Artikel drucken
04.12.2020

Überwinterung gesichert: Viele Kanzleien und Inhouse-Juristen helfen Tui bei Stabilisierungsprojekt

Der Tui-Konzern bekommt weitere Staatshilfen gegen einen möglichen finanziellen Absturz in der Corona-Krise. Der weltgrößte Reiseanbieter hat mitgeteilt, dass er sich mit dem Bund sowie privaten Investoren und Banken auf ein Finanzierungspaket im Gesamtvolumen von 1,8 Milliarden Euro geeinigt hat.

Bernd Giersberg

Bernd Giersberg

Das Paket sieht laut Tui konkret eine Kapitalerhöhung über rund 500 Millionen Euro vor. Die neuen Aktien der in London, Frankfurt und Hannover gelisteten Tui übernimmt neben einem Bankenkonsortium überwiegend auch die Tui-Großaktionärin Unifirm Limited, die von der russischen Milliardärsfamilie Mordaschow kontrolliert wird. Die mit knapp 25 Prozent investierte Familie hat auch die darüber hinausgehenden Instrumente des Rettungspakets begrüßt.

Dessen Kernstück ist eine in Aktien der Tui wandelbare stille Einlage des staatlichen Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) in Höhe von 420 Millionen Euro und eine nicht wandelbare stille Einlage in Höhe von 280 Millionen Euro. Die EU-Kommission muss zudem noch prüfen, ob es sich bei den stillen Einlagen um eine zulässige staatliche Beihilfe handelt. Außerdem macht die Wandeloption der stillen Einlage eine präventive Fusionskontrolle notwendig.

Sollte die Einlage in Aktien gewandelt werden, kann der Wirtschaftsstabilisierungsfonds eine Staatsbeteiligung von maximal 25 Prozent plus eine Stimme übernehmen, womit dem Bund ein Vetorecht auf der Hauptversammlung zustünde. Die stillen Einlagen durch den WSF seien mit weiteren Einschränkungen verbunden, unter anderem hinsichtlich Investitionen in andere Unternehmen, solange der WSF investiert bleibe.

Frank Laudenklos

Frank Laudenklos

KfW gewährt weiteren Kredit

Neben den Eigenkapitalinstrumenten soll Tui einen vom Land Niedersachsen garantierten Kredit über 400 Millionen Euro oder alternativ eine entsprechende Erhöhung der nicht wandelbaren stillen Einlage des WSF erhalten. Die Staatsbank KfW wird zudem einen weiteren Kredit über 200 Millionen Euro zum Paket beisteuern. Eine bestehende Kreditlinie der KfW wird bis Juli 2022 verlängert.

Tui war im Frühjahr als erstes deutsches Großunternehmen von der staatlichen Förderbank KfW mit einem Darlehen über 1,8 Milliarden Euro unterstützt worden. Im Sommer kam ein weiteres Stabilisierungspaket über 1,2 Milliarden hinzu, an dem sich neben der KfW erstmals auch der WSF über eine Wandelanleihe im Wert von 150 Millionen Euro beteiligte. Insgesamt hat Tui coronabedingt Mittel in Höhe von 4,8 Milliarden Euro aufgenommen.

Der Tui-Konzern ist trotz eines laufenden Sparkurses und des Abbaus Tausender Stellen angeschlagen. Seit August machte der Konzern 2,8 Milliarden Euro Verlust. Auch das frische Geld dürfte ihm nur für relativ kurze Zeit die Zahlungsfähigkeit sichern. Tui ist allerdings nicht der einzige Reisekonzern, der Schwierigkeiten hat und auf Staatshilfe setzt: Neben Lufthansa und Tui wird seit November auch der Reisekonkurrent FTI öffentlich gestützt.

Harald Selzner

Harald Selzner

Berater Finanzagentur/Wirtschaftsstabilisierungsfonds
Inhouse Recht (Frankfurt): Bernd Giersberg (Bereichsleiter Recht und Privatkundengeschäft), Daniela Kracht (Bereich Recht & Privatkundengeschäft)
Noerr (Düsseldorf): Dr. Harald Selzner, Rainer Wilke (gemeinsame Federführung), Dr. Benedikt Vogt (alle Corporate/M&A), Dr. Laurenz Wieneke, Dr. Julian Schulze De la Cruz (beide Kapitalmarktrecht), Dr. Martin Haisch (Steuerrecht; beide Frankfurt), Dr. Jens Schmidt (Brüssel), Sarah Blazek (München; beide Kartellrecht); Associates: Hannah Besting, Martin Dopychai (beide Corporate/M&A), Philipp Studt-Tartarotti (Kartellrecht; Brüssel), Dr. Philip Schmoll, Thomas Thies (beide Kapitalmarktrecht; beide Frankfurt)

