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17.09.2020

Digitale Spedition: Sennder übernimmt mit Taylor Wessing und Freshfields Ubers Frachtvermittlung

Das Berliner Logistik-Start-up Sennder übernimmt das Frachtgeschäft von Uber mit Sitz in den Niederlanden. An die Übernahme des Geschäfts ist eine Finanzierungsrunde angeschlossen gewesen, über die Uber den Kaufpreis in Sennder reinvestiert. Die Bestandsinvestoren sollen dem Einstieg von Uber Freight und damit auch der Verwässerung ihrer Anteile zugestimmt haben.

Jens Wolf

Jens Wolf

Sennder und Uber Freight vereinbarten außerdem eine transatlantische strategische Zusammenarbeit. Sennder wird Spediteure und Verlader, die Frachtvermittlung oder ähnliche Dienstleistungen in Nordamerika suchen, an Uber Freight verweisen und umgekehrt. Bekannt gegeben hat Sennder, dass die Mitarbeiter von Uber Freight in Amsterdam übernommen werden. Über den Wert der Transaktion gibt es keine offiziellen Angaben. Medienberichten zufolge soll Sennder mit rund 900 Millionen Euro bewertet worden sein.

Sennders Geschäft ist es, gewerbliche Verlader und Spediteure zusammenzubringen. Das Unternehmen arbeitet mit über 10.000 Speditionen zusammen und beschäftigt rund 500 Mitarbeiter. Uber Freight bietet digitale Frachtvermittlung vor allem auch in den USA an, wo das Lkw-Transportgeschäft weniger von Speditionen als von Einzelunternehmern geprägt ist. Der Name Uber Freight verschwindet vom europäischen Markt.

Mit der Übernahme bestätigt Sennder seinen Expansionskurs. Im Juni meldete das Unternehmen die Übernahme ihres französischen Konkurrenten Everoad. Mit der italienischen Post gründete sie ein Joint Venture. Das Berliner Unternehmen plant, seinen Umsatz bis 2024 auf über eine Milliarde Euro zu steigern. Mit Lakestar und Accel gehören namhafte Risikokapitalgeber zu den Investoren der Gesellschaft, die in zwei Finanzierungsrunden bereits über 100 Millionen Euro eingesammelt hat. Weitere Gesellschafter bleiben HV Holtzbrinck Ventures, Project A und Scania.

Berater Sennder
Taylor Wessing (Hamburg): Dr. Jens Wolf (Federführung; M&A/Venture Capital), Dr. Marco Hartmann-Rüppel (Kartellrecht), Dr. Tobias Schelinski (IP/IT), Selma Baouch (Corporate/M&A; Amsterdam), Bart Hunnekens (Arbeitsrecht; Eindhoven), Dr. Christian Gahr (M&A/Venture Capital), Donata von Enzberg (Litigation), Dr. Stefan Horn (Kartellrecht); Associates: Philipp Hoegl (M&A/Venture Capital), Benjamin Stach, Anneliese Hartlaub (beide IP/IT), Dr. László Molnár (M&A/Venture Capital), Roos Seesing (Arbeitsrecht), Alex Korolev (Corporate/M&A; beide Eindhoven)
PricewaterhouseCoopers (Amsterdam): Maarten Arends, Joey Schellingerhout (beide Steuern) 

Lars Meyer

Lars Meyer

Berater Uber Freight
Freshfields Bruckhaus Deringer (London): Sundeep Kapila, Dr. Lars Meyer (Frankfurt; beide Corporate/M&A; beide Federführung), Brechje Nollen (Arbeitsrecht; Amsterdam); Associates: Laura Frühauf (Berlin), Saloua Ouchan (Amsterdam; beide Corporate/M&A) 

Hintergrund: Taylor Wessing berät Sennder bereits seit einigen Jahren bei den Finanzierungsrunden des Start-ups. Das Team um Partner Wolf ist seinerzeit über einen Pitch ins Mandat gekommen und seitdem gesetzt. Auch bei der Übernahme des französischen Konkurrenten Everoad war ein Taylor Wessing-Team für das Berliner Start-up im Mandat. Der Mehrheitsgesellschafter von Everoad, Earlybird, ließ sich von BMH Bräutigam & Partner beraten.

Uber Freight setzte beim Verkauf des Europageschäfts auf Freshfields. Das Team wurde dem Vernehmen nach vom Londoner Partner Kapila und vom Frankfurter Partner Meyer angeführt. Nach JUVE-Informationen setzt Uber auch bei seinen Plänen, das Personenbeförderungsgeschäft in Deutschland an den Markt zu bringen, auf Freshfields.

Die Bestandsinvestoren von Sennder haben sich zum Einstieg von Uber dem Vernehmen nach nicht extern beraten lassen. In den vorangegangenen Finanzierungsrunden setzte Lakestar nach JUVE-Informationen auf Clifford Chance mit Partner Frederik Mühl, Accel auf Hengeler Mueller mit Partner Dr. Jens Wenzel, Project A ließ sich von Dr. Peter Möllmann beraten, der die von ihm mitgegründete Kanzlei Schnittker Möllmann Partners mittlerweile in seine eigene Kanzlei PXR Legal verlassen hat, und Next 47 ging mit Reed Smith-Partner Justus Binder in die Verhandlungen. (Martin Ströder)

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