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01.12.2020

MDax-Konzern im Visier: GlobalWafers will mithilfe von Linklaters Siltronic übernehmen

Der Halbleiterkonzern Siltronic soll vom taiwanischen Konkurrenten GlobalWafers übernommen werden. Die Gespräche über eine Offerte der Taiwaner in Höhe von 125 Euro je Aktie stehen kurz vor dem Abschluss, wie die Beteiligung von Wacker Chemie mitteilte. Bei diesem Preis wird Siltronic mit 3,75 Milliarden Euro bewertet und damit deutlich höher als zuletzt an der Börse.

Stephan Oppenhoff

Stephan Oppenhoff

Mit dem Zusammenschluss soll ein führender Player in der Waferindustrie entstehen, die hauchdünne Platten für die Mikroelektronik, Photovoltaik und Halbleitersysteme herstellt. Auf Basis der Zahlen für 2019 würden es beide Unternehmen zusammen auf einen Umsatz von rund drei Milliarden Euro bringen: GlobalWafers, die in Taiwan an der Börse notiert ist, verdient rund 2 Milliarden Dollar, Siltronic erreichte zuletzt einen Umsatz in Höhe von rund 1,3 Milliarden Euro. Standortschließungen oder betriebsbedingte Kündigungen in Deutschland seien bis Ende 2024 ausgeschlossen, heißt es in einer Pressemitteilung.

Der genannte Preis von 125 Euro entspreche einer Prämie von 48 Prozent gegenüber dem volumengewichteten Durchschnittskurs der letzten 90 Tage, hieß es weiter von Siltronic. In den vergangenen Tagen hatten die im MDax notierten Aktien allerdings kräftig zugelegt: Ende vergangener Woche hatten sie mit 113,55 Euro geschlossen und damit auf dem höchsten Niveau seit rund zwei Jahren. Zusätzlich sollen die Aktionäre – voraussichtlich noch vor Abschluss der Transaktion – für 2020 eine Dividende in Höhe von circa 2 Euro je Aktie erhalten.

Der Großaktionär Wacker Chemie hält die Konditionen für „attraktiv und angemessen“ und steht kurz vor dem Verkauf seiner Anteile. Die Münchner würden für die verbliebenen Anteile an ihrer ehemaligen Tochter, die sie 2015 an die Börse gebracht hatten und an der sie derzeit noch knapp 31 Prozent halten, dann knapp 1,2 Milliarden Euro erhalten. Dazu wird derzeit die verbindliche Andienungsvereinbarung ausgehandelt.

Tilman Kuhn

Tilman Kuhn

Berater GlobalWafers
Linklaters (Frankfurt): Stephan Oppenhoff (Federführung; Corporate/M&A), Nathalie Hobbs (Bankrecht; Hongkong), Thilo Zimmermann; Associates: Adriana von Hardenberg, Philipp Oehlerking (alle Corporate/M&A), Prezemyslaw Lipin (Bankrecht) − aus dem Markt bekannt 
White & Case (Düsseldorf): Dr. Tilman Kuhn (Kartellrecht/Außenwirtschaftsrecht), Noah Brumfield, Anna Kertesz, Tamer Nagy (alle Kartellrecht), Karalyn Mildorf, Farhad Jalinous (beide Außenwirtschaftsrecht; alle fünf Washington); Associates: Thilo-Maximilian Wienke, Cristina Caroppo, Lisa Bär, Nicholas Putz (Washington; alle Kartellrecht) − aus dem Markt bekannt 

Simon Link

Simon Link

Berater Siltronic
Hengeler Mueller (München): Dr. Simon Link (Federführung; Corporate/Kapitalmarktrecht), Dr. Markus Röhrig (Kartellrecht; Brüssel), Dr. Jan Bonhage (Außenwirtschaftsrecht; Berlin), Dr. Daniela Böning (Finanzierung; Frankfurt); Associates: Dr. Daniel Illhardt, Johannes Ahlswede, Dr. Svitlana Gapalo (alle Corporate/Kapitalmarktrecht), Dr. Anton Petrov (Außenwirtschaftsrecht; Berlin), Dr. Lukas Ritzenhoff (Kartellrecht; Brüssel)
Inhouse Recht (München): Dr. Florens Sauerbruch (General Counsel und Chief Compliance Officer) , Marion Schuster  (Senior Legal Counsel) − aus dem Markt bekannt

