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12.02.2020

Übernahmeangebot: Atlas Copco bietet mit Gibson Dunn für SDax-Konzern Isra Vision

Der Spezialmaschinenbauer Isra Vision steht vor einer Übernahme. Der Stockholmer Industriekonzern Atlas Copco wird im Rahmen eines freiwilligen öffentlichen Angebots den Isra-Aktionären 50 Euro je Aktie in bar bieten. Die freundliche Offerte sei Teil einer industriellen Partnerschaft zwischen den beiden Unternehmen. Sie bewertet Isra mit 1,1 Milliarden Euro. 

Wilhelm Reinhardt

Wilhelm Reinhardt

Der Angebotspreis entspricht einer Prämie von 29 Prozent auf den volumengewichteten Durchschnittskurs der letzten drei Monate vor der Ankündigung und einer Prämie von 43 Prozent auf den Schlusskurs vom 7. Februar 2020. Die Isra-Aktie machte auf die Mitteilung hin einen Sprung um fast 40 Prozent. Sie liegt nun bei rund 48 Euro.

Isra-Chef Enis Ersü und weitere Mitglieder von Management und Aufsichtsrat hätten ihre Papiere durch unwiderrufliche Vereinbarungen angedient, heißt es in einer Mitteilung. Insgesamt hat sich Atlas Copco rund 35 Prozent aller ausstehenden Isra-Aktien gesichert, nicht zuletzt über einen Aktienkaufvertrag mit einem institutionellen Investor.

Das Angebot wird keine Mindestannahmeschwelle vorsehen, da Atlas Copco nicht beabsichtigt, einen Beherrschungsvertrag abzuschließen. Im Anschluss an den Vollzug des öffentlichen Angebots soll jedoch ein Delisting-Angebot erfolgen.

Isra Vision, ein Spezialist für 3D-Vermessungstechnik mit rund 700 Mitarbeitern, wird eigenständig agieren und ihre Marke weiterführen dürfen. 

Informierten Kreisen zufolge ist BNP Paribas nicht nur als Investmentbank für Atlas Copco im Einsatz, sondern stellte auch die Finanzierungsbescheinigung für das Übernahmeprojekt aus. Noch stehen allerdings einige Genehmigungen aus, unter anderem durch die Kartellbehörden und das Committee on Foreign Investment (CFIUS) in den USA.

Berater Atlas Copco
Gibson Dunn (Frankfurt): Dr. Wilhelm Reinhardt (Federführung), Dr. Dirk Oberbracht, Dr. Ferdinand Fromholzer (München; alle Corporate), Dr. Finn Zeidler (Compliance), Dr. Jens-Olrik Murach (Kartellrecht; Brüssel), Michael Walther (IP), Dr. Mark Zimmer (Arbeitsrecht; beide München), Annekatrin Pelster (Corporate), Alexander Klein (Finanzierung); Associates: Dr. Justus Redeker, Dr. Milena Volkmann, Stefanie Zirkel (alle Corporate), Daniel Gebauer (Immobilienrecht), Franziska Gruber, Selina Grün (beide IP), Dr. Richard Roeder (Compliance; alle vier München)
2sip Schramm Schneider (München): Dr. Michael Schramm (Patentrecht)
KPMG (Hamburg): Frank Wischott, Roman Meissner (München); Associates: Bogdan Hinz, Soheil Davari (alle Steuern)

Hartmut Krause

Hartmut Krause

Berater Isra Vision
Allen & Overy (Frankfurt): Dr. Hartmut Krause (Co-Federführung; M&A), Dr. Hans-Peter Löw (Arbeitsrecht), Dr. Jens Matthes (IP; Düsseldorf), Jürgen Schindler (Kartellrecht; Brüssel), Alexander Wüpper (Co-Federführung; M&A), Dr. André Wandt, Dr. Katharina Stüber (beide Gesellschaftsrecht), Boris Blunck (Arbeitsrecht); Associates: Dr. Sebastian Schulz (Arbeitsrecht), Tatiana Marzoli, Lipei Shi (Peking; beide M&A), Milosz Cywinski (Kartellrecht; Brüssel), Anna Kräling (IP; Düsseldorf), Benjamin Geisel (Kartellrecht; Brüssel)

Berater BNP Paribas
Cederquist (Stockholm): Johan Lundberg – aus dem Markt bekannt
Hogan Lovells (Frankfurt): Bianca Engelmann – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Die Unternehmen haben ein Business Combination Agreement (BCA) unterzeichnet, das neben der strategischen Partnerschaft zugleich eine Nachfolgeregelung des Isra-Unternehmensgründers und CEO Enis Ersü abbildet.

Atlas Copco arbeitet bereits zum zweiten Mal bei einem größeren Deal mit Gibson Dunn-Partner Oberbracht zusammen. Der Transaktionsspezialist, damals noch bei Latham & Watkins, hatte die Schweden 2015 beim Kauf des Vakuumpumpenspezialisten Leybold beraten. Wegen der übernahmerechtlichen Aspekte des Isra-Transaktion übernahm nun der stärker auf Gesellschaftsrecht fokussierte Partner Reinhardt die Federführung. Beide Anwälte waren 2016 gemeinsam von Latham gewechselt, um für Gibson Dunn ein Frankfurter Büro aufzubauen. Sie binden für die aktuelle Transaktion auch Büros in den USA, Brüssel und Peking ein.

Als Atlas Copco jüngst die Scheugenpflug AG erwarb, hatte der Konzern die Beratungsgesellschaft Ebner Stolz für die Financial und Tax Due Diligence mandatiert. Den Kaufvertrag sowie die IP- und immobilienrechtlichen Aspekte der Transaktion handelte Atlas Copco mit einem Team um Loschelder-Partner Dr. Sebstian Kalb aus. Im Unternehmen ist Sarah Timme für die DACH-Region als Head of Legal zuständig. Sie war 2013 von Siemens zu Atlas Copco gewechselt.

Isra Vision setzte schon bei früheren Transaktionen auf Allen & Overy-Partner Krause, der sich bei der Beratung zum aktuellen Übernahmeangebot die Federführung mit Counsel Wüpper teilt. Zum Team gehören auch Anwälte aus den Büros in New York, Washington, Tokio und Seoul.

Hogan Lovells kam nach JUVE-Recherchen über persönliche Verbindungen von Partnerin Engelmann ins Mandat. BNP Paribas als finanzierende Bank für Atlas Copco setzt schon länger auf die schwedische Kanzlei Cederquist. Deren Partner Lundberg hatte schon bei Finanzierungsmandaten mit Engelmann zusammengearbeitet, als diese noch bei Allen & Overy tätig war. Die Anwältin wechselte im Herbst 2019 zu Hogan Lovells. (Norbert Parzinger, Sonja Behrens; mit Material von dpa)

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