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12.07.2019

Autozulieferer gerettet: Greenberg und Latham beraten Sanierungsdeal für IFA

Der Automobilzulieferer IFA hat sich mit seinen Gläubigern und Geschäftspartnern auf eine Sanierungsvereinbarung geeinigt. IFA ist nicht nur am Stammsitz im sachsen-anhaltinischen Haldensleben, sondern auch in den USA, China und Polen mit wichtigen Werken vertreten. Die Gruppe beschäftigt rund 3.000 Mitarbeiter, der Umsatz liegt bei über 700 Millionen Euro.

Gordon Geiser

Gordon Geiser

Kern der Sanierung ist eine Stabilisierung des Geschäftsbetriebs durch eine Neuorganisation der Finanzierung sowie operative Maßnahmen. IFA ist einer der führenden Hersteller von Antriebs- und Gelenkwellen. Ohne die Zustimmung der großen Automobilhersteller sind Zuliefererkrisen in der Regel nicht zu überstehen. Bei IFA gelangen nicht nur diese Verhandlungen, insbesondere mit Daimler, auch der heterogene Gläubigerkreis konnte für eine Lösung gewonnen werden.

Sechs Banken und 40 Schuldscheingläubiger waren involviert, zudem die Gesellschafterseite, bei der es sich bekanntlich um die Familie von Nathusius handelt. Presseberichten zufolge geriet sie durch die Insolvenz des Fahrradherstellers Mifa 2017 und die daraus entstandenen finanziellen Belastungen unter hohen Druck. Die IFA-Anteile liegen seit dem Frühjahr bei einem Treuhänder. IFA hat jedoch auch mit konjunkturellen Problemen zu tun. Der Sanierungsprozess soll im März 2022 abgeschlossen sein, parallel läuft außerdem ein M&A-Prozess.

Zuletzt gab es mehrere große Sanierungsfälle in der Zulieferbranche: Weber Automotive meldete in Konstanz ein Eigenverwaltungsverfahren an, während die Borgers-Gruppe mit Stammsitz in Bocholt eine sogenannte ‚Solidarlösung‘ für die Restrukturierung bekannt gab.

Jörn Kowalewski

Jörn Kowalewski

Berater IFA-Gruppe
Greenberg Traurig (Berlin): Dr. Gordon Geiser (Restrukturierung/Insolvenz), Dr. Kati Beckmann (Finanzierung/Restrukturierung), Dr. Josef Hofschroer (Gesellschaftsrecht/M&A; alle Federführung), Dr. Christoph Enaux (Kartellrecht), Dr. Viola Bensinger (IP/IT), Georg von Wallis (Steuerrecht), Dr. Niklas Conrad (Vertragsrecht), Lee Ann Anderson (Finanzierung; New York), Paul Keenan (Restrukturierung/Insolvenz; Miami), Dawn Zhang (Shanghai), Jaroslaw Grzesiak (beide Gesellschaftsrecht/M&A), Aleksander Janiszewski, Andrzej Wysokinski (alle Warschau), Daria Boxer (Los Angeles; alle Finanzierung), Claudia Stremel (Steuerrecht); Associates: Michael Schnitker (Finanzierung/Restrukturierung, Marco Stempin, Haley Ratner (New York), Aurora Zhang (Shanghai), Pawel Jaskiewicz (Warschau; alle Gesellschaftsrecht/M&A), Lena Hocke (IP/IT), Valentino Halim (Vertragsrecht), James Maynor (Steuerrecht; Northern Virginia)

Berater Gesellschafter
Ashurst (München): Alexander Ballmann, Dr. Dorothea Tachezy; Associates: Anna Geissler (alle Restrukturierung)
BBL Bernsau Brockdorff & Partner (Berlin): Christian Graf Brockdorff (Restrukturierung); Associates: Nicole Riedemann, Martin Clemens Lang (beide Restrukturierung/Prozessführung)

