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26.03.2020

Immobilien-Pipeline: Deutsche Wohnen kauft mit Pöllath bei SZA-Mandantin Isaria ein

Der Immobilienkonzern Deutsche Wohnen will den Bau neuer Wohnungen deutlich vorantreiben. Das Unternehmen hat sich mit dem Münchner Projektentwickler Isaria Wohnbau, einer Beteiligungsfirma des Finanzinvestors Lone Star, auf den Erwerb einer Plattform für Projektentwicklungen sowie wesentlicher Immobilienprojekte geeinigt. Die Transaktion, deren aktueller Wert bei rund 600 Millionen Euro liegt, bedarf der Zustimmung der Isaria-Aktionäre.

Stefan Lebek

Stefan Lebek

Insgesamt sollen über die angekaufte Projekt-Pipeline 2.700 Wohn- und Gewerbeeinheiten entstehen. Die insgesamt 13 Projekte addierten sich auf einen Gesamtwert von rund zwei Milliarden Euro, schreibt Thomas Daily. Die Hälfte der Projekte befinde sich in München, der Rest in Großstädten wie Hamburg, Stuttgart und Frankfurt, teilte die Deutsche Wohnen mit. Diese Projekte kämen zu den bereits geplanten rund 2.500 neuen Wohnungen in Berlin hinzu. Insgesamt will die Deutsche Wohnen über drei Milliarden Euro in den Neubau von Wohn-, Pflege- und Büroimmobilien stecken.

„Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum in unseren Großstädten ist eine gesellschaftliche Herausforderung“, sagte Deutsche Wohnen-Chef Michael Zahn. Das Management will die Dividende für 2019 von 87 auf 90 Cent je Aktie erhöhen, weniger als bisher geplant. Die Anpassung diene zur Finanzierung eines Hilfsfonds in Höhe von 30 Millionen Euro, mit dem das Unternehmen eigene Mieter im Rahmen der Corona-Krise in Härtefällen schnell finanziell helfen will. Die Deutsche Wohnen vermietet bundesweit rund 161.000 Wohnungen und Gewerbeeinheiten, einen Großteil davon in Berlin. 

Die Isaria Wohnbau wurde 1994 aufgesetzt und befindet sich seit 2016 mehrheitlich im Besitz des US-Investors Lone Star. Laut Thomas Daily behält sie das Bauvorhaben Diamaltpark, das 70 Eigentumswohnungen in München umfasst, und das ehemalige Siemens-Areal an der Hansa-/Tübinger Straße, die Quartiersentwicklung an der Schönerlinderstraße in Berlin sowie die Hamburger Fondsgesellschaft One Group. Isarias Hauptversammlungen finden in der Regel im Laufe des Frühjahrs statt. Die diesjährige Aktionärsversammlung aber dürfte aufgrund der behördlichen Auflagen neu geplant werden. Der Abschluss der Transaktion soll trotzdem in diesem Jahr erfolgen.

Berater Deutsche Wohnen
P+P Pöllath + Partners (Berlin): Dr. Stefan Lebek (Immobilienrecht), Dr. Hardy Fischer (Steuerrecht), Daniel Wiedmann (Kartellrecht; Frankfurt), Sebastian Pasch, Dr. Matthias Werner (beide Immobilienrecht); Associates: Dr. David Hötzel, Dr. Per-Eric Eulau (beide Steuerrecht)
Inhouse Recht (Berlin): Dirk Sonnberg (General Counsel), Imke Dombrowski − aus dem Markt bekannt

Oliver Schröder

Oliver Schröder

Berater Isaria Wohnbau
SZA Schilling Zutt & Anschütz (Frankfurt): Dr. Marc Löbbe, Dr. Oliver Schröder (beide Federführung; Corporate/M&A), Katharina Steinbrück (Arbeitsrecht), Dr. Rolf Schmich (Steuern; Mannheim), Dr. Andreas Herr (Corporate), Dr. Steffen Henn (IP/Vertriebsrecht; Mannheim), Dr. Stephanie Birmanns (Kartellrecht; Brüssel); Associates:, Dr. Christoph Allmendinger, Dr. Jan-Ulrich Friedrichson (Mannheim), Dr. Michael Cohen (alle Corporate/M&A)
Noerr: Felix Blobel (Private Equity; Berlin), Christoph Brenzinger (Immobilienrecht; Düsseldorf), Ariane Neubauer (Private Equity; Berlin), Associate: Dr. Henrik Dornscheidt (Immobilienrecht; Düsseldorf) − aus dem Markt bekannt
Inhouse Recht (München): Wolfram Wagner (Leiter Rechtsabteilung), Julia Wimmer − aus dem Markt bekannt

Berater Lone Star
Sullivan & Cromwell (Frankfurt): Dr. Carsten Berrar, Dr. Konstantin Technau (beide Federführung), Associates: Dr. Felix Ganzer, Frederic Wünsche (alle Corporate/Kapitalmarktrecht)

Hintergrund: Die Pöllath-Partner Lebek und Fischer wurden in den vergangenen Jahren immer wieder von der Deutsche Wohnen mandatiert, etwa 2015, als diese das milliardenschwere Harald-Portfolio von der Wettbewerberin Patrizia Immobilien kaufte, und auch ein Jahr später, als sie das sogenannte Pegasus-Portfolio und somit mehr als 30 Pflegeheime erwarb.

Als Isaria 2013 die One Group übernahm, stand ihr ein Team von Noerr zur Seite, genauso drei Jahre später, als Lone Star sein öffentliches Übernahmeangebot für den Projektentwickler unterbreitete. Hier kam die Kanzlei dem Vernehmen nach für die Legal Vendor Due Dilligence zum Einsatz.

Carsten Berrar

Carsten Berrar

Inzwischen hat sich ein SZA-Team um den Gesellschaftsrechtler Löbbe an der Seite des Isaria-Vorstands etabliert. Die Mandatsbeziehung, die über eine Empfehlung zustande kam, konnte sich im Laufe des Deals ausweiten auf den Transaktionsanwalt Schröder, der Anfang des Jahres von der US-Kanzlei Cleary Gottlieb Steen & Hamilton zu SZA wechselte und so die finale Verhandlungsphase maßgeblich unterstützte.

Die US-Kanzlei Sullivan & Cromwell hatte Lone Star schon 2016 zur Übernahme von Isaria beraten und seitdem fortlaufend begleitet. Die Partner Berrar und Technau waren als Berater des Großaktionärs auch in die hiesige Transaktion eng eingebunden.

Notariell beurkundet wurde die Transaktion nach JUVE-Informationen von Dr. Nicolas Böhm aus dem Berliner Büro von Hengeler Mueller. Der ursprünglich eingeplante Notar war wegen Corona-Quarantäne verhindert, und einige Beteiligte dürften angesichts der Ausgangssperren per Videokonferenz zugeschaltet gewesen sein. (Sonja Behrens, mit Material von dpa)

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