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27.02.2013

Insolvenzen: Druckereien in der Krise

+++ Die Druckbranche muss auf zurückgehende Auflagen und sinkende Nachfrage etwa von Versandhändlern reagieren. Für den ein oder anderen Großbetrieb sieht diese Reaktion wie folgt aus: Insolvenzverfahren. Eines der ersten Verfahren nach den Regeln der ESUG-Reform im März 2012 betraf die große Druckereigruppe Drescher mit Sachwalter Dr. Wolfgang Bilgery von Grub Brugger & Partner. Beinahe im Wochentakt kamen und kommen weitere Druckereien hinzu, die auf die klassische Weise von vorläufigen Verwaltern betreut werden – im Januar etwa Peipers in Köln (Verwalter Dr. Christoph Niering von Niering Stock Tömp) oder Hammesfahr in Haan (Verwalter Stephan Riess von Schultze & Braun). +++

Beratung: Detlef Specovius von Schultze & Braun

+++ Bei der Großdruckerei Offizin Andersen Nexö (OAN) in Leipzig versucht Schultze & Braun auf Beraterseite zusammen mit Sachwalter Rüdiger Wienberg von hww Wienberg Wilhelm seit Ende Dezember einen Neustart in Eigenverwaltung. Für Schultze & Braun sind Detlef Specovius, Guido Koch und Frank Tschentscher im Einsatz. OAN und die Töchter Messedruck Leipzig sowie Leipziger Kunst- und Verlagsbuchbinderei wollen möglichst viele der 600 Arbeitsplätze in der Gruppe erhalten. Nach kurzer vorläufiger Phase sind die Verfahren über die Tochtergesellschaften bereits eröffnet, die Sachwalterrolle von Wienberg bestätigt. +++

Verwaltung: Volker Böhm von Schultze & Braun

+++ Der Ausdruck „Großverfahren“ dürfte für Volker Böhm vom Nürnberger Schultze & Braun-Büro relativ sein: Seit über einem Jahr kümmert sich sein Team um Solar Millennium und deren Gläubiger. Böhm arbeitet Punkt für Punkt die Liste der Beteiligungen ab, um mit Teilverkäufen Geld in die Kasse zu bekommen. Bekannt ist Böhm natürlich auch als Verwalter von Rosenthal. Gerade hat er eine erste Abschlagszahlung in Höhe von 12,5 Prozent für die Rosenthal-Gläubiger angekündigt, da steht mit Arzberger der nächste Porzellanhersteller auf seiner Liste. Das Amtsgericht Hof bestellte ihn genau vier Jahre nach Rosenthal. 200 Arbeitsplätze stehen diesmal auf dem Spiel.  +++

+++ Nach über zehn Jahren mit der Europäischen Insolvenzverordnung (EUInsVO) hatte die EU-Kommission im vergangenen Jahr eine Bestandsaufnahme in Auftrag gegeben. Rechtswissenschaftler aus Heidelberg und Wien haben die Verordnung evaluiert, unterstützt von Insolvenzpraktikern aus 26 Ländern – außer Dänemark, das die europäischen Verträge über die Zusammenarbeit in Justizfragen nicht unterzeichnet hat. Prof. Dr. Thomas Pfeiffer und seine zahlreichen Mitstreiter haben detaillierte Reformvorschläge gemacht. Die Arbeitsaufteilung zwischen Gerichten verschiedener Länder ist verbesserungsfähig, auch die Koordination von Konzerninsolvenzen, bei denen das Vermögen auf unterschiedliche EU-Staaten verteilt ist. Die EU-Kommission hat auf der Grundlage dieser Vorschläge schon einen Bericht an das EU-Parlament geschickt, um mit den Abgeordneten über die Reform der EUInsVO zu verhandeln. +++ (Markus Lembeck)

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