Artikel drucken
17.02.2021

Fintech-Fusion: Smava übernimmt mit GLNS Finanzcheck

Das Konsumentenkredit-Portal Smava will seinen Konkurrenten FFG Finanzcheck übernehmen. Verkäufer von Finanzcheck – nicht zu verwechseln mit Check24 – ist Speedster Bidco, die zum Finanzinvestor Hellman & Friedman gehört. Finanzkreisen zufolge beläuft sich der Kaufpreis auf rund 200 Millionen Euro.

Georg Lindner

Georg Lindner

Finanziert wird der Kauf, der bis Ende des ersten Quartals abgeschlossen sein soll, von Smavas Bestandsinvestoren wie Earlybird Venture Capital, Kreos Capital, Runa Capital, Verdane Capital und Vitruvian Partners. Zudem wurde mit Proventus Capital ein neuer Geldgeber gefunden. Speedster Bidco erhält zudem im Zuge der Übernahme einen Minderheitsanteil an Smava. Das Unternehmen hatte 2019 auch einmal mit einem Börsengang geliebäugelt, dann die Pläne aber nicht weiter verfolgt.

Bei dem Zusammenschluss soll die Marke Finanzcheck beibehalten werden. Zudem soll der Standort Hamburg erhalten bleiben. Welche Folgen die Fusion für das Personal hat, ist noch offen. Smava beschäftigte zuletzt rund 600 Mitarbeiter, Finanzcheck kam auf zirka 300. Die beiden Unternehmen vermittelten im vergangenen Jahr Kredite im Volumen von 4 Milliarden Euro, wobei rund 65 Prozent auf Smava entfielen. Beide sind den Angaben zufolge zuletzt gewachsen und konnten dabei ihre Marktanteile ausbauen.

Finanzcheck wurde 2011 in Hamburg gegründet und hatte in den vergangenen knapp drei Jahren bereits zweimal den Eigentümer gewechselt. Zuerst wurde das Portal im Sommer 2018 von Scout24 für 285 Millionen Euro gekauft. Das im MDax notierte Unternehmen reichte es allerdings Ende 2019 zusammen mit AutoScout24 für insgesamt 2,9 Milliarden Euro weiter. Hellman & Friedman waren zuvor mit dem Versuch gescheitert, Scout24 komplett zu übernehmen.

Arend von Riegen

Arend von Riegen

Berater Smava
GLNS (München): Georg Lindner (Federführung), Dr. Reinhard Ege (beide Corporate/M&A/Tax), Dr. Daniel Epe (Corporate/M&A), Dr. Anselm Lenhard (Finanzierung), Dr. Veronika Montes, Ferdinand von Spreti; Associate: Sebastian Lahner (alle drei Corporate/M&A)
Ampersand
(München): Dr. Thomas Schafft (IP/IT)
Staudacher Annuß (München): Ingo Sappa; Associate: Aurel Staller (beide Arbeitsrecht)
Buntscheck (München): Dr. Andreas Boos (Kartellrecht)
Sixtus & Partner (Berlin): Christopher Sixtus (Immobilienrecht)
Annerton (Frankfurt): Dr. Anna Izzo-Wagner, Alireza Siadat; Associate: Till Otto (alle Regulierung)
Hyazinth (Berlin): Dr. Maximilian Murawo (Corporate/M&A)

Berater Speedster Bidco/Hellmann & Friedman
Freshfields Bruckhaus Deringer (Frankfurt): Dr. Arend von Riegen (Corporate), Dr. Michael Josenhans (Finanzierung; Dr. Norbert Schneider (Steuerrecht; Düsseldorf), Thomas Wessely (Kartellrecht; Brüssel), Nina Heym (Finanzierung), Moritz Heidbuechel (Immobilienrecht; München); Associates: Dr. Steffen Kleefass (Hamburg), Dr. Anna Dominke, Dr. Jan Hermsen, Panagiota Kavvada (beide Hamburg; alle Corporate), Dr. Frank Schaer, Judith Römer (beide Arbeitsrecht), Dr. Philipp Lehman, Dr. Philipp Dohnke (Hamburg; beide Corporate), Dr. Christoph Werkmeister (Düsseldorf; Litigation), Björn Junior, Thomas Richter (beide Steuerrecht; beide Düsseldorf), Vanessa van Weelden (Kartellrecht; Brüssel)

