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17.02.2020

Große Offerte: Schneider Electric bietet mit Hengeler für Noerr-Mandantin RIB Software

Der französische Industriekonzern Schneider Electric will den deutschen Bausoftwarehersteller RIB Software übernehmen. Je Aktie wollen die Franzosen 29 Euro bezahlen. Das entspricht bei 51,9 Millionen Aktien einem Gesamtwert von rund 1,4 Milliarden Euro.

Maximilian Schiessl

Maximilian Schiessl

Schneider hat sich bereits den Zugriff auf 16 Prozent der Aktien gesichert. Das freiwillige öffentliche Übernahmeangebot erfolgt auf der Grundlage eines Business Combination Agreements, das die Unternehmen ausgehandelt haben. Goldman Sachs agiert als Finanical Advisor.

Der geplante Angebotspreis liegt 40 Prozent über dem Aktienschlusskurs am Mittwochabend – am Donnerstag legte das Papier entsprechend um gut 41 Prozent auf 29,16 Euro zu.

RIB Software mit Sitz in Stuttgart ist mit seinen über 2.700 Mitarbeitern spezialisiert auf Bausoftware für Planer, Architekten und Bauunternehmen.

Rückendeckung für die Übernahmeofferte

Der Verwaltungsrat von RIB Software unterstützt das Angebot, das eine Mindestannahmeschwelle von 50 Prozent plus einer Aktie beinhaltet. Aufseher müssen dem Vorhaben noch zustimmen, auch bei der US-Investitionskontrolle CFIUS soll ein Antrag gestellt werden. Den Abschluss der Übernahme erwarten die Unternehmen im zweiten Quartal dieses Jahres. Ein Beherrschungs- oder Gewinnabführungsvertrag sei gegenwärtig nicht geplant.

CEO Tom Wolf  und Finanzchef Michael Sauer sollen nach der Transaktion gemeinsam weiter knapp 9 Prozent der Anteile halten. Bis zum Ende ihrer Verträge 2022 sollen die Manager an Bord bleiben. Der Umsatz der RIB kletterte im vergangenen Jahr um 57 Prozent auf 214,3 Millionen Euro.

Schneider Electric will mit dem Zukauf seine Kompetenzen in der Digitalisierung für den Maschinenbau und die Bauwirtschaft ausbauen. Das Unternehmen ist vor allem in der Elektrotechnik und der Industrieautomatisierung stark. Das Traditionsunternehmen mit Sitz bei Paris erzielte zuletzt einen Umsatz von gut 24 Milliarden Euro und beschäftigt weltweit rund 137.000 Mitarbeiter.

Berater Schneider Electric
Hengeler Mueller (Düsseldorf): Dr. Maximilian Schiessl, Dr. Bernd Wirbl (beide Federführung; beide M&A), Dr. Christian Hoefs (Arbeitsrecht; Frankfurt), Prof. Dr. Christoph Stadler (Kartellrecht), Dr. Matthias Scheifele (Steuern; München), Patrick Wilkening (IP/IT); Associates: Barbara Boytinck, Mike Steffen, Maxi Ludwig, Tianyuan Zhuang, Dr. Anja Höfelmeier, Niklas Bettien (beide Berlin; alle M&A), Anne Sophie Etzkorn (Frankfurt), Vicki Treibmann (beide Arbeitsrecht), Malte Frank (Kartellrecht; Berlin)
Flick Gocke Schaumburg (Bonn): Dr. Jochen Bahns (Steuerrecht) − aus dem Markt bekannt
Inhouse Recht: Peter Wexler (Chief Legal & Compliance Officer; Providence/USA), Alessandra Zingone (Deputy General Counsel M&A EMEA) − aus dem Markt bekannt

Laurenz Wieneke

Laurenz Wieneke

Berater RIB Software
Noerr: Dr. Laurenz Wieneke (Frankfurt), Dr. Michael Brellochs (München; gemeinsame Federführung), Dr. Julian Schulze de la Cruz (alle Gesellschafts- und Kapitalmarktrecht), Dr. Fabian Badtke (Kartellrecht), Sebastian de Schmidt (Gesellschafts- und Kapitalmarktrecht); Associates: Dr. Philip M. Schmoll, Thomas Thies, Jens Göb, Timm Gaßner (München; alle Gesellschafts- und Kapitalmarktrecht)

Berater Goldman Sachs
Sullivan & Cromwell (Frankfurt): Dr. Carsten Berrar; Associate: Dr. Johannes Hieronymi

Hintergrund: Hengeler Mueller pflegt enge Beziehungen zur französischen Best-Friends-Kanzlei Bredin Prat, die schon seit Jahren von Schneider Electric mandatiert wird. Doch dieses Übernahmemandat kam über eine Empfehlung aus den USA zustande – General Counsel Wexler arbeitet im amerikanischen Providence für den französischen Konzern.

Die beiden Düsseldorfer Hengeler-Partner Schiessl und Wirbel hatten in der Vergangenheit auch gemeinsam KKR bei der öffentlichen Übernahme des Marktforschungsunternehmens GfK unterstützt.

Noerr-Partner Wieneke steht dem Stuttgarter Unternehmen RIB Software schon seit zwei Jahrzehnten zur Seite. Mit seinem Team beriet er den Bausoftwarespezialisten daher auch 2011 beim Gang an die Börse, 2014 zu einer Kapitalerhöhung und in den vergangenen Jahren mehrfach bei Aktienplatzierungen. Hier teilte er sich die Federführung mit dem Münchner Partner Brellochs, der ebenfalls regelmäßig im Kontext des Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetzes berät.

Goldman Sachs stellte die Fairness Opinion und Finanzierungsbestätigung für die Übernahmeofferte und wurde dazu von Sullivan & Cromwell beraten. Das gleiche Team beriet die Investmentbank jüngst auch zur Finanzierungsbestätigung an Triton, als der Private-Equity-Investor bei der Volkswagen-Tochter Renk zum Zuge kam. (Sonja Behrens, mit Material von dpa)

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