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28.09.2020

Camping-IPO: Knaus Tabbert geht mit Hengeler und Hogan Lovells an die Börse

Der Wohnmobilhersteller Knaus Tabbert ist nun an der Frankfurter Börse notiert. Das Unternehmen aus dem Portfolio der niederländischen Beteiligungsgesellschaft HTP hatte die US-Investmentbank Jefferies International als Koordinatorin des Emissionskonsortiums an der Seite sowie die ABN Amro und die UniCredit Bank. 232 Millionen Euro wurden mit der Erstemission erzielt.

Reinhold Ernst

Reinhold Ernst

Die Aktien von Knaus Tabbert werden im Regulierten Markt der Frankfurter Wertpapierbörse gehandelt. Das Angebot umfasste insgesamt 4 Millionen Aktien, von denen 350.000 neue Aktien aus der Kapitalerhöhung der Gesellschaft sowie 3.128.261 Aktien aus dem Bestand von Altaktionären stammten. Darüber hinaus wurden den Investoren zusätzliche Aktien aus einem Wertpapierdarlehen zugeteilt.

Der endgültige Emissionspreis lag bei 58 Euro. Das gesamte Angebotsvolumen umfasste ungefähr 232 Millionen Euro, was bezogen auf den Emissionspreis einer Marktkapitalisierung der Knaus Tabbert von insgesamt 602 Millionen Euro entspricht.

Die Wohnmobil-Branche erlebt in der Corona-Krise mit den vielen Reisebeschränkungen einen Boom. Knaus Tabbert hatte sich angesichts dieser Entwicklungen zum Börsengang entschlossen. Die rund 3.000 Mitarbeiter produzierten schon im vergangenen Jahr über 26.000 Freizeitmobile. Mit den Marken Knaus Tabbert, T@B, Weinsberg, Morelo und der Vermietplattform Rent and Travel erzielte das Unternehmen mit Hauptsitz im niederbayerischen Jandelsbrunn 2019 einen Umsatz von über 780 Millionen Euro. 

HTP, die Knaus Tabbert 2009 aus der Insolvenz übernommen hatte, wird nach dem Börsengang zusammen mit Vorstandschef Wolfgang Speck noch 61,5 Prozent der Knaus-Tabbert-Anteile halten, der Streubesitz liegt dann bei 38,5 Prozent. Ursprünglich hatten die Niederländer bis zu 48 Prozent der Anteile abgeben und mit der Platzierung insgesamt bis zu 366 Millionen Euro erlösen wollen. Durch die jetzige Kapitalerhöhung fließen dem Hersteller schon mal 20,3 Millionen zu. Sie sollen in den Ausbau der Produktion gesteckt werden.

Berater Knaus Tabbert
Hengeler Mueller (Düsseldorf): Dr. Reinhold Ernst, Dr. Dirk Busch (beide Federführung; beide Bank- und Finanzrecht); Dr. Oliver Rieckers; Dr. Matthias Cloppenburg (beide Corporate); Associates: Caspar Haarmann, Daniela Klar, Dr. Matthias Marz, Sahar Said, Dr. Ingo Berner (alle Bank- und Finanzrecht; Berlin), Dr. Christopher Lutz (Corporate)
Cravath Swaine & Moore (London): Philip Boeckman; Associate: Brian Bodensteiner (beide US-Recht)
Inhouse Recht (Jandelsbrunn): Klaus Würzinger (Chief Legal & Compliance Officer)

Michael Schlitt

Michael Schlitt

Berater Jefferies International
Hogan Lovells (Frankfurt): Prof. Dr. Michael Schlitt (Federführung; Bank- und Finanzrecht), Dr. Heiko Gemmel (Steuerrecht; Düsseldorf), Scott Lilienthal (Washington), Raj Panasar (London; beide US-Recht); Mark Devlin, Dr. Susanne Ries; Associates: Dr. Timo Lockemann, Christian Schröder (alle Bank- und Finanzrecht), Claire Macpherson (US-Recht; London), Anne-Svenja de Kiff (Steuerrecht; Düsseldorf)
Inhouse Recht: Edward Bibko (General Counsel EMEA and Asia; London), Ingo Scherer (Head of Legal and Compliance German; Frankfurt) − aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Das Hengeler-Team, angeführt von den beiden Kapitalmarktpartnern Ernst und Busch, hat sich bei einem Pitch durchgesetzt. Die Kanzlei, die mit ihren Gesellschaftsrechtlern im Vorfeld des Börsengangs auch die Umwandlung der GmbH in eine AG unterstützte, konnte bereits Branchenkenntnis vorweisen: Hengeler hatte auch Erwin Hymer im Dual Track beraten, bevor der süddeutsche Wettbwerber im Herbst 2018 vom amerikanischen Wohnmobilriesen Thor übernommen wurde.

Mit dem Cravath-Team hat Hengeler bereits mehrfach zusammengearbeitet, so etwa beim Börsengang von Knorr-Bremse im Herbst 2018.

Die niederländische Beteiligungsgesellschaft HTP ist eine langjährige Mandantin der Sozietät Melchers. Diese hatte den Mittelständler auch mit einem Team um Dr. Bodo Vinnen und Steffen Linden unterstützt, als Knaus Tabbert im vergangenen Jahr aufgrund des Mitbestimmungsgesetzes einen Aufsichtsrat einrichtete. Vorsitzende des Aufsichtsrates ist Dr. Esther Hackl, General Counsel der Kreditplattform Auxmoney. Mit Blick auf die IPO-Vorbereitungen wurden die bisherigen Anteilseigner, ebenso wie der Aufsichtsrat, von Hengeler mit beraten. 

Das Hogan Lovells-Team von Kapitalmarktrechtler Schlitt kam nach JUVE-Informationen über eine Direktmandatierung ins Mandat. 

Die Konsortienführererin Jefferies hatte Anfang 2019 in Frankfurt eine Wertpapierlizenz erhalten und kurz darauf Syndikus Scherer von der Unicredit abgeworben. Er amtiert seitdem als Head of Legal and Compliance Germany bei der US-Investmentbank. (Sonja Behrens, Ludger Steckelbach; mit Material von dpa)

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