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22.07.2000

Vollbracht: Linklaters Oppenhoff & Rädler

Gut zwei Jahre dauerte die Prüfung der ewigen Bindung. Das Ergebnis stand am 23. Juli, exakt zwei Jahre nach dem Beschluss der strategischen Allianz (JUVE Rechtmarkt 8/98) fest: Zum 1. Januar 2001 werden Linklaters und Oppenhoff & Rädler wirtschaftlich vollintegriert fusionieren. 93% der Mitglieder der Partnerversammlung bei Oppenhoff stimmten letztlich für die Verbindung, nachdem die Linklaters-Partner grünes Licht gegeben hatten.
Dem deutschen Vorreiter werden voraussichtlich die anderen Mitgliedskanzleien des Linklaters-Netzwerkes in Holland, Belgien, Italien und Schweden folgen. Es entstünde dann mit 2400 Berufsträgern in Europa ein Kanzlei-Gigant mit 25 Standorten weltweit.
Die Vollfusion war der zwangsläufige Schritt, wie der seit Juni letzten Jahres (JUVE Rechtsmarkt 8/99) tätige Managing Partner Markus Hartung bestätigt: „Wir hatten das Gefühl, dass es weiter gehen musste. Die enge Zusammenarbeit zum Beispiel im Marketing und bei der EDV war aufwendig, weil sie nur teilweise vollzogen werden konnte. Die Zusammenführung dieser Bereiche wird zu höherer Effizienz führen. Ausserdem wollten wir den Bedürfnissen unserer Mandanten, vor allem aus dem Finanzbereich, durch ein geschlossenes Auftreten weiter entgegenkommen.“
Weitere Schritte zur Vollintegration werden folgen. Zur Vereinheitlichung der inneren Vergütungsstruktur wird das Lockstep-System von Oppenhoff auf dasjenige von Linklaters transponiert. Ein Erfolg des deutschen Teils, denn die Integration wird auf den gleichen Altersstufen erfolgen. Ein Oppenhoff-Partner zum Beispiel, der seinen Status schon seit drei Jahren hat, wird auf die gleiche Lockstep-Stufe gestellt werden, wie ein Linklaters-Anwalt, der ebenfalls seit drei Jahren Partner ist. Die Vergütung wird nach Auswertung der Lockstep-Punkte an die Kaufkraft in Deutschland und Großbritannien angepasst.
Es wird erwartet, dass vor allem die Partner, deren Tätigkeit eher lokal oder regional ist, mit entsprechend weniger Vergütung pro Lockstep-Punkt bewertet werden. Kann dieses System auch die unterschiedliche Profitabilität der Anwälte ausgleichen? Nach Informationen der britischen Legalpress und anderen Quellen beträgt der Jahresumsatz von Oppenhoff & Rädler in Deutschland etwas weniger als DM 200 Mio., was einem durchschnittlichen Gewinn der einzelnen Partner von etwa DM 1 Mio. pro Jahr entspricht (durchschnittlicher Gewinn pro Partner bei Linklaters: DM 2,1 Mio. bei einem Gesamtumsatz von £ 395 Mio.) Hartung erklärt: „Grundsätzlich liegt die Profitabilität der deutschen und der britischen Kollegen im M&A- und Kapitalmarktgeschäft nicht so weit auseinander. Angepasst werden die Anwälte, deren Mandantschaft überwiegend lokal oder regional strukturiert ist.“
Die Führungspositionen teilen sich zukünftig Charles Allen-Jones (Senior-Partner), Vice-Chairman Michael Oppenhoff, Tony Angel (Managing Partner) und Markus Hartung (Managing Partner Deutschland).
Jede Verbindung von Wirtschaftseinheiten nimmt Personalfriktionen in Kauf. Marktbeobachter weisen darauf hin, dass es auch bei Linklaters Oppenhoff & Rädler freiwillige Abwanderungen und unfreiwillige Trennungen geben wird. Schon im letzten Jahr waren Einschätzungen bekannt geworden, nach denen der Druck auf einzelne Anwälte stark gewesen sei (JUVE Rechtsmarkt 5/99). Hartung reagiert ruhig auf Spekulationen über einen möglichen Aderlass: „Wer sich den neuen Herausforderungen nicht stellen möchte, erhält ein faires Ausstiegsangebot.“ Und doch dürften einige Aussteiger für die Kanzlei einen Verlust darstellen, der sich vielleicht erst später zeigen wird.
Neben der bereits in den Medien publizierten voraussichtlichen Trennung von einigen älteren Partnern, berichten zahlreiche Quellen außerdem vom bevorstehenden Ausstieg prominenter Anwälte im angestammten Berliner Oppenhoff-Büro. Ähnlich wie bei der Fusion von Pünder und Clifford Chance, ist die neue Einheit beispielsweise mit einem relativ hohen Potential an Mandatskonflikten im Medienbereich – insbesonders in der Telekommunikation – konfrontiert: Linklaters‘ traditionelle Beziehungen zu Vodafone könnten hier eine Rolle spielen. Für die Clifford Chance-Partner Sven-Erik Heun (Telekommunikation) und Thomas Heymann (IT) waren Konflikte ein Grund, sich für den Wechsel zu der US-Kanzlei Willkie Farr & Gallagher zu entscheiden (JUVE Rechtsmarkt 7/2000).

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