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01.02.2002

KPMG Beiten ist am Start

Profil zeichnet sich abManagementaussschuss, künftige Standorte und Strategieplanung – nach der Einigung von BBLP Beiten Burkhardt Mittl & Wegener und KPMG Treuhand & Goerdeler im September zeichnet sich nun deutlicher das Profil der künftigen größten deutschen Big-Five-Kanzlei KPMG Treuhand Beiten Burkhardt ab.
Die neue Einheit hat zum Jahresbeginn mit 280 Anwälten wie geplant die Arbeit aufgenommen, nachdem kurz vor Weihnachten der eigentliche Fusionsvertrag unterzeichnet worden war. Dabei wurde auch die Besetzung des sechs-köpfigen, paritätisch besetzten Management-Ausschusses festgelegt, der die Geschicke der neuen GmbH leiten wird. Auf Beiten-Seite wurden Dr. Jürgen Burkhardt (München), Dr. Thomas Sacher (Nürnberg) und Frank Obermann (Berlin) benannt, für KPMG sind Detlev Haselmann, Wolfger Ketzler und Peter Krüger vertreten. Die Beiten-Anwälte sicherten sich dabei das Casting Vote, also die entscheidende Stimme in Patt-Situationen.
In Deutschland wird KPMG Beiten an acht Standorten präsent sein. Das bisherige Düsseldorfer Beiten-Büro wurde dabei nach mehreren Partnerabgängen zum Jahreswechsel geschlossen, wobei drei Anwälte im Rahmen der Fusion mit zu KPMG Treuhand wechselten: Der IP- und Medienrechtler Dr. Joachim Wessel, erst vor einem Jahr aus dem Kölner Oppenhoff-Büro nach Düsseldorf gegangen, geht zusammen mit Dr. Dietmar Reich zurück nach Köln und verstärkt das dortige KPMG-Team, während Dr. Thomas Heidemann zur bestehenden Düsseldorfer KPMG-Mannschaft stößt. Zu den Kölner Mandanten Wessels zählt etwa Radio NRW.
Weitere Details zur Fusion mit KPMG gab das Beiten-Management gegenüber JUVE bekannt. Demnach schließt sich der Prager Standort mit zwei tschechischen Partnern und einigen Associates dem örtlichen Büro von White & Case an. Die weiteren Beiten-Auslandsbüros in Hongkong, Peking, Warschau, Budapest, Moskau und St. Petersburg werden dagegen Sacher zufolge Teil von KPMG Legal. Die Kanzlei dementierte in diesem Zusammenhang eine Meldung von Legal Week, derzufolge das Warschauer Büro möglicherweise ausscheide.
KPMG Legal werde als Anwaltsbereich des Big-Five-Wirtschaftsprüfungsunternehmens weltweit als eigenständiger Bereich aufgebaut und dabei deutlich verstärkt, sagte Burkhardt. Die Rechtsberatungspraxis werde nicht entsprechend den KPMG-Ländergesellschaften unterteilt, mit denen man jedoch zukünftig eng zusammenarbeite. So soll die bisherige Londoner Beiten-Präsenz als German Desk im Rahmen von KLegal fortgeführt werden: Der zuletzt in London federführende Beiten-Partner Dr. Günther Bredow ist künftig vom Frankfurter Büro aus tätig. Die britische Anwaltspresse meldete, dass KLegal mit der schottischen Kanzlei McGrigors Donald fusioniert. KPMG wird dadurch in Großbritannien mit 70 Partnern zur zweitgrößten WP-Kanzlei hinter Andersen Legal (101 Partner), die Beratungskapazitäten am Standort London erhöhen sich deutlich. Insgesamt verfügt KLegal Sacher zufolge weltweit über 2.700 Anwälte, davon allein 800 in Frankreich.
„Beiten Burkhardt wird im Verbund der KPMG eine selbstständige Rolle einnehmen“, sagte Sacher außerdem zur Situation in Deutschland. Beide Gesellschaften seien rechtlich und operativ selbständig, Gesellschafter der Anwalts-GmbH seien sieben natürliche Personen von KPMG und Beiten Burkhardt.
Die Fusion biete für beide Partner klare Vorteile, unterstrich Obermann. Gemeinsam könne man den Mandanten neben der internationalen Präsenz auch projektbezogene „Verbundlösungen“ bieten. Gemeint ist die integrierte Beratung in den Bereichen Legal, Tax, Audit und Financial Advisory Services wie etwa bei Privatisierungen, Sanierungen oder Restrukturierungen. „Es wird eine enge Verzahnung im Sinne einer MDP-Praxis geben“, betonte Obermann. An allen deutschen Standorten sei ein Zusammengehen der Beiten- und KPMG-Büros geplant. Ausnahme ist Frankfurt, wo die Anwälte dem Vernehmen nach im Messeturm bleiben werden.
KPMG Treuhand Beiten Burkhardt wird einer vorweihnachtlichen Presseerklärung zufolge „Dienstleistungen auf allen Feldern der wirtschaftsrechtlichen Beratung in Deutschland“ anbieten. Der bei KPMG sich bislang mit der Rechtsberatung überschneidende Tax-Bereich soll indes Obermann zufolge mittelfristig aus der Anwaltsberatung ausgegliedert werden. Bei Beiten schieden zuletzt bereits wichtige Steuerexperten aus. Susanne von Petrikowsky, bisher Leiterin der WP- und StB-Gesellschaft der Kanzlei, kehrte zurück zu Arthur Andersen. Steuer- und Transaktionspartner Dr. Ralf Eckert eröffnet im Januar mit weiteren Beiten-Partnern ein Münchner Büro für die US-Sozietät McDermott, Will & Emery. (Christoph Tillmanns)

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