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24.10.2019

Ceconomy: Hengeler und Görg beraten bei Führungswechsel

Nach nur rund sieben Monaten im Amt musste Vorstandschef Jörn Werner seinen Posten bei Ceconomy wieder räumen. Als Grund für die Trennung nannte Aufsichtsratschef Jürgen Fitschen unterschiedliche Auffassungen über die Führung des Unternehmens. Vorläufig übernimmt Aufsichtsrat Bernhard Düttmann Werners Posten als Konzernchef.

Marcus Richter

Marcus Richter

Ceconomy steckt seit geraumer Zeit in der Krise – nicht zuletzt wegen des harten Wettbewerbs im Online-Handel. Im vergangenen Jahr gab das Unternehmen gleich mehrfach Gewinnwarnungen heraus. Der langjährige Konzernchef Pieter Haas und sein Finanzvorstand Mark Frese mussten deshalb im Herbst 2018 ihren Hut nehmen. Abhilfe schaffen sollte eine neue Führungsspitze mit dem nun geschassten Werner und dem ebenfalls neuen MediaMarkt-Saturn-Chef Ferran Reverter. Medienberichten zufolge kam es jedoch immer wieder zu Meinungsverschiedenheiten und fehlenden Absprachen zwischen den beiden Topmanagern.

Vorgänger wird Nachfolger – vorläufig

In einer außerordentlichen Sitzung berief der Ceconomy-Aufsichtsrat nun Bernhard Düttmann für die nächsten zwölf Monate zum vorläufigen CEO, bis eine dauerhafte Lösung an der Konzernspitze gefunden ist. Düttmann hatte das Unternehmen bereits Anfang des Jahres für einige Monate geführt, bis Werner seinen Dienst angetreten hatte. Düttmann wird nicht nur neuer Vorstandsvorsitzender, sondern zudem Arbeitsdirektor und verantwortet neben Personal die Strategie des Konzerns. Die Umsetzung der Strategie soll ein neues Gremium sicherstellen, dem neben dem Ceconomy-Vorstand auch die Geschäftsführung von MediaMarkt Saturn angehört. Auch dessen Leitung soll Düttmann übernehmen.

Georg Seyfarth

Georg Seyfarth

Die abrupte Trennung von Werner dürfte den Konzern noch einmal teuer zu stehen kommen. Zwar war über die Höhe der Abfindung für den Topmanager zunächst nichts bekannt. Doch als im vergangenen Jahr Konzernchef Pieter Haas und Finanzvorstand Mark Frese sowie eine Reihe weiterer Manager aus der zweiten Führungsebene den Konzern verließen, kostete das Ceconomy insgesamt rund 34 Millionen Euro.

Berater Jörn Werner
Görg (Köln): Dr. Marcus Richter (Arbeitsrecht)

Berater Ceconomy
Hengeler Mueller (Düsseldorf): Dr. Georg Seyfarth; Associate: Dr. Adrian Cavin (beide Gesellschaftsrecht)
Inhouse Recht: Bernd Steffes-mies (General Counsel), Nikolaus Plagemann (Leiter Corporate Office)

Hintergrund: Alle Berater sind aus dem Markt bekannt.

Richter, der die Arbeitsrechtspraxis bei Görg leitet, hatte Werner Anfang des Jahres bereits bei dessen Bestellung zum CEO beraten. Sein Schwerpunkt liegt in der arbeitsrechtlichen Beratung von Transaktionen und Restrukturierungen, so beriet er zuletzt die Berliner Zeitfracht-Gruppe beim Kauf der Lufthansa-Tochter LGW. Zwar spielte die Führungskräfteberatung bislang eher eine untergeordnete Rolle, doch Richter ist auch hier regelmäßig aktiv. Im vergangenen Jahr verhandelte er beispielsweise den Ausstieg von Finanzvorstand David Frink bei Gerry Weber.

Auf Unternehmensseite stand Hengeler den Inhouse-Juristen zur Seite. Der ehemalige Hengeler Managing-Partner Seyfarth berät Ceconomy und Metro regelmäßig zu Führungskräftethemen, so auch beim Einstieg Werners und beim Ausscheiden des früheren Konzernchefs Haas. Der 2018 entlassene Haas wiederum ließ sich von den Münchener Arbeitsrechtlern von Keller Menz vertreten.

Metro gehört zu den Stammmandanten von Hengeler. So ließ sich das Unternehmen auch bei der Abspaltung von Ceconomy im Jahr 2017 kapitalmarkt- und gesellschaftsrechtlich von einem großen Team der Kanzlei beraten. Die neu entstandene Ceconomy setzte in den 2018 und 2019 vollzogenen Transaktionen regelmäßig auf Freshfields Bruckhaus Deringer und zuletzt auf Latham & Watkins, während Hengeler weiterhin Metro vertrat. So auch beim Übernahmeangebot des tschechischen Milliardärs Kretinsky. (Annette Kamps, mit Material von dpa)

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