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28.08.2012

Schritt in bessere Zukunft: Seibel übernimmt insolvente Leiser mit Greenfort-Hilfe vollständig

Der pfälzische Schuhproduzent Josef Seibel hat den insolventen Wettbewerber Leiser nun vollständig erworben. Die bayrische Leiser-Gruppe, mit einem Umsatz von zuletzt rund 190 Millionen Euro fünftgrößter deutscher Schuhhersteller, war erst im März dieses Jahres in die Insolvenz gerutscht. 

Als Sachwalter für die Muttergesellschaft und zwei Töchter wurden damals drei Partner der Sozietät Schneider & Geiwitz eingesetzt. Mit der Übernahme durch Seibel ist das Planinsolvenzverfahren von Leiser nach nur wenigen Monaten beendet. Leiser wird nun als eines der ersten Unternehmen nach der neu gestalteten Insolvenzordnung im Wege eines Schutzschirmverfahrens saniert. Dabei soll Leiser ermöglicht werden, ohne drohende Zwangsvollstreckungen einen Sanierungsplan in Eigenregie aufzustellen.

Carsten Angersbach

Einen mit allen Gläubigern abgestimmten Insolvenzplan hatte Leiser im Juni vorgelegt, das Insolvenzgericht bestätigte diesen Anfang August. Eine zweiwöchige Beschwerdefrist lief nun ab. Der Insolvenzplan läuft bis Ende 2013. Während dieser Zeit wird Seibel erheblich in Leiser investieren.

Thomas Keul

Leiser soll nach dem Insolvenzverfahren noch 1.000 Mitarbeiter beschäftigen. 400 Mitarbeiter werden entlassen, 30 der 170 Filialen des Traditionsunternehmens geschlossen. Seibel war schon 2010 mit 49 Prozent bei Leiser eingestiegen, hatte das Ausmaß der Schieflage nach eigenem Bekunden aber erst nach dem Einstieg gesehen und warf dem Management schwere Fehler vor. Die Differenzen zwischen Seibel und der hinter Leiser stehenden Familie Bahner hatten seitdem beständig zugenommen. Im Zuge der jetzigen Übernahme schied die Alteigentümerfamilie Bahner um Susanne Bahner aus dem Unternehmen aus.

Der neue Mehrheitseigner Seibel setzte 2011 rund 130 Millionen Euro um und beschäftigte 3.500 Mitarbeiter. Das Unternehmen stellt unter anderem Schuhe der Marke Romika her.

Berater Seibel
Greenfort (Frankfurt): Dr. Carsten Angersbach (Federführung), Dr. Daniel Röder (beide Corporate), Dr. Mark Lembke (Arbeitsrecht); Associates: Dr. Anh-Duc Cordalis, Sarah Widmaier, Hannibal Özdemir (alle Corporate), Pascal Ludwig (Arbeitsrecht)

Berater Leiser
Hogan Lovells (München): Dr. Heiko Tschauner (Federführung; Restrukturierung und Insolvenzrecht), Dr. Thomas Keul (Corporate; Litigation; Berlin), Dr. Christian Herweg (Finanzierung; Restrukturierung), Martin Günther (Immobilienrecht); Associates: Dr. Maximilian Baier, Vincent Braunschweig (beide Restrukturierung; Insolvenzrecht), Julia Parastandeh-Cher (Corporate; Litigation; Berlin), Sabrina Schafberg (Immobilienrecht)

Sachwalter Leiser
Schneider Geiwitz & Partner: Arndt Geiwitz (Sachwalter Leiser Fabrikations- und Handelsgesellschaft; Neu-Ulm), Christian Plail (Sachwalter Leiser Handelsgesellschaft Augsburg), Patrick Wahren (Sachwalter Schuhhof GmbH; Stuttgart)

Berater Familie Bahner
SLB Kloepper (München): Dr. Winfried Klöpper, David Müller-Feyen – aus dem Markt bekannt
Kantenwein Zimmermann Fox Kröck & Partner (München): Dr. Thomas Kantenwein – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Greenfort begleitete Seibel bereits beim Einstieg bei Leiser, dies war seinerzeit der Start der inzwischen intensiven Mandatsbeziehung zu dem Schuhhersteller. Auf der Gegenseite beriet bei dem damaligen Deal noch ein Team um den Frankfurter Noerr-Kapitalmarktexperten Eckhard Martin.

In der Folge kamen aufseiten von Leiser und der hinter der Gruppe stehenden Familie zahlreiche Kanzleien ins Mandat. Hogan Lovells wurde von der Leiser-Gruppe nach einer Empfehlung für den Berliner Partner Keul mandatiert, der auf Auseinandersetzungen in gesellschafts- und kapitalmarktrechtlichen Fragen spezialisiert ist. Keul war erst im vergangenen Jahr mit einem Team aus fünf Anwälten von Broich Bezzenberger zu Hogan Lovells gewechselt (mehr…).

Die Familie Bahner selbst hat im Verlauf der zunehmend prekären Situation des Unternehmens und der streitigen Verhandlungen mit Seibel mehr als eine Handvoll Kanzleien zu Rate gezogen, unter anderem Kasper Knacke und Hennerkes Kirchdörfer & Lorz. In den vergangenen Monaten steuerte aber vor allem SLB Kloepper in den prägenden insolvenzrechtlichen Fragen den Verhandlungsprozess sowie Kantenwein in gesellschaftsrechtlicher Hinsicht – beide sollen dem Vernehmen nach maßgeblich zu der letztlich recht geräuschlosen Einigung beigetragen haben. (René Bender)

 

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