Stefan Gottgetreu

Stefan Gottgetreu

Berater Kreos Capital/Proventus
Bird & Bird: Dr. Stefan Gottgetreu (Düsseldorf), Struan Penwarden, Jenny Stockford (beide London; alle Venture Capital), Dr. Ole Brühl (Corporate); Associates: Katrin Bunte (Venture Capital; Düsseldorf), Mark Penwarden (Corporate; London), Florian Keßenich (Corporate/Arbeitsrecht; Hamburg)

Berater Verdane Capital
White & Case (Hamburg): Dr. Matthias Kiesewetter, Matthias Bochum (beide Venture Capital) – aus dem Markt bekannt

Berater Vitruvian Partners
Orrick Herrington & Sutcliffe (München): Dr. Thomas Schmid (Federführung; M&A), Dr. Timo Holzborn (Bank-, Finanz- und Kapitalmarktrecht), Olexiy Oleshchuk (Bank-, Finanz- und Kapitalmarktrecht); Associate: Verena Schwarz (M&A)

Hubertus Leo

Hubertus Leo

Berater FFG-Geschäftsführung
Leo Schmidt-Hollburg Witte & Frank (Hamburg): Hubertus Leo; Associate: Dr. David John (beide M&A)

Notar
Notare am Alstertor (Hamburg): Dr. Michael von Hinden – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: GLNS berät Smava schon seit Längerem, unter anderem auch gesellschaftsrechtlich in Finanzierungsrunden und bei Deals. Die aktuelle Transaktion war die bislang größte. Corporate-Partner Lindner, der einen engen Kontakt zum Management des Fintechs hat, zog für Spezialgebiete andere Kanzleien hinzu, mit denen er schon vorher zusammengearbeitet hatte. Nur die Berliner Kanzlei Sixtus sowie Annerton kamen über Smava direkt. Die steuerliche und finanzielle Due Diligence auf Seiten von Smava übernahm Ernst & Young, den Vendor Due Diligence Report Hyazinth.

Hellman & Friedman hatte bereits Ende 2019 beim Kauf von Finanzcheck von dem Internetportal-Betreiber Scout24 auf ein Freshfields-Team um von Riegen gesetzt. Für den Frankfurter Partner ist es der zweite Technologie-Deal innerhalb kurzer Zeit: Erst im Januar hatte er die Beteiligungsgesellschaft Francisco Partners beim Mehrheitserwerb an Native Instruments beraten, einem Berliner Software- und Hardwareanbieter für die digitale Musikproduktion.

Auch einige der Investoren setzten auf bewährte Berater: Bird & Bird begleitet etwa die britische Beteiligungsgesellschaft Kreos seit gut zehn Jahren, so auch 2018 beim australischen Börsengang von Marley Spoon. Auch jetzt beriet ein deutsch-englisches Team Kreos, die außerdem den Kontakt zu dem neuen Mandanten Proventus herstellten. Der schwedische Fonds stellte die Finanzierung gemeinsam mit Kreos zur Verfügung.

Auch Orrick-Partner Schmid hatte Vitruvian bereits unter anderem bei deren ursprünglichem Investment in Smava sowie weiteren Finanzierungsmaßnahmen beraten.

Die schwedische Beteiligungsgesellschaft Verdane setzte erneut auf White & Case. Der Hamburger Partner Kiesewetter hatte sie unter anderem auch als Bieterin für den Einstieg bei der ProSiebenSat.1-Tochter NuCom Group beraten.

Earlybird und Runa Capital schalteten soweit bekannt keine externen Berater ein.

Leo Schmidt-Hollburg verbindet ebenfalls eine lange Beziehung mit Finanzcheck: Die Hamburger Corporate-Boutique hatte die Gründer bereits 2018 bei ihrem Verkauf an Scout24 begleitet. (Christine Albert; mit Material von dpa)

  • Teilen