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02.03.2020

Krankenhausfusion: Asklepios greift mit Linklaters nach Rhön-Klinikum

Auf dem deutschen Krankenhausmarkt steht eine weitreichende Konzentration bevor: Die beiden Klinikkonzerne Asklepios und Rhön tun sich zusammen. In einem ersten Schritt wollen der Rhön-Großaktionär Asklepios, der Rhön-Gründer Eugen Münch sowie seine Ehefrau ihre Anteile in einem Gemeinschaftsunternehmen bündeln.

Staffan Illert

Staffan Illert

Dieses Joint Venture soll mindestens rund 49 Prozent der Rhön-Aktien halten. Zudem will Asklepios anschließend den übrigen Rhön-Anteilseignern ein Angebot von 18 Euro je Aktie unterbreiten – 25 Prozent mehr, als die Papiere vor Bekanntgabe der Pläne kosteten. Ziel ist es, die Mehrheit an Rhön zu erlangen. Eine bestimmte Mindestannahmeschwelle für die Offerte ist aber nicht vorgesehen.

„Die Zusammenarbeit mit Asklepios eröffnet uns neue Möglichkeiten, die Ertragskraft und Leistungsfähigkeit in einem schwierigen Marktumfeld nachhaltig zu stabilisieren“, erklärte Münch. Bernard große Broermann, Gründer von Asklepios, sprach von einem „Meilenstein für die Zukunft der Gesundheitsversorgung in Deutschland“.

Mit den Übernahmeplänen würden sich zwei führende Klinikkonzerne in Deutschland hinter dem Marktführer Fresenius Helios zusammenschließen. Rhön behandelte vergangenes Jahr mehr als 860.000 Patienten, Asklepios versorgte 2018 rund 2,3 Millionen Kranke. Während Asklepios mit Sitz in Hamburg in 160 Gesundheitseinrichtungen in Deutschland vertreten ist, betreibt Rhön Krankenhäuser in Bayern, Thüringen, Brandenburg und Hessen. Helios unter dem Dach des Dax-Konzerns Fresenius bliebe mit seinen 86 Kliniken in Deutschland und rund 5,6 Millionen Patienten im Jahr aber unangefochten Marktführer.

Markus Althoff

Markus Althoff

Der Abschluss der Transaktion wird vorbehaltlich der kartellrechtlichen Genehmigung für das zweite Quartal erwartet. Rhön-Klinikum soll als eigenständiges Unternehmen fortbestehen, hieß es. Rhön steht unter verstärktem regulatorischem Druck. So dürfte die vom Bundestag beschlossene Personaluntergrenze in der Pflege das Ergebnis 2020 belasten, hieß es. Hinzu kämen Anlaufkosten für den Einstieg in die Telemedizin, wo Rhön im großen Stil mitmischen will. Rhön-Aktien schnellten nach dem Übernahmeangebot am Freitag um mehr als 22 Prozent auf gut 18,04 Euro in die Höhe.

Im Zuge der geplanten Übernahme könnten bei Rhön-Klinikum Vorstandsstühle wackeln. „Bisher gab es im Vorstand unterschiedliche Stoßrichtungen, damit ist jetzt Schluss“, sagte der Gründer und Aufsichtsratsvorsitzende der Rhön-Kliniken Eugen Münch der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. „Jetzt müssen wir uns anschauen, wer die neue Strategie am besten vertritt. Das kann durchaus zu personellen Konsequenzen führen.“

