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10.09.2020

IPO: Rüstungskonzern Hensoldt plant Börsengang mit Hengeler und Freshfields

Der Rüstungskonzern Hensoldt will an die Börse gehen. Geplant ist eine Erstnotiz im Prime Standard an der Frankfurter Börse. Der Börsengang soll bis Ende des Jahres 2020 abgeschlossen sein, teilte das Unternehmen mit.

Christian Schwandtner

Christian Schwandtner

Der Münchner Rüstungskonzern Hensoldt plant, bestehende sowie neue Aktien aus einer Kapitalerhöhung an der Börse zu platzieren. Mit dem Geld aus dem Börsengang will das Unternehmen unter anderem seinen Wachstumskurs fortsetzen und die Bilanz stärken. Wie viele Aktien platziert werden sollen, teilte Hensoldt nicht mit. Auch zur angepeilten Preisspanne und der möglichen künftigen Anteilseignerstruktur machte der Konzern auf Nachfrage zunächst keine Angaben. 

Hensoldt ist mit einem Umsatz von rund 1,1 Milliarden Euro im letzten Jahr und mit über 5400 Mitarbeitern weltweit im Bereich der Rüstungselektronik unter anderem in der Radar- und Sensortechnik tätig. Das Unternehmen gehört bislang dem Finanzinvestor KKR. KKR hatte dem Flugzeugbauer Airbus 2017 dessen Rüstungselektronik-Sparte abgekauft und dabei auch mit der Bundesregierung verhandeln müssen, die auch zum anstehenden IPO wieder beteiligt war.

Insidern zufolge strebt KKR eine Bewertung von bis zu 3 Milliarden Euro an, Investoren könnten durch den Börsengang zwischen 20 und 30 Prozent der Hensoldt-Anteile angeboten werden. Begleitet wird der IPO laut Marktinformationen federführend von KKR Capital Markets, der Bank of America, JPMorgan und der Deutschen Bank. Mit dem nun offiziell angekündigten Börsengang ist Hensoldt das erste größere Unternehmen in Deutschland, das sich in der Pandemie aufs Parkett wagt. 

Solms Wittig

Solms Wittig

Im Vergleich zu 2019 ist das bisherige Volumen der Börsengänge in Deutschland um rund zwei Drittel eingebrochen. Mittlerweile haben sich die Märkte vom Corona-Crash aber wieder erholt, das Umfeld für Börsengänge wird langsam wieder günstiger. Kürzlich kündigte daher auch der Wohnwagen- und Reisemobil-Hersteller Knaus Tabbert seinen Börsengang an und auch der Online-Gebrauchtwagenmarktplatz Auto1 soll gerade seinen Börsengang vorbereiten.

Berater Hensoldt/KKR
Hengeler Mueller (Düsseldorf): Dr. Christian Schwandtner (Corporate/M&A), Dr. Dirk Busch (Kapitalmarktrecht; beide Federführung), Dr. Dirk Uwer (Öffentliches Recht), Dr. Martin Ulbrich (M&A), Heinrich Knepper (Bank- und Finanzrecht; Frankfurt), Dr. Georg Seyfarth, Dr. Oliver Rieckers (beide Corporate), Hendrik Bockenheimer (Arbeitsrecht; Frankfurt), Dr. Alf-Henrik Bischke (Kartellrecht), Dr. Matthias Cloppenburg (Corporate); Associates: Dr. Oda Christiane Goetzke, Dr. Katharina Hesse, Dr. Radmila Petrovic (alle Corporate/M&A), Dr. Ingo Berner (Berlin), Caspar Haarmann, Dr. Matthias Marz, Eleni Melliou (alle Kapitalmarktrecht), Dr. Marius Mayer (Steuerrecht), Dr. Sonnhild Draack, Dr. Katharina Gebhardt (beide Arbeitsrecht), Dr. Caspar Conzen, Dr. Johannes Honzen (beide Immobilienrecht; alle Frankfurt), Dr. Johannes Fütterer, Dr. Maximilian Hermans, Dr. Adrian Cavin (alle Corporate/M&A), Dr. Carsten Bormann, Dr. Thomas Ruthemeyer (beide Öffentliches Recht)
Bredin Prat (Paris): Florence Haas (Corporate)
Simpson Thacher & Bartlett (London): Nicholas Shaw, Shahpur Kabraji (Bank- und Kapitalmarktrecht)
Inhouse Recht (Taufkirchen): Solms Wittig (General Counsel), Dr. Carolin Weirauch (Head of Legal Corporate), Claudia Güldner (Senior Legal Counsel Finance), Christian Schmidt (Head of Strategic Business Development/M&A), Christian Ladurner (Head of Group Controlling and Investor Relations)
Inhouse Steuern (Taufkirchen): Matthias Lang (Head of Tax)
KPMG (Frankfurt): Dr. Matthias Hogh (Steuerrecht)