Berater KfW
Inhouse Recht (Frankfurt): Stephan Dulitz, Dr. Klaus Hellermann, Julia Klingen – aus dem Markt bekannt
Clifford Chance (Düsseldorf): Dr. Florian Mahler – aus dem Markt bekannt

Hilka Schneider

Hilka Schneider

Berater Tui
Inhouse Recht
(Hannover): Dr. Hilka Schneider (General Counsel), Marcus Beger, Mark Hoepfner
Freshfields Bruckhaus Deringer (Frankfurt): Dr. Frank Laudenklos (Federführung; Finanzierung), Dr. Lars Westpfahl (Restrukturierung), Rick van Aerssen, Dr. Simon Schwarz, Dr. Kai Hasselbach (München; alle Corporate/M&A), Dr. Andreas von Bonin (Beihilferecht; Brüssel), Christina Zapf (Corporate/M&A); Associates: Georg Lübbehüsen, Bernd Delahaye, Dr. Ferdinand Cadmus (alle Finanzierung), Jörg-Peter Kraack (Hamburg), Dr. Max Alles, Simon Stepper (beide München; alle Corporate/M&A), Susanna Brintrup, Jonas Levermann (beide Kartellrecht; beide Brüssel)
Hogan Lovells: Prof. Dr. Michael Schlitt (Federführung; Kapitalmarktrecht; Frankfurt), Raj Panasar, Jonathan Baird, Maegan Morrison, Philip Harle (alle Bank- und Finanzrecht; alle London), Dr. Tim Brandi (Corporate; Frankfurt), Falk Schöning (Regulierung; Brüssel) Heiko Gemmel (Steuern; Düsseldorf), Prof. Dr. Thomas Dünchheim (Regulierung; Düsseldorf), Scott Lilienthal (Steuern; Washington), Mark Devlin, Dr. Susanne Ries (beide Kapitalmarktrecht; beide Frankfurt), Adam Parry (Bank- und Finanzrecht; London); Associates: Christian Schroeder, Simona Gradizek, Dr. Timo Lockemann, Eva Sommer (alle Kapitalmarktrecht; alle Frankfurt), Mandy Ching, Catherine Lah (beide Bank- und Finanzrecht; beide London), Stefan Kirwitzke (Regulierung; Brüssel), Anne DeKiff (Steuern), Dr. Sebastian Gräler, Katherina Jung (beide Regulierung; alle Düsseldorf)
Allen & Overy: Dr. Helge Schäfer (Hamburg), Dr. Hans Diekmann (Düsseldorf), Dr. Jonas Wittgens (Hamburg; alle Federführung), Stephen Mathews, Michael Bloch, Lee Noyek, Derrick James, Jeff Hendrickson (alle London); Associates: Dorothée Kupiek, Dr. Jana Mansen (beide Düsseldorf), Dr. Jan-Benedikt Fischer (Hamburg), Will Johnson, Natasha Dutton (alle Corporate/M&A), Isidora Parga (Kapitalmarktrecht; alle drei London)

Berater Bankenkonsortium
Latham & Watkins (Frankfurt): Dr. Oliver Seiler, James Inness (London; beide Federführung; beide Kapitalmarktrecht), Rob Moulton, Nicola Higgs (Regulierung; London), Yoseph Choi; Associates: Dr. Camilla Kehler-Weiß (Federführung), Sean Meehan (London), Isabel Willius (alle Kapitalmarktrecht) – für Kapitalerhöhung
Latham & Watkins (Frankfurt):  Alexandra Hagelüken, Cora Grannemann (beide Finanzrecht) – für KfW-Konsortialkredit – aus dem Markt bekannt 
Inhouse Recht (Frankfurt; Deutsche Bank): Dr. Andreas Meyer (Associate General Counsel) – aus dem Markt bekannt

Berater Unifirm
Clifford Chance: Dr. Markus Stephanblome (Frankfurt), Lee Coney (London; beide Corporate), Dr. Philipp Klöckner (Frankfurt), Simon Thomas (London; beide Kapitalmarktrecht), Marc Besen (Kartellrecht/Außenwirtschaftsrecht; Düsseldorf), Dr. Dominik Heß (Corporate), Dr. Cristina Weidner (Restrukturierung; beide Frankfurt), Dr. Dimitri Slobodenjuk (Kartellrecht/Außenwirtschaftsrecht; Düsseldorf); Associates: James Koessler (Kapitalmarktrecht; London), Dr. Ulrich Pfeffer (Kartellrecht/Außenwirtschaftsrecht; Düsseldorf), Natalie Hemberger, Dr. Nadine Fell (beide Corporate/M&A)

