Wittgens (beide Corporate/M&A)
Ihrig & Anderson (Mannheim): Prof. Dr. Hans-Christoph Ihrig (Corporate/M&A)

Hans Diekmann

Hans Diekmann

Berater Uniper Aufsichtsrat
Shearman & Sterling
(Frankfurt): Georg Thoma (Corporate/M&A)

Berater Fortum
Hengeler Mueller: Dr. Rainer Krause (Düsseldorf), Dr. Joachim Rosengarten (Frankfurt; beide Federführung; beide Corporate/M&A),

Berater Elliot
Broich (Frankfurt): Josef Broich, Wolfgang Sturm (beide Corporate/M&A)

Berater Knight Vinke
Greenfort (Frankfurt): Gunther Weiss (Corporate)

Hintergrund: Beim Börsendebüt des E.on-Spin-offs Uniper war Allen & Overy noch auf Seite der Banken tätig. Bei der Neuformierung des Panels holte Rechtschef Wolff die Kanzlei dann aber an die Seite von Uniper. Seit 2017 berät der Düsseldorfer Partner Diekmann Uniper zur Hauptversammlung sowie zu gesellschafts- und kapitalmarktrechtlichen Fragen. Zusätzlich hat man den Ex-Allen & Overy-Partner Ihrig als Spezialisten für Aktionärstreffen hinzugezogen, der seit 2017 in der Corporate-Boutique Ihrig & Anderson selbstständig ist.

Beim Einstieg von Fortum war bereits das Hengeler Mueller-Team unter der Führung von Krause und Rosengarten für die Finnen tätig, die Kanzlei berät Fortum auch weiterhin laufend bezüglich des Uniper-Investments.

Georg Thoma

Georg Thoma

Die Verbindung von Finanzinvestor Elliott zu seinen Anwälten ist alt und erprobt: So begleitet Broich Elliott unter anderem bei Klagen gegen Porsche wegen der Dieselaffäre.

Bislang wurden die Uniper-Hauptversammlungen von Notar Dr. Ulrich Irriger von der Essener Kanzlei Kümmerlein begleitet. Durch den Umzug nach Düsseldorf kam nun Dr. Armin Hauschild von Zimmermann Hauschild zum Zuge. (Ulrike Barth, mit Material von dpa)

Aktualisierung: Auf Antrag von Fortum wurde die Entlastung des Vorstandes vertagt.

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