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18.02.2020

Godewind-Übernahme: Covivio bietet mit Sullivan und Jung & Schleicher

Der französische Immobilienkonzern Covivio möchte seinen deutschen Bestand erweitern. Daher kündigte er ein öffentliches Übernahmeangebot für das Frankfurter Immobilienunternehmen Godewind an. Covivio würde 6,40 Euro je Godewind-Aktie in bar zahlen, sofern die Kartellbehörden die Übernahme und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) die Angebotsunterlagen genehmigen. Damit beliefe sich die Höhe der Transaktion auf rund 700 Millionen Euro.

Carsten Berrar

Carsten Berrar

Der Preis bedeutet einen Aufschlag von 32,9 Prozent gegenüber dem Durchschnittskurs von Godewind in den vergangenen drei Monaten und etwa 60 Prozent mehr als der Aktienpreis im April 2018, als Godewind an die Börse ging. Godewind Immobilien ist auf deutsche Büroimmobilien spezialisiert und deckt eine Kombination aus Portfolio- und Asset-Management ab.

Bevor das anstehende Übernahmeangebot publik wurde, hatte der Godewind-Vorstand mit Zustimmung des Aufsichtsrats bereits eine Investorenvereinbarung mit der Covivio-Tochter X-Tend geschlossen. Zudem hatten bisherige Godewind-Aktionäre – darunter der Vorstandsvorsitzende Stavros Efremidis und Aufsichtsratsmitglied Karl Ehlerding – verbindliche Aktienkaufverträge über insgesamt rund 35 Prozent des Grundkapitals unterschrieben.

Mit der Grundsatzvereinbarung hat sich der Godewind-Vorstand zudem verpflichtet, langfristig einen Delisting-Antrag für Godewind bei der Deutschen Börse zu stellen, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind.

Covivio entstand 2018 aus dem Zusammenschluss der französischen Immobiliengruppe Foncière des Régions mit der deutschen Immobiliengruppe Immeo. Insgesamt hat die Gruppe rund 40.000 Wohnobjekte hierzulande im Portfolio, zudem verfügt sie über Büroimmobilien in Italien und Frankreich.

Mathias Jung

Mathias Jung

Berater Convivio
Inhouse Recht (Paris): Josephine Lelong-Chaussier (General Counsel) − aus dem Markt bekannt
Sullivan & Cromwell (Frankfurt): Dr. Carsten Berrar, Dr. York Schnorbus (beide M&A), Dr. Max Birke (Finanzierung), Olivier de Vilmorin (Paris), Dr. Florian Späth, Arnaud Berdou (Paris), Frederic Wünsche, Matthias Huhn, Isabelle de Lange
Jung & Schleicher (Berlin): Dr. Matthias Jung  (Federführung), Dr. Felix Krieglstein, Carsten Hannebauer, Manuel Swidersky (alle Immobilienrecht), Dr. Dominik Schneider, Dr. Roland Borsdorff (beide Gesellschaftsrecht), Dr. Holger Lerche (Kartellrecht)

Berater Godewind
Clifford Chance: Dr. Thomas Krecek (Frankfurt; Federführung), Dr. Christian Vogel (Düsseldorf; beide Gesellschaftsrecht), Philipp Klöckner (Gesellschafts- und Kapitalmarktrecht), Georg Hacket (US-Kapitalmarktrecht), Dr. Stefan Simon (Arbeitsrecht; alle Frankfurt), Marc Besen (Kartellrecht; Düsseldorf), Thorsten Sauerhering, Dr. Dominik Engl (beide Steuerrecht; beide Frankfurt), Dr. Dominik Heß (Gesellschaftsrecht), Dr. Dimitri Slobodenjuk (Kartellrecht; beide Düsseldorf); Associates: Dr. Moritz Petersen, Annette Röhder, Lara Stelmach (alle Gesellschaftsrecht); Dr. Christopher Fischer (alle Frankfurt), Mario Maier (München; beide Arbeitsrecht), David Santoro (US-Kapitalmarktrecht; Frankfurt)   

Christian Vogel

Christian Vogel

Hintergrund: Die beteiligten Kanzleien treffen nicht zum ersten Mal in einer öffentlichen Übernahme im Immobiliensektor aufeinander: Sullivan beriet 2017 auch TLG Immobilien beim Kauf von WCM für rund 450 Millionen Euro. Auch WCM war von den heutigen Godewind-Managern Stavros Efremidis und Ralf Struckmeyer aufgebaut worden.

Wie damals setzten diese bei der aktuellen Transaktion auf Clifford. Gesellschaftsrechtler Vogel hatte auch Godewinds Börsengang mit dem Finanzrechtler George Hacket begleitet. Für die jetzige Gremienberatung band der langjährige Client-Partner Krecek auch den neuen Kapitalmarktrechtspartner Klöckner ein, der im vergangenen Jahr von Sullivan gewechselt war.

Godewinds Zukäufe nach dem Börsengang hatte vor allem die Immobilienpraxis von Goodwin Procter und die Steuerberatungsgesellschaft Hansa Partner unterstützt, sie berieten beispielsweise beim Erwerb der Herzog-Terrassen in Düsseldorf und des Frankfurter City Gate Tower. Den Ankauf des Frankfurt Airport Centers, der als Share Deal mit der ERWE Immobilien als Co-Investorin aufgesetzt wurde, handelte Clifford mit aus.

Sullivan hat den Kontakt zu Convivio über ihr Frankfurter Büro aufgebaut. Für kapitalmarkt- und gesellschaftsrechtliche Themen hat das Team um Berrar auch das Pariser Büro der US-Kanzlei in das Mandat eingebunden.

Die Berliner Boutique Jung & Schleicher berät Covivio schon seit mehreren Jahren bei Immobilientransaktionen, das Mandatsverhältnis bestand schon zum Vorgängerunternehmen Immeo. Bei der aktuellen Transaktion steuerte sie den Due-Diligence-Prozess, beriet zu immobilien- und gesellschaftsrechtlichen Fragen und den kartellrechtlichen Anträgen.

Sullivan und Jung & Schleicher waren sich jüngst auch in der milliardenschwere Fusion von Aroundtwon und TLG Immobilien begegnet – allerdings saßen sie sich dort gegenüber, als das Business Combination Agreement ausgehandelt wurde. (Sonja Behrens)

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