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10.09.2021

Für den Transformationsprozess: Steag bekommt einen Treuhänder von Brinkmann

Die Restrukturierung des Energiekonzerns Steag geht in weiteren Schritten voran. Ein Treuhänder soll die Beteiligungsgesellschaft KSBG übernehmen, in der alle Anteile der Steag gebündelt sind. Erst vor zwei Wochen war bekannt geworden, dass die Treuhänderschaft nicht der RAG-Stiftung übertragen werden würde. Für dieses Modell zur Vorbereitung eines Verkaufs wurde Dr. Markus Plathner von Brinkmann & Partner vorgeschlagen.

Stefan Sax

Stefan Sax

Steag war die fünftgrößte deutsche Stromerzeugerin und ist aufgrund der Energiewende, insbesondere durch das Gesetz zur Reduzierung und Beendigung der Kohleverstromung (Kohleverstromungsbeendigungsgesetz, KVBG), unter hohen Restrukturierungsdruck geraten. Ein Sanierungsgutachten von Roland Berger, das im Mai bekannt wurde, beziffert allein die Verluste aus dem Kohleausstieg mit 57 Millionen Euro und warnte vor Liquiditätsproblemen.

Steag gehört über die Kommunale Beteiligungsgesellschaft (KSBG) sechs Stadtwerken im Ruhrgebiet, nämlich Dortmund zu 36 Prozent sowie in kleineren Anteilen Duisburg, Bochum, Essen, Oberhausen und Dinslaken. Die Holding – und Finanzierungsstruktur geht auf den Kauf zurück, der 2014 abgeschlossen wurde, Verkäuferin war die Jahre zuvor von der RAG abgespaltene Evonik.

Vor der NRW-Kommunalwahl im vergangenen Herbst hatten mehrere der beteiligten Stadtwerke den Wunsch geäußert, die Steag zu verkaufen. Nach der Wahl hatte zumindest der Dortmunder Oberbürgermeister das RAG-Treuhand-Modell favorisiert, mit dem ein Verkauf eingeleitet werden könnte.

Im Februar hatte der Steag-Aufsichtsrat Carsten König von der Beratungsgesellschaft Alix Partners als Chief Transformation Officer in die Geschäftsführung geholt. Diese Konstellation hielt nur bis August, seitdem ist Ralf Schmitz von der Unternehmensberatung Schmitz & Partner als Chefsanierer an Bord. Schmitz ist auch Geschäftsführer der Autobahn-Betreibergesellschaft A1 mobil, die ebenfalls in einem langwierigen Restrukturierungsprozess steckt.

Mathias Eisen

Mathias Eisen

Berater Kommunale Beteiligungsgesellschaft KSBG
Milbank (Frankfurt): Dr. Mathias Eisen; Associate: Robert Kastl (beide Finanzierung/Restrukturierung)

Berater Steag
Clifford Chance (Frankfurt): Dr. Stefan Sax (Restrukturierung), Dr. Florian Mahler (Finanzierung; Düsseldorf), Dr. Cristina Weidner (Restrukturierung)
DLA Piper (Köln): Dr. Andreas Meyer-Landrut (Corporate), Prof. Dr. Ludger Giesberts, Counsel: Dr. Thilo Streit (beide Öffentliches Wirtschaftsrecht)
Wellensiek (Heidelberg): Christopher Seagon (Insolvenzrecht)
Rosin Büdenbender (Essen): Jana Michaelis, Dr. Peter Rosin, Wiegand Laubenstein, Prof. Dr. Ulrich Büdenbender, Tobias Dingerdißen (alle Energierecht)

Berater Steag-Geschäftsführung
Gleiss Lutz (Stuttgart): Dr. Andreas Spahlinger, Dr. Matthias Tresselt, Dr. Alexander Nagel (Düsseldorf; alle Restrukturierung)

Berater Alix Partners/Carsten König
Iuslake (Frankfurt): Dr. Andreas Hautkappe (Restrukturierung)

Berater Stadtwerkekonsortium (ohne Dortmund)
Görg (Köln): Dr. Achim Compes (Energierecht), Dr. Martin Stockhausen (Restrukturierung), Dr. Christoph Niemeyer (Corporate)

Schott_Konrad_Heinrich

Konrad Schott

Berater Stadtwerke Dortmund
Freshfields Bruckhaus Deringer: Konrad Schott (Finanzierung; Frankfurt), Dr. Lars Westpfahl (Restrukturierung; Hamburg), Ralph Kogge (Corporate; München), Martin Schiessl (Steuern; Frankfurt)