Berater Konsortialbanken
Latham & Watkins (Hamburg): Dr. Jörn Kowalewski (Co-Federführung; Restrukturierung), Dr. Dirk Kocher (Gesellschaftsrecht), Dr. Tobias Klass (Steuern), Dr. Torsten Volkholz (Bank- und Finanzrecht), Dr. Markus Krüger (Bankaufsichtsrecht), Stefan Patzer (Prozessführung), Ryan LaFevers (Bank- und Finanzrecht; Chicago); Associates: Dr. Hendrik Hauke (Co-Federführung; Restrukturierung), Sarah Wischhusen (Bank- und Finanzrecht), Dr. Jan-Philipp Praß (Restrukturierung), Marco Grothenrath (Prozessführung; alle Hamburg)

Berater Schuldscheingläubiger
Dentons: Andreas Ziegenhagen (Restrukturierung; Berlin), Dr. Matthias Eggert (Bank- und Finanzrecht; München; beide Federführung), Verena Etzel (Frankfurt); Dr. Detlef Spranger, Dr. Benjamin Kurzberg (beide Berlin; alle Restrukturierung); Associates: Alina Bresler (Restrukturierung), Christopher Burch (Corporate; beide München)

Berater Daimler
White & Case (Düsseldorf): Dr. Jan-Philipp Hoos, Dr. Daniel Schwartz (beide Restrukturierung)

Sanierungstreuhänder
SGP Schneider Geiwitz & Partner (Neu-Ulm): Arndt Geiwitz

Arndt Geiwitz

Arndt Geiwitz

Hintergrund: Die beteiligten Berater sind zum Teil aus dem Markt bekannt.

IFA ist das bislang wohl größte und intensivste Restrukturierungsmandat für Greenberg Traurig in Deutschland. Der insolvenznahe Zweig, der unter GT Restructuring firmiert, ging 2014 noch zu Olswang-Zeiten des Berliner Büros an den Start. Im Fall IFA konnte Greenberg neben den Insolvenz- und Finanzexperten zudem ihre Gesellschafts-, Steuer- und Kartellrechtler ins Spiel bringen sowie vor allem mit der Präsenz in denjenigen Ländern punkten, die auch Standorte von IFA beheimaten: Polen, China und die USA.

Latham ist dem Vernehmen nach nicht nur mit IFA im Automotivesektor unterwegs. Soweit bekannt kam das Mandat über eine Empfehlung auf Bankenseite zustande. Partner Kowalewski war im vergangenen Jahr unter anderem für die Banken beim Verkauf des Antennenherstellers Kathrein aktiv.

Dentons agierte für die Schuldscheingläubiger der IFA mit einer ähnlichen Funktion wie ein gewählter gemeinsamer Vertreter, der nach Schuldverschreibungsgesetz möglich ist. Im Team mit  Ziegenhagen war Finanzrechtler Eggert federführend tätig, der 2017 von Baker & McKenzie zu Dentons gewechselt war. Dentons hat die Restrukturierungspraxis in den vergangenen Jahren personell gezielt verstärkt, in Berlin unter anderem mit dem ehemaligen Insolvenzrichter Horstkotte als of Counsel.

Ashurst-Partner Ballmann war 2016 von CMS Hasche Sigle gekommen. Er beriet zuletzt unter anderem Gläubiger in der Insolvenz der Kette ‚Lila Bäcker‘ und war mit seinem Münchner Team in vorderster Front, als die P&R-Container-Gruppe Anfang 2018 ihre Insolvenzanträge stellte.

Für Daimler ist White & Case häufig die erste Anlaufstelle, wenn bei Zulieferern Krisen drohen. Wie BBL, die mit dem erfahrenen Graf Brockdorff dabei war, und auch Greenberg verfügt die Großkanzlei über reichlich Erfahrung auch mit gerichtlichen Sanierungsfällen. So gehören nach Marktinformationen Hoos und Schwartz aktuell auch zu dem Team, das Dr. Biner Bähr in der Insolvenz des Brotproduzenten Kronenbrot unterstützt. (Markus Lembeck)

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