Christian Zschocke

Christian Zschocke

Berater Asklepios
Linklaters (Düsseldorf): Staffan Illert (Federführung), Dirk Horcher (München; beide Corporate/M&A), Dr. Neil Weiand (Bank- und Finanzrecht; Frankfurt), Dr. Carsten Grave (Kartellrecht), Ulli Janssen (Federführung; Corporate/M&A), Dr. Urs Lewens (Bank- und Finanzrecht; Frankfurt), Dr. Ingo Klauß (Kartellrecht); Associates: Dr. Thomas Kerstan, Alina Kaufmann, Sabrina Mayer (München), Christopher Kuhn (alle Corporate/M&A), Moritz Hechenrieder (Bank- und Finanzrecht; beide Frankfurt), Roman Seifert (Kartellrecht)
Inhouse Recht: Dr. Markus Althoff (General Counsel Asklepios; Hamburg), Dr. Jan Liersch (Geschäftsführer Broermann Holding; Frankfurt), Karin Labisch (Asklepios; Hamburg)

Berater Ehepaar Münch
Morgan Lewis & Bockius (Frankfurt): Dr. Christian Zschocke, Ulrich Korth (beide Corporate/M&A), Dr. Michael Masling (Kartellrecht), Dr. Torsten Schwarze (Kapitalmarktrecht); Associates: Christian Leeder, Markus Kern, Lutz Krosien (alle Corporate/M&A), Dr. Karsten Emmermann (Kapitalmarktrecht), Dr. Florian Hinderer (Kartellrecht)

Berater Rhön-Klinikum
Latham & Watkins (Hamburg): Dr. Henning Schneider, Dr. Andreas Lönner (beide Corporate/M&A)

Berater Aufsichtsrat Rhön-Klinikum
Seufert (München) – aus dem Markt bekannt

Berater BNP Paribas (finanzierende Bank)
Shearman & Sterling (Frankfurt): Dr. Esther Jansen (Federführung; Bank- und Finanzrecht), Annette Petow (M&A); Associate: Martina Buller (Bank- und Finanzrecht) 

Hintergrund: Den Kontakt zu Asklepios brachte Finanzierungspartner Weiand mit, als er 2018 von Allen & Overy zu Linklaters wechselte. Die Corporate-Praxis von Linklaters mit dem hier federführenden Partner Illert konnte nach einigen kleineren Aufträgen nun auch bei diesem Milliardendeal an die Verbindungen anknüpfen. Das Team handelte die Joint-Venture-Verträge mit der Familie Münch aus und wird auch die rechtliche Beratung bei dem öffentlichen Übernahmeangebot übernehmen.

Seit Mai 2019 verantwortet der ehemalige Großkanzleijurist und EMEA-Rechtsleiter der GfK Althoff die Rechtsabteilung von Asklepios. Dass er bis 2008 Managing Associate bei Linklaters war, ist allerdings Zufall. Die Kanzlei war bereits mandatiert, als Althoff seine Position bei Asklepios antrat. Das siebenköpfige Inhouse-Team wurde bis Frühjahr 2019 von Liersch geleitet, der dann als Geschäftsführer zur Broermann-Holding wechselte, dem Beteiligungsvehikel der Asklepios-Gründerfamilie große Broermann.

Auf Verkäuferseite setzt die Familie des Rhön-Klinikum-Gründers Eugen Münch seit Längerem auf Morgan Lewis und deren Managing-Partner Zschocke. Dieser berät sowohl im Kartell- als auch im Gesellschaftsrecht.

Die Rhön-Klinikum AG beauftragte, wie so häufig in der Vergangenheit, auch jetzt wieder Latham-Partner Schneider. Er hatte beispielsweise bereits bei dem milliardenschweren Verkauf von rund 40 Krankenkhäusern an Helios beraten. Der Aufsichtsrat der Rhön-Klinikum AG mandatierte nach JUVE-Informationen erneut Seufert. Die Münchner Kanzlei ist ebenfalls regelmäßig für das Unternehmen tätig.

BNP Paribas, die die Transaktion finanziert, zog ein Team um Shearman-Partnerin Jansen hinzu. Corporate-Partner Dr. Thomas König hat zudem die französische Großbank mit Blick auf die Finanzierungsbestätigung beraten, die für das Übernahmeangebot vorzulegen ist. (Christiane Schiffer; mit Material von dpa)

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