Berater KSBG-Bankenkonsortium
Latham & Watkins (Hamburg): Frank Grell, Dr. Jörn Kowalewski (beide Restrukturierung), Sibylle Münch (Bank- und Finanzrecht; Frankfurt); Associates: Dr. Daniel Splittgerber, Dr. Ann-Sophie Rosenhagen, Marcel Endrich (Frankfurt; alle Restrukturierung), Dr. Philipp Thomssen (Corporate) 

Berater Steag-Bankenkonsortium
Noerr: Andreas Naujoks (Frankfurt; Finanzierung/Restrukturierung), Prof. Dr. Christian Pleister (Berlin), Simone Schönen (Hamburg; beide Restrukturierung), Dr. Dorian Legel (Finanzierung/Restrukturierung; Frankfurt)

Berater Schuldscheingläubiger der Steag
Dentons (Berlin): Andreas Ziegenhagen (Restrukturierung)

Markus Plathner

Markus Plathner

Designierte Treuhand KSBG
Brinkmann & Partner (Frankfurt): Dr. Markus Plathner (Insolvenzrecht)

Berater RAG-Stiftung
Allen & Overy (Frankfurt): Dr. Sven Prüfer (Restrukturierung), Dr. Hans Dieckmann (Corporate; Düsseldorf)

Hintergrund: Alle Berater sind aus dem Markt bekannt.

Sowohl Milbank als auch Görg sind seit vielen Jahren mit KSBG- und Steag-Themen befasst. Kölner Gesellschafts- und Energierechtler von Görg berieten das Stadtwerke-Konsortium bereits 2010 und 2014, als dieses die Steag-Anteile von Evonik kauften. Milbank war lange über den Frankfurter Partner Dr. Thomas Ingenhoven als Finanzierungs-Experte für die KSBG eingebunden.

Freshfields-Partner Schott berät die Dortmunder Stadtwerke (‚DSW21‘) bereits seit über 20 Jahren in komplexen Finanzierungsfragen. Mit der Umstrukturierung der Steag ist das Team seit fast drei Jahren befasst. Für die insolvenznahen Aspekte holte Schott den Hamburger Partner Westpfahl ins Boot. Soweit bekannt, hatten die Dortmunder Stadtwerke auch eine Zeit lang Linklaters involviert, als es noch in erster Linie um einen möglichen Verkauf der Steag-Anteile ging.

Wie so häufig hat sich die Berateraufstellung im Laufe der Restrukturierung differenziert. Dem Vernehmen nach mandatierten sowohl die Steag-Bankenseite (Noerr) als auch die Steag-Geschäftsführung (Gleiss Lutz) und das Unternehmen selbst (Clifford Chance, Wellensiek) erst im Laufe des Jahres weitere Berater, als auf allen Seiten auch die möglichen Varianten eines Insolvenzantrags durchgespielt wurden. Noerr-Partner Naujoks war zuletzt auch an den Restrukturierungen bei Willy Bogner sowie den Adler Modemärkten beteiligt. Den Interims-Manager Carsten König, der als Chief Transformation Officer knapp ein halbes Jahr lang die Geschäftsführung ergänzt hatte, beriet mit Andreas Hautkappe ein ehemaliger Partner von Willkie Farr & Gallagher.

Die Steag selbst hatte abseits der Krisenthemen auf DLA Piper gesetzt, ihre langjährige Beraterin im Gesellschaftsrecht.  In einzelnen Transaktionen hatte die Steag auch breiter mandatiert und etwa White & Case oder CMS Hasche Sigle hinzugezogen.

Ein internationales Team von Orrick wiederum unterstützte sie im Frühjahr beim Verkauf der Tochter Steag Power Minerals an die osteuropäische EP Power Europe. Intern wurde die Transaktion von Chefjuristin Nina Hollender und Manfred Ziwey als Projektverantwortlichen juristisch geleitet.

Mit Blick auf den Kohleausstieg wird das Essener Unternehmen hingegen von der Energierechtsboutique Rosin Büdenbender beraten.

Der vorgeschlagene Treuhänder Plathner ist einer der erfolgreichsten Insolvenzverwalter und Restrukturierungsberater in Deutschland. Der Brinkmann-Partner aus Frankfurt kennt sich insbesondere im Automotive- und Verkehrssektor gut aus. Zu seiner Bestellung als Geschäftsführer der Steag-Treuhandgesellschaft müssen die Gremien der sechs Kommunalversorger zustimmen. (Markus Lembeck, Martin Ströder)

 

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