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28.08.2019

Lokgeschäft geht an Chinesen: Freshfields-Klassentreffen bei Verkauf von Vossloh-Sparte

Die chinesische CRRC Zhuzhou Locomotive, eine Tochter des größten Schienenfahrzeugherstellers der Welt China Railway Rolling Stock Corporation (CRRC), kauft Vossloh sein europäisches Lokomotivengeschäft ab. Für CRRC dürfte der Kauf des modernen Produktionsstandorts in Kiel den ersehnten Einstieg in den europäischen Markt bedeuten. Der vereinbarte Kaufpreis werde sich voraussichtlich auf einen niedrigen einstelligen Millionenbetrag belaufen, erklärte Vossloh, ließ aber auch durchblicken, dass CRRC sämtliche Garantien und Bürgschaften ablöst.

Dominik Ziegenhahn

Dominik Ziegenhahn

Der Vollzug werde im Verlauf der nächsten Monate erwartet. Die Transaktion stehe vor allem noch unter dem Vorbehalt der Freigabe durch die zuständigen Behörden in Europa und China, insbesondere der fusionskontrollrechtlichen und außenwirtschaftsrechtlichen Freigaben sowie der üblichen Genehmigungen der chinesischen Behörden. Außenwirtschaftsrechtlich dürfte vor allem die Frage relevant sein, wie sehr die Behörden das Lokgeschäft an das Reizthema kritische Infrastruktur knüpfen.

Das Lokgeschäft sei das letzte von ursprünglich drei Geschäftsfeldern, das Vossloh im Zuge einer strategischen Ausrichtung auf die Bahninfrastruktur veräußert. Mit dem Vollzug werde der Umbau des Verkehrstechnikkonzerns abgeschlossen. Für die Loksparte waren zuletzt fast 500 Angestellte in Deutschland sowie an den Standorten in Frankreich, Italien und Schweden tätig, die CRRC ebenfalls erworben hat.

Vossloh versucht bereits seit 2017 das seit 15 Jahren defizitäre Lokgeschäft zu verkaufen. Finanzchef Oliver Schuster teilte der Börsen-Zeitung mit, dass der Verkauf sich schwierig gestaltete. Dem Vernehmen nach ist die Transaktion für Private-Equity-Investoren nicht finanzierbar gewesen. Für CRRC bedeutet der Kauf hingegen die Tür zum regulierten europäischen Markt. Bereits vor einigen Jahren war CRRC an Skoda Transportation interessiert und auch beim sächsischen Wagonbauer Niesky sollen sie dem Vernehmen nach mitgeboten haben.

Das Lokgeschäft von Vossloh ist nach Siemens und Alstom der drittgrößte Anbieter von Lokomotiven und Serviceleistungen im deutschen Markt. Nachdem die EU-Kommission die Fusion von Siemens und Alstom untersagt hat, dürfte sie den Kauf durch CRRC begrüßen. Ohne das Lokgeschäft erzielte Vossloh im Geschäftsjahr 2018 mit etwa 3.800 Mitarbeitern einen Umsatz von 865 Millionen Euro. 

Stephan Waldhausen

Stephan Waldhausen

Berater CRRC
Raschke von Knobelsdorff Heiser (Hamburg): Dr. Dominik Ziegenhahn (Federführung), Dr. Nico Torka (beide Corporate/M&A), Prof. Dr. Christian Möller (Steuern); Associate: Cornelius Karcher (Corporate/M&A)
Grandall (Peking): Qing Lin, Xinwei Li, Zhang Bo (alle Corporate/M&A)
Jeantet
(Paris): Karl Hepp de Sevelinges, Michael Samol (beide Corporate/M&A)
Pavia e Ansaldo (Mailand): Sven von Mensenkampff (Corporate/M&A)
Törngren Magnell (Stockholm): Niclas Högström (Corporate/M&A)
KNPZ (Hamburg): Dr. Mathias Zintler (IP/IT)
Schramm Meyer Kuhnke (Hamburg): Dr. Holger Meyer; Associate: Dr. Matthias Lodemann (beide Arbeitsrecht)
Blomstein (Berlin): Dr. Max Klasse, Dr. Roland Stein (Kartell- und Außenhandelsrecht)
KPMG (Peking): Michael Jiang, Alison Sun

Berater Vossloh
Freshfields Bruckhaus Deringer (Düsseldorf): Dr. Stephan Waldhausen (Federführung; Corporate/M&A), Dr. Uta Itzen (Kartellrecht), Dr. Georg Roderburg (Steuerrecht), Dr. Michael Ramb (Öffentliches Wirtschaftsrecht; Berlin), Yuxin Shen (Peking); Associates: Dr. Philipp Pütz (Co-Federführung; beide Corporate), Dr. Tobias Pukropski (Kartellrecht), Thomas Richter (Steuerrecht), Dr. Tobias Timmann (IP/IT), Manuel Walkenhorst, Henri Conze (beide Corporate/M&A), Dr. Sören Lehmann (Steuerrecht)
Inhouse Recht (Werdohl): Jan Furnivall (Leiter Rechtsabteilung)

Jan Furnivall

Jan Furnivall

Hintergrund: Raschke-Partner Ziegenhahn kam über die chinesische Kanzlei Grandall ins Mandat, die zu den Stammberaterinnen von CRRC gehört. Letztlich setzte sich Ziegenhahn in einem Pitch durch. Der Kontakt zu Grandall stammt aus seiner Zeit bei GvW Graf von Westphalen, wo er bis 2015 die M&A-Praxis leitete. Dann zog es ihn zum Hamburger Freshfields Spin-off, die bis 2014 noch als Renzenbrink Raschke von Knobelsdorff Heiser firmierten. Ziegenhahn war bis 2009 selbst bei Freshfields.

Für die Verhandlungen zog Ziegenhahn auf Käuferseite weitere deutsche Freshfields-Spin-offs zusammen. Weitere europäische Partnerkanzleien lieferten die Informationen zu den europäischen Standorten.

Auch auf Verkäuferseite trafen alte Bekannte aufeinander: Vossloh-Rechtsabteilungsleiter Furnivall war bis 2013 Teil des Düsseldorfer Corporate/M&A-Teams um Freshfields-Partner Waldhausen. Die Mandatsbeziehung zwischen Vossloh und Waldhausen reicht aber bereits zurück bis ins Jahr 2001. (Martin Ströder; mit Material von dpa)

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