Michael Schlitt

Michael Schlitt

Hintergrund: Der WSF arbeitet zur Rettung der Tui mit Noerr zusammen. Dr. Laurenz Wieneke und sein Frankfurter Team gehören zu den regelmäßigen Beratern der Finanzagentur im Kontext der Corona-Hilfen. Überraschend ist allerdings, dass Chefjurist Giesberg nicht die Zusammenarbeit mit Gleiss Lutz fortsetzte, die sie bei den vorangegangenen Hilfen für Tui begleitete. Gleiss hat Tui in der Vergangenheit mehrfach beraten.

Giesberg, der wie immer eng eingebunden ist, mandatierte das Noerr-Team um die Partner Selzner und Wilke, als es gerade von Latham zu Noerr gewechselt war.

Das Team um Giersberg ist zuletzt auf insgesamt neun Juristen gewachsen. Hinzugekommen sind Dr. Georg Rützel, ehemaliger General Counsel von General Electrics in Deutschland, der bereits im September bei der Finanzagentur begonnen hat, und Dr. Florian Hassner, der bis Dezember bei Hengeler Mueller in Düsseldorf Associate war.

Oliver Seiler

Oliver Seiler

Bei der Tui und damit auf der anderen Seite des Verhandlungstischs unterstützt weiterhin das Inhouse-Team um General Counsel Schneider das komplexe Rettungsprojekt. Externe Hilfe erhielt sie wie zuletzt unter anderem von Freshfields-Partner Laudenklos und seinem Team. Neben den Verhandlungen mit dem WSF ist Laudenklos auch für die Verhandlungen zum KfW-Kredit sowie dem von Niedersachsen garantierten Kredit zuständig.

Internationale Beziehungen am Kapitalmarkt

Die Kapitalerhöhung verantwortet auf der Seite von Tui Hogan Lovells mit einem großen Team um Partner Schlitt. Auch Hogan Lovells begleitet den Konzern im Kapitalmarktrecht seit einigen Jahren. Neben Hogan Lovells war Allen & Overy für den englischrechtlichen Teil der Kapitalerhöhung zuständig. Zu ihren Aufgaben gehört insbesondere auch die Genehmigung der Financial Conduct Authority (FCA). Die FCA selbst arbeitet dabei mit Banken zusammen, die sich auch aus Haftungsgründen von einem Latham-Team beraten lassen. Latham unterstützt außerdem die Banken, die einen Teil der neuen Aktien aufkaufen, um sie dann an den Markt weiterzureichen. Zudem berät die US-Kanzlei mit einem Team um Partnerin Hagelüken nach JUVE-Informationen die kommerziellen Banken zu dem gewährten 200 Millionen-Darlehen. 

Rainer Krause

Rainer Krause

Allen & Overy unterstützt seit dem Zusammenschluss von Tui und Tui Travel, aus der die Notierung an der Londoner Börse entstanden ist, das Tui-Inhouse-Team auch zur Vorbereitung der Hauptversammlung. Die Hauptversammlung des Reisekonzerns selbst wird jedoch seit vielen Jahren von Hengeler Mueller-Partner Dr. Rainer Krause begleitet. Auf Anfrage teilt Tui mit, dass Krause auch in Zukunft weiterhin die Gesellschaft und den Vorstand zu komplexen gesellschafts- und insbesondere aktienrechtlichen Themen beraten wird. Die gewichtige Rolle Freshfields bei der Stabilisierung der Tui wird allerdings die Hauptversammlungsberatung insgesamt nicht unberührt lassen.

Die KfW setzt zur Verlängerung der bestehenden Darlehen und auch im Zusammenhang mit der neuen Kreditlinie auf ihre Inhouse-Leute und Clifford-Partner Mahler. Aus der großen Inhouse-Truppe der KfW hat im Tui-Projekt der Ökonom Dr. Wolfgang Richter die Steuerung übernommen, der auch bereits bei der Lufthansa-Rettung dabei war. (Martin Ströder, Ludger Steckelbach; mit Material von dpa)

Wir haben die Meldung im Januar 2021 ergänzt.

  • Teilen