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18.10.2019

Großprojekt Autobahngesellschaft: Nur Roland Berger hält an Rahmenvertrag fest

Beim Großprojekt Zentrale Autobahngesellschaft sind die Beraterkosten aus dem Ruder gelaufen. Deshalb sind mittlerweile drei der vier Rahmenverträge mit Beratern auf Bitten des Ministeriums einvernehmlich beendet worden. Dies sind die Verträge mit Bearing Point, Ernst & Young und Beiten Burkhardt gemeinsam mit Boston Consulting. Roland Berger will nach JUVE-Informationen an der Vereinbarung festhalten. Die Strategieberatung koordiniert die Projektsteuerung für das Ministerium.

Roland Berger wollte die Informationen nicht kommentieren und verwies auf das Bundesverkehrsministerium. Das Ministerium hat bis jetzt nicht auf JUVE-Anfragen reagiert. Dass sich Roland Berger weigert, den Rahmenvertrag zu beenden, haben mehrere mit dem Projekt vertraute Quellen bestätigt. Inzwischen ist bekannt, dass vor allem die Kostenexplosion für die Arbeit von Roland Berger ins Gewicht fällt. Der Berliner Tagesspiegel nannte die Summe von 30 Millionen Euro, die Roland Berger in Rechnung gestellt hat. Dieser Preis ist nach JUVE-Informationen durchaus stimmig. Damit ist das Honorar fast neunzehn Mal so hoch, wie ursprünglich vom Ministerium veranschlagt. In der Bekanntmachung zum Rahmenvertrag vom Januar 2018 wird der Wert des Einzelvertrags des Strategieberaters noch auf rund 1,6 Millionen Euro taxiert.

Hinter vorgehaltener Hand beschweren sich vor allem Juristen, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater, dass sie mit den Strategieberatern und ihrer Abrechnungspraxis in einen Topf geworfen werden. Sie argumentieren, dass ihre standesrechtlich geprägten Abrechnungssysteme und Geschäftsmodelle solche exorbitanten Kostensteigerungen nicht zuließen.

Völlig verschätzt

In den Bekanntmachungen zu den Rahmenverträgen wird der Wert aller vier Verträge noch auf ungefähr 8,2 Millionen Euro geschätzt. Im Sommer gab Verkehrsminister Andreas Scheuer zu, dass die Beraterkosten bis Ende 2021 auf 86 Millionen Euro ansteigen werden. Allerdings ist nicht klar, wie die gesamten Beraterkosten des Projekts Autobahngesellschaft genau aufgeteilt sind. Wahrscheinlich ist, dass in allen Rahmenverträgen die ursprünglichen Budgetschätzungen überschritten wurden. Die Abteilung Bundesfernstraßen im Ministerium unter der Leitung von Dr. Ingo Krause hat die Komplexität des Projekts erheblich unterschätzt. Das hat Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer mittlerweile offiziell bestätigt.

Grundsätzlich müssen es Auftraggeber akzeptieren, dass Budgets überzogen werden, wenn sie nicht gedeckelt sind. Das Ministerium hätte die Verträge auch nicht kündigen müssen – es hätte gereicht, dass es den Beratern einfach keine weiteren Aufträge gibt. Dass das Ministerium nun trotzdem einen offiziellen Schlussstrich unter die Angelegenheit ziehen will, wird sicherlich auch an der Intervention des Bundesrechnungshofes liegen. Dem war angesichts der horrenden Zusatzkosten der Kragen geplatzt.

Trotzdem ist die Blockade von Roland Berger für das Ministerium nicht unproblematisch. Denn solange der Vertrag noch läuft, darf der Bund den Posten ‚Strategieberatung‘ nicht erneut ausschreiben. Solange Roland Berger nicht einwilligt, den Vertrag aufzulösen und das Ministerium die Berater nicht mehr beauftragen will, ist die Projektumsetzung blockiert. Dass Roland Berger diesem Druck Stand hält, ist für viele ein Zeichen dafür, wie tief die Berater im politischen Berlin verwurzelt sind.

Mit einem Kniff will das Verkehrsministerium nun die Auschreibungsmodalitäten für die Beraterleistungen umgehen: Nach JUVE-Informationen sollen einige Aufgaben direkt von der neu gegründeten Autobahn GmbH mit Sitz in Frankfurt ausgeschrieben werden. Für die arbeitsrechtliche Beratung ist das bereits passiert. Experten meinen aber, dass es weiterhin Beratungsbedarf gibt, den nur das BMVI ausschreiben kann, um das riesige Projekt zu beenden. (Martin Ströder)

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