Berater Wacker Chemie
Freshfields Bruckhaus Deringer (München): Dr. Kai Hasselbach (Federführung), Dr. Barbara Keil (beide M&A), Dr. Frank Montag (Kartellrecht; Brüssel), Christine Laciak (Außenwirtschaftsrecht; Washington); Associates: Simon Stepper, Lukas Pirnay (beide M&A)
Inhouse Recht (München): Alexandra Rullen (General Counsel) − aus dem Markt bekannt

Berater DBS Bank
Baker & McKenzie (Frankfurt): Manuel Lorenz (Kapitalmarktrecht; Federführung), Dr. Oliver Socher, Matthew Cox (London; beide Bank -und Finanzrecht)  – aus dem Markt bekannt

Kai Hasselbach

Kai Hasselbach

Hintergrund: GlobalWafers lässt sich nach JUVE-Recherchen in den Verhandlungen zum Business Combination Agreement und bei der Vorbereitung des öffentlichen Übernahmeangebots von einem Linklaters-Team um Corporate-Partner Oppenhoff unterstützen. Oppenhoff hatte zuletzt beispielsweise auch die öffentliche Übernahme von Osram durch den österreichischen Strategen AMS gesteuert.

White & Case klärt dem Vernehmen nach kartell – und außenwirtschaftliche Themen, die ein Zusammenschluss mit sich bringen könnte. Die US-Kanzlei wurde schon zuvor bei internationalen Transaktionen des taiwaneischen Unternehmens mandatiert.

Die DBS Bank aus Singapur, welche die Akquisitionsfinanzierung bereitstellen würde, hat Baker McKenzie hinzuzogen, die in der asiatischen Metropole im gleichen Hochhausgebäude ihre Büros hat.

Das eingespielte Inhouse-Team von Wacker Chemie wird seit 2016 von General Counsel Rullen geführt. Vor ihrem Wechsel auf die Unternehmensseite hatte Rullen in der M&A-Praxis von Hengeler gearbeitet und erledigt daher kleinere Transaktionen des börsennotierten Familienunternehmens auch mit ihrem eigenen Stab.

In der aktuellen Transaktion setzt Wacker auf ein Freshfields-Team um den Münchner Partner Hasselbach. Die Kanzlei unterstützt ihre Mandantin in übernahme- und  kapitalmarktrechtlicher Hinsicht bei den Vorbereitungen zum Aktienpaketverkauf. Die Mandatsbeziehung besteht schon langjährig, Freshfields hatte die Muttergesellschaft auch beim Börsengang von Siltronic vor fünf Jahren beraten.

Siltronic selbst mandatierte in dem möglichen Übernahmeprozess laut Marktinformationen ein Hengeler-Team um den Münchner Partner Link. Die Großkanzlei hatte das Unternehmen schon 2004 bei den ersten Überlegungen zu einem Börsengang beraten und verhandelte mit ihm 2006 eine Joint-Venture-Vereinbarung mit Samsung. Leiter des Siltronic-Rechtsteams ist seit 2016 General Counsel Sauerbruch. Zuvor hatte der Corporate-Spezialist bei Siemens gearbeitet, die ebenfalls eine langjährige Hengeler-Mandantin ist. 

Ob die Aufsichtsräte von Wacker Chemie sowie von Siltronic jeweils separate anwaltliche Berater mandatiert haben, ist derzeit noch nicht bekannt. Wacker teilte allerdings mit, dass ihre Angebotsannahme noch vom Beschluss des Aufsichtsgremiums abhänge, welches voraussichtlich in der zweiten Dezemberwoche tagen wird. Einen ähnlichen Zeitplan hat das Käufer-Pendant, das Board von GlobalWafers. (Sonja Behrens; mit Material von dpa)

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