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02.03.2021

Kleine Rettung: Peter Kaiser mit Leonhardt Rattunde und Grub Brugger verkauft

Rettung für die Damenschuhmarke Peter Kaiser: Geschäftsführer Stefan Frank übernimmt zusammen mit den Investoren Hans-Joachim Sander und Gisa Sander Teile der insolventen Peter-Kaiser-Gruppe. Zukünftig werden allerdings in Deutschland nicht mehr Schuhe in Serie produziert, sondern Musterdesignschuhe und Prototypen entwickelt.

Martin Mucha

Martin Mucha

Das Werk in Pirmasens mit 170 Mitarbeitern wurde deshalb im Januar geschlossen. Zum Fortführungskonzept gehört aber der Weiterbetrieb von sechs eigenen Stores und des Onlineshops. Die Peter Kaiser Schuhfabrik mit damals rund 200 Mitarbeitern in Deutschland hatte im September 2020 beim Amtsgericht Pirmasens ein Schutzschirmverfahren beantragt.

Der erste Corona-Lockdown und die anschließende Kaufzurückhaltung hatten zu erheblichen Umsatzrückgängen geführt. Die Lage verschärfte sich mit dem zweiten Lockdown und der weitgehenden Schließung des Einzelhandels im Dezember. Im Januar 2021 hatte deswegen auch die Peter Kaiser Retail einen Insolvenzantrag gestellt.

Berater Familie Sander
Leonhardt Rattunde (Berlin): Prof. Dr. Torsten Martini; Associate: Dr. Jaqueline Rolle (beide Vertragsrecht/Restrukturierung)

Berater Peter Kaiser
Grub Brugger (Stuttgart): Martin Mucha (Generalbevollmächtigter), Dr. Hans Schenk (Federführung M&A; Frankfurt), Sebastian Schäfer (Insolvenzrecht/Eigenverwaltung), Dennis Lang (Immobilienrecht), Ursula Thein (Arbeitsrecht), Dr. Michael Jilek (Datenschutz/IP; München), Dr. Mario Weiss (M&A); Associates: Tobias Bodenhöfer (Insolvenzrecht/Eigenverwaltung), Dr. Silvan Bächle (M&A)

Torsten Martini

Torsten Martini

Sachwaltung
Staab & Kollegen (Saarbrücken): Günter Staab (Insolvenzrecht)

Hintergrund: Im September war Grub Brugger-Partner Mucha in Stuttgart als Generalbevollmächtigter in das Unternehmen eingetreten und hatte bei der Restrukturierung und Sanierung geholfen. Die ersten Beratungsgespräche hatten dem Vernehmen nach bereits im März 2020 stattgefunden.

In Person von Mucha war Grub Brugger zeitgleich in drei großen Insolvenz-Komplexen tätig: Peter Kaiser, Tadano und Tally Weijl. Bei dem Kranproduzenten Tadano Faun/Tadano Demag fungierte als Sachwalter Arndt Geiwitz von SGP Schneider Geiwitz & Partner, der Standort für die Gruppeninsolvenz der beiden Tadano-Gesellschaften war Zweibrücken. Auch dieses Schutzschirmverfahren konnte jetzt abgeschlossen werden, die Gläubiger stimmten den Insolvenzplänen zu. Für Mucha kam im Dezember die Insolvenz des Modeeinzelhändlers Tally Weijl am Amtsgericht Lörrach hinzu. Sachwalter dort ist Dr. Holger Leichtle von Görg.

Leonhardt Rattunde beriet die Familie Sander nicht zum ersten Mal in insolvenzbezogenen Fragen: Torsten Martini vertrat die Eheleute als Aktionäre von Vapiano. Die Restaurantkette hatte im April vergangenen Jahres Insolvenz angemeldet. Seine Kollegin Dr. Jaqueline Rolle war von 2018 bis 2020 Richterin am Landgericht Neuruppin und kehrte dann zur insolvenzrechtlichen Anwaltstätigkeit zurück, die sie zuvor bereits 15 Jahre lang ausgeübt hatte, unter anderem bei BBL Bernsau Brockdorff & Partner (heute BBL Brockdorff & Partner).

Günter Staab ist einer der bekanntesten Saarbrücker Insolvenzverwalter, der immer wieder für größere Fälle bestellt wird. Im Juni 2020 war er dort als Sachwalter der Nanogate-Gruppe installiert worden, ein Hersteller von Kunststoffoberflächen. Die einstige Schuhmetropole Pirmasens als Schauplatz der Peter Kaiser-Insolvenz ist eines der kleinsten deutschen Insolvenzgerichte. Soweit bekannt fand dort zum ersten Mal ein Schutzschirmverfahren nach Paragraf 270 b der Insolvenzordnung statt. Diese Variante ist seit 2012 Bestandteil des deutschen Insolvenzrechts. (Markus Lembeck)

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