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05.05.2020

Vertrieb in Spanien: Allianz schließt mit A&O und Hogan Lovells Partnerschaft mit BBVA

Der Versicherungskonzern Allianz und die Großbank Banco Bilbao Vizcaya Argentaria (BBVA) bündeln in Spanien ihre Kräfte. Die dortige Tochter des Versicherers, Allianz Seguros, und die Bank haben dazu eine exklusive Vertriebspartnerschaft geschlossen. Die Bank bringt darin ihren Online-Vertrieb und ihre rund 2.600 Filialen ein. Aufsichtsrechtliche Genehmigungen stehen noch aus.

Hans Diekmann

Hans Diekmann

Für den gemeinsamen Vertrieb gründen die Allianz und die BBVA ein Gemeinschaftsunternehmen, dem das bestehende, spanische Sachversicherungsgeschäft der Großbank mit einem Prämienvolumen von rund 300 Millionen Euro zufällt. Ausgelegt ist die Vereinbarung auf 15 Jahre, im Zentrum steht vor allem der Digitalvertrieb. Die Allianz beteiligt sich an dem Joint Venture mit 50 Prozent plus einer Aktie und bezahlt dafür zunächst rund 277 Millionen Euro. Dem Abschluss vorausgegangen war ein längerer, intensiver Bieterprozess. Weitere Interessenten für den Bancassurance-Vertrieb mit der BBVA waren Liberty Mutual und Generali.

Die Allianz hatte im vergangenen Jahr ihren früheren spanischen Bank-Vertriebspartner Banco Popular verloren, nachdem die Großbank Santander das Institut zwei Jahre zuvor aufgefangen hatte. Für den 60-Prozent-Anteil am gemeinsamen Versicherungsvertrieb und der Exklusivvereinbarung erhielt die Allianz damals rund 937 Millionen Euro. Allianz Seguros ist der drittgrößte Sachversicherer in Spanien und kam 2019 auf ein Prämienvolumen von 2,4 Milliarden Euro.

Die BBVA zählt mit einem Anteil von 13,5 Prozent am Kreditmarkt zu den größten Geldhäusern in Spanien. Allein dort erwirtschaftete die Bank im Geschäftsjahr 2019 einen Gewinn von 1,39 Milliarden Euro. Das entsprach knapp 40 Prozent des Gewinns der gesamten Gruppe. Im 1. Quartal 2020 dagegen fiel in Spanien wegen coronabedingter bilanzieller Vorkehrungen ein Verlust von 141 Millionen Euro an. Weltweit unterhält die BBVA über 7.740 Filialen in 30 Ländern und beschäftigt knapp 127.000 Mitarbeiter.

Anne Fischer

Anne Fischer

Berater Allianz
Inhouse Recht: Dr. Petra Märkl (Head of Group Legal M&A), Dr. Alexander Franz (Senior Legal Counsel M&A; beide München), Gisela Subirà Amorós (Direktorin Recht und Compliance; Barcelona)
Allen & Overy (Düsseldorf): Dr. Hans Diekmann (Corporate/M&A), Anne Fischer (beide Federführung; M&A/Versicherungsunternehmensrecht), Dr. Börries Ahrens (Kartellrecht; Hamburg), Dr. Jens Matthes (IP), Salvador Ruiz Bachs (Aufsichtsrecht), Teresa Mendez (Corporate/M&A; beide Madrid), Jane Finlayson-Brown (Datenschutz; London); Associates: Dorothée Kupiek, Meike Radtek, Dr. Jana Mansen (alle Corporate/M&A), Dr. Ioannis Thanos (Kartellrecht; Hamburg), Catharina Glugla (Datenschutz), Anna Kräling (IT)
Hogan Lovells (Madrid): Joaquín Ruiz Echauri; Associate: Felipe Vázquez Acedo – aus dem Markt bekannt

Berater BBVA
Garrigues (Madrid): Arnau Tapias, Fernando Vives (beide Corporate/M&A; Federführung), Álvaro López-Jorrín, Eduardo Abad, Carmen Mata, Ramón Tejada (alle Versicherungsunternehmensrecht), Carlos Gómez (Steuerrecht), Carolina Pina (IP/IT), Alejandro Padín (IT), Susana Cabrera, Oriol Armengol (beide EU-/Kartellrecht); Associates: Antonio Muñoz Vico (IP/IT), Félix Ferreño (Versicherungsunternehmensrecht), Luis Enrique Mata, Luis Covarrubias, Álvaro Blanco (alle Corporate/M&A), Carlos Lozano (Konfliktlösung)

Hintergrund: Bei der Allianz waren auf Konzernebene die M&A-Spezialisten Märkl und Franz mit der Transaktion befasst, in Spanien die dortige Rechtsdirektorin Subirà. Für die M&A-, kartell- und datenschutzrechtlichen Fragen mandatierte der Versicherer Allen & Overy mit einem internationalen Team, das der Partner Diekmann und die Versicherungsrechts-Counsel Fischer führten. Bei internationalen Transaktionen setzte der Münchner Versicherer in den vergangenen Jahren immer wieder auf Allen & Overy, so auch 2019 beim Erwerb der Mehrheit an der ADAC Autoversicherung vom Konkurrenten Zurich.

Für die vertriebsrechtlichen Verträge nach spanischem Recht ist bei Hogan Lovells ein Team um den Madrider Partner Echauri zuständig. Er gehörte auch zu den Hogan Lovells-Beratern um die Düsseldorfer Anwälte Louven und Brockhausen, die die Venture-Capital-Sparte Allianz X vor wenigen Wochen beim Einstieg bei Control Expert berieten.

Die BBVA mandatierte die Großkanzlei Garrigues, für die Tapias stark in die Vertragsverhandlungen eingebunden war. Für die BBVA arbeitet Garrigues seit Jahren immer wieder, unter anderem bei Fremdkapitalmaßnahmen und bei M&A-Transaktionen. 2019 hatte Managing-Partner Vives, ein erfahrener M&A- und Kapitalmarktspezialist, die Allianz bei der Auflösung der Vertriebsvereinbarung mit Santander beraten. (Raphael Arnold)

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