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08.01.2020

Das waren die Top-Deals 2019: Große Übernahmen neben Rückschlägen und Verboten

Das Jahr 2019 war von großen Übernahmeplänen, Zusammenschlüssen, aber auch von Rückschlägen geprägt: So mussten etwa Siemens, Thyssenkrupp und die Deutsche Bank umfangreiche Transaktionen beerdigen. Zudem wurden große Industriesparten zum Verkauf gestellt, um tiefgreifende Digitalisierungsvorhaben finanzieren zu können. Manche Konzernlenker kauften mit Rücklagen und Fremdfinanzierungen kräftig in den USA zu, um ihre Position dort und im globalen Wettbewerb zu festigen. Dass der Wind rauer wird, spürte 2019 die gesamte M&A-Branche.

Insbesondere die angekündigten US-Zukäufe wiesen stattliche Summen auf: Infineon will für 9 Milliarden Euro den US-Konkurrenten Cypress Semiconductor übernehmen, ZF Friedrichshafen war bereit, gute 6 Milliarden Euro für den Automobilzulieferer Wabco zu zahlen und Merck besserte seine Offerte für den US-Halbleiterzulieferer Versum Materials nach, der inklusive Schulden mit fast 5,8 Milliarden Euro bewertet wurde.

Die US-Regierung dürfte sich gefreut haben, dass Volkswagen 2,3 Milliarden Euro in die Fords-Tochter Argo AI für selbstfahrende Autos steckte, und dass die Wieland Werke eine Milliarde Euro für den US-Metallverarbeiter Global Brass and Copper ausgaben, nachdem die EU-Kommission dem Ulmer Familienunternehmen eine zuvor geplante Übernahme der Flachwalzsparte des Hamburger Konzerns Aurubis untersagt hatte.

Umstrittene Rolle der Wettbewerbshüter

Anfang 2019 hatte die EU-Kommission auch den Zusammenschluss der Zugsparten von Siemens und Alstom wegen Wettbewerbsbedenken abgelehnt, später verbot sie noch die Fusion der Stahlgeschäfte von Thyssenkrupp und Tata Steel. Doch dagegen hat Thyssenkrupp beim Gericht der Europäischen Union Einwand erhoben. Das Bundeskartellamt wiederum stellte sich gegen die geplante Fusion von Remondis mit dem Grüne-Punkt-Unternehmen DSD und hielt auch nichts von den Plänen der Mittelständler Miba und Zollern, ihre Gleitlageraktivitäten zusammenzulegen. Hier gab schließlich Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier mit Blick auf seine neue ,Nationale Industriestrategie‘ dann doch noch grünes Licht.

Mit seiner Ministererlaubnis stellte sich Altmaier nicht nur gegen die Meinung des Bundeskartellamtes, sondern auch gegen die Auffassung der Monopolkomission. Angesichts des globalen Wettbewerbs, so wiederholt der Minister nun immer öfter, brauche es „europäische Champions“. Er ist dem Vernehmen nach auch an einer Änderung des europäischen Wettbewerbsrechts zugunsten von Großfusionen interessiert. Doch bis dieses Vorhaben auf den Weg gebracht ist, sind die M&A- und Fusionskontrollberater an die Gegebenheiten gebunden. 

Wohnungsportfolios, Gewerbeimmobilien und die Grunderwerbssteuer

Auch 2019 klingelten in der Immobilienbranche wieder die Hochzeitsglocken: Vonovia entdeckt immer wieder attraktive Partner im Ausland und zahlte zuletzt mehr als drei Milliarden Euro für den schwedischen Anbieter Hembla. TLG Immobilien legte rund eine Milliarde Euro für ein Aktienpaket von Aroundtown auf den Tisch, wenig später machte der Großkonzern umgekehrt eine Übernahmeofferte für alle TLG-Aktien, die sich mit den entsprechenden Verbindlichkeiten laut Angaben von Merger Market auf gute 5 Milliarden Euro addiert. 

Kurz vor Weihnachten 2019 wurde dann noch bekannt, dass der Wettbewerber Ado Properties seinen Großaktionär Adler Real Estate übernehmen möchte und sich gleichzeitig beim Berliner Immobilienunternehmen Consus Real Estate eingekauft hat. Sofern Behörden, Banken und Aktionäre mitspielen, könnte das in den kommenden Monaten eine glückliche Ménage à trois werden.

Private-Equity-Investoren überall

Angesichts der niedrigen Zinsen und der sich eintrübenden Großwetterlage scheuen auch Private-Equity-Investoren keine Mühen, um an lukrative Anlageassets zu kommen. Vor allem asiatische Investoren kaufen sich derzeit gerne in Hochhäuser in Frankfurt ein. Für Aufmerksamkeit sorgte daneben auch die öffentliche Übernahme von Axel Springer durch KKR oder das Engagement in Bieterverfahren um Currenta, Ifco Systems und  Autoscout24. Zudem beteiligten sich Private-Equity-Häuser weiterhin an Energie-  und Infrastruktur-Anbietern wie Innogy Grid, Inexio oder EWE – und treffen dabei immer wieder auf Strategen, die einen langen Atem haben. Man denke nur an den finnischen Energiekonzern Fortum bei Uniper und den österreichischen Halbleiterkonzern AMS bei Osram. Auch sie sind im vergangenen Jahr, zusammen mit ihren Beratern, einen großen Schritt weitergekommen. (Sonja Behrens)

Die Top-Deals 2019*

Bayer verkauft die Arzneimittelsparte für Haus- und Nutztiere
Aroundtown legt das Übernahmeangebot für TLG vor
KKR erwirbt Mehrheitsanteil an dem Medienkonzern Axel Springer
Fortum kauft Uniper-Anteile von Elliott und Knight Vinke
AMS unterbreitet ein zweites Angebot für Osram
Der Chemiepark-Betreiber Currenta geht an Mira
BASF veräußert sein Bauchemiegeschäft an Lone Star
Evonik trennt sich von seinem Plexiglasgeschäft
Scout24 verkauft seine AutoScout24 und Finanzcheck
Ein Investorenkonsortium sichert sich den Windpark Veja Mate

* Redaktionelle Auswahl; mit Übernahmetargets, die ihren Schwerpunkt in Deutschland haben.

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