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16.09.2020

Risikoanpassung: Tui-Bondholder ringen dem Konzern mit Dentons neue Konditionen ab

Die Milliardenhilfe aus dem zweiten Corona-Hilfspaket für den angeschlagenen Reisekonzern Tui ist gesichert. Die Aufstockung des KfW-Konsortialkredits sowie die Ausgabe einer Wandelanleihe an die Finanzagentur hing bis zuletzt von der Zustimmung der Anleiheinvestoren des Reisekonzerns ab. Dem Ruf einiger Anleihegläubiger, darunter Astaris Capital, nach einer Anpassung der Anleihebedingungen an das veränderte Risikoumfeld stimmte die Tui zu.

Andreas Ziegenhagen

Andreas Ziegenhagen

In den Bedingungen der im kommenden Jahr fälligen Anleihe war festgehalten, dass die zukünftige Finanzverschuldung des Konzerns begrenzt bleiben muss. Allerdings liegt das im August vereinbarte zusätzliche Stabilisierungspaket über der in den Anleihebedingungen festgeschriebenen Begrenzung. Die KfW knüpfte ihre Unterstützung deswegen an die Bedingung, dass die Anleiheinvestoren einer Aussetzung oder Aufhebung dieser Grenze zustimmen.

Dem Antrag der Tui an ihre Anleiheinvestoren begegneten drei von ihnen mit einem deutlich schärferen Gegenantrag, dem der Reisekonzern schließlich zustimmte. Tui nimmt für die Corona-Hilfen des Bundes somit nicht unerhebliche Konditionsänderungen der bis dahin mit 2,125 Prozent verzinsten 300 Millionen Euro-Anleihe in Kauf. Zum Beispiel steigt der Zinssatz der Anleihe ab Oktober auf 9,5 Prozent pro Jahr. Sollte der Reisekonzern weitere Finanzmittel aufnehmen, verpflichtet er sich zudem zur vorzeitigen vollständigen oder teilweisen Rückzahlung der Anleihe.

Tui geht davon aus, dass die Änderung der Anleihebedingungen bis zum Oktober wirksam wird. Dann kann das zusätzliche Krisengeld in Höhe von 1,2 Milliarden Euro fließen, das der Reisekonzern im August mit der KfW, der Finanzagentur und den Banken verhandelt hatte. Zu dem Paket gehört neben dem Konsortialkredit aus dem KfW-Förderprogramm auch eine Corona-Wandelanleihe im Wert von 150 Millionen Euro, die an den Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) begeben wird. Die Wandelanleihe ermöglicht dem Bund den Einstieg als Gesellschafter.

Der Reisekonzern Tui ist coronabedingt tief in die roten Zahlen geschliddert und weist für die vergangenen neun Monate einen Verlust von 2 Milliarden Euro aus. Insgesamt hat Tui über 90 Prozent weniger Umsatz gemacht. Zur weiteren Sicherung der Zukunft des Unternehmens ist eine Kapitalerhöhung von bis zu einer Milliarde Euro im Gespräch. Der russische Oligarch und Tui-Großaktionär Alexej Mordaschow hat Presseberichten zufolge bereits 300 Millionen Euro zugesagt.

Frank Laudenklos

Frank Laudenklos

Berater Astaris/weitere Bondinvestoren
Dentons (Berlin): Andreas Ziegenhagen (Restrukturierung), Oliver Dreher (Kapitalmarktrecht; beide Federführung), Dr. Robert Weber (Corporate), Robert Michels (Kapitalmarktrecht); Associate: Valeria Hoffmann (Corporate)

Bernd Giersberg

Bernd Giersberg

Berater Tui
Freshfields Bruckhaus Deringer (Frankfurt): Dr. Frank Laudenklos (Federführung; Finanzierung), Rick van Aerssen (Corporate/M&A), Dr. Simon Schwarz-Lindenberg, Dr. Christoph Gleske (beide Kapitalmarktrecht), Dr. Lars Westpfahl, Dr. Marvin Knapp (beide Restrukturierung; beide Hamburg), Dr. Andreas von Bonin (Beihilferecht; Brüssel), Dr. Martin Schiessl (Steuerrecht), Mandeep Lotay (Amsterdam), Deborah Janssens, Koen Vanlaer (alle Corporate/M&A; beide Brüssel); Associates: Georg Lübbehüsen, Bernd Delahaye (beide Finanzierung), Anouschka Zagorski (Wien), Dr. Hauke Sattler (Hamburg; beide Corporate/M&A), Jonas Levermann (Beihilferecht; Brüssel), Siegfried Büttner, Jan Reiter, Dr. Ferdinand Cadmus (Hamburg), Dr. Tom Dittmar, Leon Luserke, Christian Paterlini (alle Hamburg), Simon Fitzpatrick (Wien), Wouter van der Veken, Wouter Adriaens (beide Brüssel; alle Corporate/M&A), Dr. Leonard Kirscht, Sebastian Jung (beide Frankfurt)

Berater Finanzagentur
Inhouse Recht (Berlin): Bernd Giersberg (Leiter Recht), Daniela Kracht, Daniel Brieger
Gleiss Lutz (Frankfurt): Dr. Hoimar von Ditfurth (Kapitalmarktrecht), Dr. Eva Reudelhuber (Finanzierung) – aus dem Markt bekannt

Florian Mahler

Florian Mahler

Berater KfW
Inhouse Recht (Frankfurt): Stephan Dulitz, Dr. Klaus Hellermann, Julia Klingen
Clifford Chance (Düsseldorf): Dr. Florian Mahler, Sebastian Maerker (Frankfurt); Associate: Pamela Horn (alle Finanzierung)

Berater Banken
Latham & Watkins (Frankfurt): Sibylle Münch (Federführung); Associates: Kate Zhu, Ralph Dräger, Dilek Bektas (alle Finanzierung)

Sibylle Münch

Sibylle Münch

Hintergrund: Dentons-Partner Ziegenhagen und Dreher sind über die Investmentbank Houlihan Lokey mit den Bondholdern in Kontakt gekommen. Die Änderung von Anleihebedingungen ist eine Restrukturierungsmaßnahme, weswegen Dentons-Partner Ziegenhagen unter anderem auch mit den Freshfields-Restrukturierern auf der Seite von Tui verhandelt hat. Zum Kernteam von Freshfields gehörte wie bereits im April Finanzierungspartner Laudenklos, der neben den Anleihegläubigern auch mit der Finanzagentur, der KfW und den Banken verhandelt hat.

Bei der Finanzagentur führt der Chefsyndikus Giersberg die noch laufenden Verhandlungen um die Konditionen des möglichen Einstiegs des Bundes. Die Agentur hatte sich rund um das Eigenkapitalinvestment des Bundes bei der Lufthansa von Hogan Lovells beraten lassen. Zum Einstieg bei Tui greift sie auf ein Team von Gleiss Lutz zurück.

Die Banken beriet Latham-Partnerin Münch zu der Aufstockung des Konsortialkredits. Die KfW setzte dieses Mal auch auf ein Düsseldorfer Team von Clifford Chance um Partner Mahler. Inhouse wurde das Team von ehemaligen Großkanzleianwälten unterstützt. Dulitz war vor seinem Engagement bei der KfW Associate bei Milbank, Kellermann bei Hengeler Mueller und Klingen bei Clifford Chance. (Martin Ströder, Sonja Behrens)

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