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22.06.1999

BBLP – Eine Marke gegen die Angelsachsen

Wie in JuVe Rechtsmarkt 6/99 berichtet, hat sich Beiten Burkhardt Mittl & Wegener rückwirkend zum 1. Januar mit drei anderen kontinentaleuropäischen Kanzleien zusammengeschlossen. Kennzeichen des Verbundes wird das Kürzel BBLP sein, das die Partnerkanzleien jeweils ihrem Namen voranstellen. Die neue Allianz ist mit mehr als 420 Anwälten und Steuerberatern in weltweit 27 Büros in 14 Ländern vertreten. Ziel der Alllianz ist eine Vollfusion innerhalb von drei Jahren, ohne daß dabei eine der beteiligten Sozietäten dominant wird.
Die weiteren Mitglieder von BBLP, die bei einer Pressekonferenz am 7. Juni vorgestellt wurden, sind mit Pavia e Ansaldo die größte Anwaltssozietät Italiens, die französische Kanzlei Moquet Borde sowie Meyer Lustenberger aus der Schweiz. Dort wird BBLP zunächst als einfache Gesellschaft nach Schweizer Recht ansässig sein. Die endgültige Entscheidung über den Sitz der vollfusionierten Sozietät soll nach rechtlichen und steuerlichen Überlegungen erfolgen. Durch den Zusammenschluß, der bereits seit einigen Monaten in Planung war, will man eine kritische Masse erreichen und damit Finanzkraft für weitere Expansionen schaffen. Ziel ist ein one-stop-shop für Mandanten, die bei ihren weltweiten Aktivitäten nur noch eine Kanzlei beauftragen müssen.
Beherrschendes Thema der Pressekonferenz im Zusammenhang mit den Fusionszielen war außerdem die Erhaltung der Identität und Kultur der beteiligten Kanzleien dadurch, daß kein Partner die anderen dominiert. Die Gefahr solcher Dominanz sieht Dr. Jürgen Burkhardt, neuer Managing-Partner von BBLP. bei einigen der kürzlich abgeschlossenen Allianzen und Fusionen zwischen deutschen und angelsächsischen Anwaltskanzleien als durchaus gegeben: „Die bisherigen lokalen Einheiten gehen mit ihren nationalen Besonderheiten und individuellen Stärken verloren. Es wird angelsächsisch vereinheitlicht, und es wird zentral aus London oder New York gesteuert.“
„Ich muß bleiben können, wer ich bin“, formuliert Namenspartner Andre Moquet dagegen stellvertretend das Credo des neuen Verbundes und ergänzt mit gallischer Leidenschaft: „Ich bin der Sohn meines Vaters, ich bin der Sohn meiner Mutter.“
Die anglo-amerikanische Dominanz ist Burkhardt zufolge nicht nur ein Ergebnis der Größe und Finanzkraft der Sozietäten aus diesem Raum, sondern beruht auch auf dem wachsenden Einfluß des Common-Law-Systems. Die Partnerkanzleien von BBLP suchen deshalb eine Alternative, so Burkhardt, „die trotzdem die Dominierung durch einen uns Kontinentaleuropäern eigentlich fremden Rechtskreis, das angelsächsische Common Law, ebenso vermeidet wie eine Dominierung durch eine Zentrale, die in London oder New York sitzt.“ Die Bildung einer kontinentaleuropäischen Anwaltssozietät mit entsprechender Expertise, Erfahrung und – besonders wichtig – Größe erfolgt deshalb auch mit dem Ziel ,,Mandanten aus dem eigenen Land für den grenzüberschreitenden Rechtsverkehr zurückzugewinnen. „Wir sind der Meinung, daß Firmen aus Kontinentaleuropa bei Dienstleistern aus ihrem eigenen Kulturkreis besser aufgehoben sind“, ist Burkhardt überzeugt. „Es ist nicht nur die Sprache als solche, die verbindet, sondern mehr noch wohl die gleiche kulturelle und gedankliche Basis, die das Verständnis füreinander erhöht.“
Strukturen der Gleichrangigen
Schwierige Aufgabe für BBLP ist genau diese Kombination aus dem Wunsch, nationale Rechts- und Sozietätskulturen zu bewahren, um attraktiver für Mandanten aus der gleichen Kultur zu sein, und der Notwendigkeit eines internationalen und einheitlichen Auftritts, um Mandanten in den angelsächsisch dominierten Transaktionsgebieten besser zu bedienen.
Die Management-Strukturen von BBLP werden betont ausgeglichen besetzt. Die vier Kanzleien werden jeweils durch einen Parter in einem Executive Committee‘ vertreten, und aus diesem Kreis wird durch die gesamte Partnerschaft der vier Kanzleien ein Managing- sowie ein Vice Managing-Partner gewählt. Hauptaufgabe des vierköpfigen Managementausschusses ist es, so schnell wie möglich die volle Integration der Mitgliedskanzleien zu ermöglichen. Ein Zeitraum von nicht länger als drei Jahren ist geplant.
Burkhardt zufolge gibt es bereits „eine gewisse wirtschaftliche Verflechtung“, aber spätestens 2002 wird BBLP „eine einheitliche Anwaltsfirma mit einem Gesellschaftsvertrag und einem Gewinnverteilungssystem sein.“
Über weitere Expansion wird jetzt schon nicht nur nachgedacht. Für ein gern gemeinsames Brüsseler Büro gibt es „konkrete Überlegungen“, während in Österreich schon vielversprechende Kontakte zustande gekommen sind. Für die Zukunft stehe eine Expansion nach England und in den USA auf der Tagesordnung, aber zunächst konzentriere man sich auf die Aufnahme weiterer Partnerkanzleien auf dem Kontinent.
Verwirrung unter den anwesenden Journalisten stiftete der Name des Zusammenschlusses, Warum wohl BBLP? Burkhardt erklärte dazu, man sei im Rahmen einer Beratung durch eine Marketing-Agentur auf den Namen BBLP gekommen, der wegen seines einprägsamen Klanges und der spürbaren, aber doch undefinierbaren Verbindung zu den Namen der Kanzleien ausgewählt worden ist. So denke man vielleicht an Beiten Burkhardt Lustenberger Pavia, oder Borde und Beiten. „Oder wissen Sie, wofür KPMG steht?“, kontert Pierre Kirch von Moquet Borde abschließend die Fragen der Journalisten.

BBLP: Wer gehört dazu?
Pavia e Ansaldo ist die derzeit größte Anwaltskanzlei Italiens. Sie unterhält Büros in Mailand, Rom, Turin und Padua sowie in New York und Moskau.
Moquet Borde hat Büros in Paris, Lyon, Budapest und Tallinn. Berichten aus Paris zufolge war die Kanzlei vor kurzem noch in Fusionsgesprächen mit De Pardieu Brocas Maffai & Associés. Nach dem Abbruch dieser Verhandlungen wechselten einige Moquet Borde-Anwälte dennoch zu De Pardieu.
Meyer Lustenberger hat Büros in Zürich und Zug und ist außerdem assoziert mit der Genfer Kanzlei Croisier & Gillioz.

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