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06.08.2020

Übernahme: Battery Ventures bietet mit White & Case für Easy Software

Für den IT-Dienstleister Easy Software liegt wieder ein Übernahmeangebot vor. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Mühlheim an der Ruhr ist nun im Fokus des technologieorientierten Investors Battery Ventures, der einen satten Aufschlag auf jede Aktie bietet. Zwei Großaktionäre unterstützen den Deal.

Stefan Koch

Stefan Koch

Battery Ventures bietet den Easy Software-Aktionären 11,50 Euro pro Aktie. Balaton und Global Derivative Trading, die zusammen mehr als 60 Prozent der ausstehenden Easy Software-Aktien haben, hatten im Vorfeld Verpflichtungen zur Annahme des Übernahmeangebots unterzeichnet.

Der Deal wird in Kraft gesetzt, sofern eine Mindestannahmequote von 75 Prozent der Aktien erreicht wird und etwaige kartellrechtlichen Freigaben für die Transaktion vorliegen.

Easy Software hat unruhige Jahre hinter sich: Im Zuge einer externen Sonderprüfung war 2012 Dr. Thomas Heidel von der Bonner Kanzlei Meilicke Hoffmann & Partner als besonderer Vertreter bestellt worden.

2018 und 2019 befasste sich dann der Bundesgerichtshof mit Fragen zur Organhaftung, angeschoben von Heidel und Meilicke-Partner Jan Kleinertz. Außerdem streitet sich das Unternehmen mit seinem ehemaligen Vorstand Dieter Weißhaar.

Begehrte Software-Kompetenzen

Aktuell befinden sich rund 23 Prozent der Easy Software-Aktien im Streubesitz. Gut 30 Prozent der Aktien hält die in Lehrte ansässige Kapitalgesellschaft Global Derivative Trading, die nun ihre Anteile verkaufen will, ebenso wie die Heidelberger Beteiligungsgesellschaft Deutsche Balaton, die mit weiteren verbundenen Unternehmen über 30 Prozent hält. Balaton hatte Anfang 2019 ein Übernahmeangebot für Easy Software vorgelegt, aber nur 4,90 Euro pro Aktie geboten. Vorstand und Aufsichtsrat sowie Arbeitnehmervertreter der Easy Software empfahlen daraufhin den Aktionären, die Offerte nicht anzunehmen, sie sei zu niedrig.

Susanne Rückert

Susanne Rückert

Berater Battery Ventures
White & Case (Frankfurt): Stefan Koch (Federführung), Dr. Jan Eichstädt (beide Private Equity), Dr. Matthias Kiesewetter (M&A/Corporate), Dr. Justus Herrlinger (Kartellrecht; beide Hamburg), Andreas Lischka (Bankrecht), Dr. Sascha Schmidt; Associates: Nico Frehse, Moritz Müller-Buttmann (beide M&A/Corporate; beide Hamburg), Christian Sperling, Marco Stephan, Paul Kohlhaas (alle Private Equity), Melanie Müller (Bankrecht), Louisa Maier-Witt (Kartellrecht; Hamburg)

Berater Easy Software Vorstand/Aufsichtsrat
Fieldfisher (Düsseldorf): Dr. Susanne Rückert (Corporate) − aus dem Markt bekannt

Berater Easy Software Vorstand
Heuking Kühn Lüer Wojtek (Düsseldorf): Dr. Katja Plückelmann (Corporate)

Martin Flick

Martin Flick

Berater Deutsche Balaton
Inhouse Recht (Heidelberg): Dr. Martin Flick (Legal Counsel)

Berater Derivative Trading
Heuking Kühn Lüer Wojtek (Köln): Dr. Thorsten Kuthe (Kapitalmarkt- und Aktienrecht)

Hintergrund: Battery Ventures setzt bei ihren VC-Investments in der Regel auf die Berliner Einheit Schnittker Möllmann & Partners. Als sie jüngst das Softwarehaus WinWorker kaufte, hatte sie für die Financial und Tax Due Diligence ein Team von Ebenr Stolz im Einsatz.

Für die öffentliche Übernahme von Easy Software kam nun wieder White & Case-Partner Koch mit seinem Team zum Zug, der die Beteiligungsgesellschaft auch schon 2015 beim Verkauf der Trust Group und 2019 zum Zusammenschluss mehrerer Technologieunternehmen in der DACH-Region beraten hatte.

Der Aufsichtsrat von Easy Software wird mittlerweile vom Steuerberater und Rechtsanwalt Stefan ten Doorkaat geführt, der dem Gremium bereits seit 2012 angehört.  Soweit bekannt hatten im vergangenen Jahr die Fieldfisher-Anwälte Susanne Rückert und Peter Lange für den Aufsichtsrat das Angebot der Balaton auf seine Angemessenheit hin geprüft. 

Thorsten Kuthe

Thorsten Kuthe

Rückert, die nach Marktinformationen auch regelmäßig bei Vorstands- und Organhaftungsfragen einbezogen wird, ist nun auch mandatiert, für Vorstand und Aufsichtsrat eine gemeinsame Stellungnahme zu der Offerte von Battery Ventures vorzubereiten.

Der Vorstand des Software-Unternehmens wurde bislang separat von Heuking-Partnerin Pückelmann beraten, die auch regelmäßig die Hauptversammlungen begleitet hatte.

Hinter der Global Derivative Trading steht der Derivate-Händler Thorsten Wagner, der schon seit mehr als einem Jahrzehnt von Heuking-Partner Kuthe beraten wird. In strafrechtlicher Hinsicht wird Wagner, der sich seit vergangenem Jahr mit Ermittlungen im Cum-Ex-Komplex konfrontiert sieht, nach JUVE-Informationen von Heuking-Partner Dr. André Szesny vertreten.

Die Heidelberger Balaton bearbeitet die meisten Themen mit Inhouse-Ressourcen. Für aktienrechtliche Prozesse zieht Flick in der Regel Prof. Dr. Klaus Steiner hinzu, einen Einzelanwalt mit Sitz am Wörthsee. Zudem greift er gelegentlich im Kapitalmarktrecht auf KWM Europe zurück. (Sonja Behrens)

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