Rick van Aerssen

Rick van Aerssen

Berater Bundesregierung/Bundesministerium der Verteidigung
Taylor Wessing (Berlin): Dr. Ralf Tietz (Federführung), Marc-Oliver Kurth, Dr. Sebastian Klabunde (alle Corporate/Kapitealmarktrecht)

Berater Banken
Freshfields Bruckhaus Deringer: Simone Bono (London), Rick van Aerssen, Christina Zapf (beide Frankfurt; alle Kapitalmarktrecht) – aus dem Markt bekannt
Linklaters: Nick Syson; Associates: Anand Karia (beide London), Przemyslaw Lipin, Matthias Hohmann (Frankfurt; alle Bank- und Finanzrecht) – aus dem Markt bekannt 

Hintergrund: Hensoldt und KKR mandatierten wie schon in der Vergangenheit ein großes Hengeler-Team, dieses Mal mit dem Partner-Duo Schwandtner und Busch an der Spitze. Hengeler gilt als eine der wenigen Kanzleien, die regelmäßig von KKR, Hensoldts bisheriger Mehrheitsgesellschafterin, ins Boot geholt werden. Die Hensoldt-Verbindung stammt aus der Zeit, als KKR die Rüstungselektronik-Sparte von Airbus übernahm. Passend dazu wechselte 2017 Wittig, ehemaliger General Counsel von Linde, zu Hensoldt, auch er kannte Hengeler schon von früher. Gemeinsam brachten sie 2017 den ersten Zukauf von Hensoldt über die Bühne, nämlich die Mehrheitsbeteiligung an EuroAvionics, einem Pforzheimer Navigationstechnikunternehmen für Hubschrauber und Drohnen.

General Counsel Wittig war auch dieses Mal aktiv und steuerte mit seinem Team die Vorbereitung des IPO. Dazu zählte auch das Aufsetzen von Strukturen für eine Umwandlung in eine AG sowie der Aufbau einer kompletten Governance. In Sachen Steuern setzte Hensoldt auf KPMG und die Inhouse-Steuerabteilung.

Ralf Tietz

Ralf Tietz

Die Bundesregierung setzte zur Wahrung ihrer Interessen auf ein Team von Taylor Wessing, das von Salary-Partner Tietz angeführt wurde. Tietz war bereits 2017 beim Kauf der ehemaligen Airbus-Sparte im Beraterteam der Bundesregierung, die sich damals von Herbert Smith Freehills-Partner Dr. Dirk Hamann federführend beraten ließ. Als Herbert Smith Ende 2019 ihren Berliner Standort schloss, eröffnete Hamann für die US-Kanzlei Rimôn in Berlin, Tietz zog es zu Taylor Wessing.

Aus dem Markt ist bekannt, dass auf Bankenseite Freshfields mit dem Frankfurter Kapitalmarktrechtler van Aerssen und der Londoner Partnerin Bono arbeitet. Bono ist Co-Leiterin der Schweizer Ländergruppe bei Freshfields und arbeitet regelmäßig mit van Aerssen zusammen. So begleitete das Duo auch Teamviewer bei seinem Börsengang 2019. Mit KKR Capital Markets als Teil des Bankenkonsortiums besteht eine Verbindung zu früheren KKR-Mandaten von Freshfields. Unter anderem beriet die Kanzlei KKR in ihrer Eigenschaft als Springer-Großaktionären, als sich Springer im April von der Börse zurückzog. (Helena Hauser; mit Material von dpa)

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